Der Start ist geglückt: Seit Sonntagabend werden an der Börse CBOE in Chicago zum ersten Mal Bitcoin-Futures gehandelt. Das Interesse der Anleger war so gross, dass die Webseite der Börse mehrmals lahmgelegt wurde, der Handel mit Bitcoin-Terminkontrakten war ebenfalls kurzfristig unterbrochen, denn die Kursausschläge waren zu gross. Die Börse verhängt in solchen Fälle kurzfristige Handelspausen. Dem Preisanstieg von Bitcoin hat das allerdings nicht geschadet, der Kurs kletterte in den vergangenen 24 Stunden weiter.

Dass die viel gehypte Kryptowährung, die in den vergangenen Wochen atemberaubende Kursanstiege erlebt hat (seit Jahresanfang gibt es ein Plus von rund 1600 Prozent), und nun auch an einer grossen, etablierten Börse in den USA gehandelt wird, zeigt, dass der Bitcoin-Handel langsam den Kinderjahren entwächst. Banken haben dadurch vermehrt die Möglichkeit, Finanzprodukte auf Basis der Bitcoin-Futures zu lancieren. In absehbarer Zeit dürfte also auch das Angebot für Privatanleger in der Bitcoin-Welt grösser werden.

Futures sind Null-Summenspiele

Das Geschäft mit Futures ermöglicht es Anlegern, sowohl auf steigende Preise als auch auf sinkende Preise eines bestimmten Gutes zu setzen. Futures-Märkte gibt es zum Beispiel für Aktienindizes, Energie und andere Rohstoffe. Über Terminmärkte können sich Finanzmarktteilnehmer bezüglich möglicher  Preisschwankungen absichern und spekulieren. Futures sind Null-Summenspiele: einer gewinnt, der andere verliert.

Welche Rückkoppelungseffekte Terminkontrakte auf die Preisentwicklung von Bitcoin haben, darüber kann nur spekuliert werden. Klar ist, dass das Angebot an Terminkontrakten noch wesentlich breiter werden muss, damit der Einfluss spürbar ist. Die Börse CME wird in Kürze ebenfalls einen Terminkontrakt auf Bitcoin lancieren und die US-Investmentbank Goldman Sachs hat angekündigt, dass Transaktionen für Bitcoin abgewickelt werden sollen. Das wird den Markt für Bitcoin-Derivate liquider machen. Doch bis es soweit ist, wird es noch eine Weile dauern.

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Bitcoin im Höhenflug - wann kommt der Absturz?

Steen Jakobsen, CIO der Saxo Bank, hat in seinen «outrageous prediticions 2018» argumentiert, dass der Höhenflug von Bitcoin gerade wegen der entstehenden Futures-Märkte weitergehen werde. Denn so investierten plötzlich auch institutionelle Anleger, die bisher noch Berührungsängste mit Kryptowährungen hatten, in den Markt. Allerdings ist der Finanzmarkt keine Einbahnstrasse – dreht die Stimmung, kann es auch ganz schnell wieder nach unten mit dem Bitcoin-Preis gehen. Jakobsen rechnet zuerst mit einem Anstieg auf 60'000 Dollar je Bitcoin und anschliessend mit einem Absturz auf rund 1000 Dollar. Und das alles innerhalb der kommenden 12 Monate.

Noch ist der Markt aber von Euphorie geprägt. Da können Banker wie Jamie Dimon, der CEO von JP Morgan, oder der legendäre Warren Buffett vor Bitcoin warnen, so viel sie wollen. Viele Bankkunden wollen sich ihren Anteil am Bitcoin-Kuchen sichern. Wer als Anleger mit Bitcoin-Derivaten auf fallende Kurse setzte, hat sich bislang allerdings die Finger verbrannt. Die wenigen Produkte, die erhältlich waren, verschwanden vom Markt, weil die Stopp-Loss-Level in diesen Produkten erreicht wurden.