Öl ist zurück! Mit einem Preisanstieg um 45 und 50 Prozent zählen die Öl-Sorten WTI aus Texas und Brent aus der Nordsee im vergangenen Jahr zu den Top-Performern quer Beet über alle Asset-Klassen und Börsen. Für deutliche Kursgewinne sorgten dabei unter anderem die von den OPEC-Staaten und zusätzlich auch von mehreren Nicht-Mitgliedern des Ölkartells Ende des Jahres beschlossenen Förderkürzungen vorerst für sechs Monate.

Die Einhaltung der Kürzungen und dann eine mögliche Verlängerung halten die Rohstoffexperten von BNP Paribas auch für einen entscheidenden Faktor für die Ölpreisentwicklung. Immerhin haben beispielsweise Saudi Arabien und Kuwait in diesem Jahr ihre Förderung bereits gedrosselt. Auch Russland zeigte im Januar ein Förderminus von etwa 100'000 Barrel. Die OPEC will die Produktion im ersten Halbjahr 2017 insgesamt um 1,2 Millionen Barrel am Tag auf 32,6 Millionen Barrel senken und die kürzungswilligen OPEC-Nicht-Mitglieder wollen ihre tägliche Förderung um rund 550'000 Barrel zurückfahren.

Ölproduktion fällt, die Nachfrage steigt

Auf der anderen Seite allerdings rechnet die US-amerikanische Energiebehörde EIA nach einem Rückgang der Ölproduktion in den USA in 2016 um etwa 500'000 Barrel am Tag in 2017 wieder mit einem Anstieg der Förderung in den Staaten um 120'000 Barrel. Im nächsten Jahr soll die US-Förderung nach Schätzungen der EIA sogar um 300'000 Barrel am Tag zulegen. Und von den übrigen Nicht-OPEC-Staaten erwartet die Internationale Energieagentur IEA in diesem Jahr einen Anstieg der Förderung um 215'000 Barrel.

Werden die beschlossenen Förderkürzungen eingehalten, könnte das Ölangebot in diesem Jahr damit insgesamt stagnieren bis leicht fallen. Werden die Kürzungen sogar verlängert, wäre mit einem deutlichen Rückgang der Produktion im Gesamtjahr zu rechnen. Zudem zeigt sich US-Präsident Donald Trump nicht sonderlich erfreut über die mit dem Iran vereinbarten Abkommen. Wer weiss – möglicherweise steht das Land im mittleren Osten schon bald vor neuen Sanktionen. Die könnten sich dann auch auf die Ölproduktion auswirken.

Ein Nachfrageüberhang ist zu erwarten

Aber auch ohne solche Gedankenspiele steht der beschlossenen Förderkürzung der Ölländer eine Zunahme der weltweiten Ölnachfrage entgegen. Nach einem Anstieg der Nachfrage nach schwarzem Gold in 2016 um 1,5 Millionen Barrel täglich erwartet die IEA in 2017 einen Zuwachs der Nachfrage am Tag um 1,3 Millionen Barrel. Insgesamt wäre so nach Einschätzung der Energieagentur in den ersten beiden Quartalen mit einem Nachfrageüberhang von etwa 500000 bis knapp 1,0 Barrel am Tag zu rechnen.

Die Experten von BNP Paribas rechnen in diesem Jahr sogar mit einem Anstieg der Öl-Nachfrage von 96,2 auf 97,6 Millionen Barrel täglich. 2015 waren es erst 94,9 Millionen Barrel. Und für das Gesamtjahr erwarten die Rohstoffanalysten der Bank sogar einen weltweiten Nachfrageüberhang von 1,1 Millionen Barrel am Tag. Im vergangenen Jahr lag dagegen die Produktion dagegen noch um 0,7 Millionen Barrel über der täglichen Nachfrage.

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Der Ölpreis soll in 2017 steigen

Allerdings negativ könnte sich die Entwicklung des Dollars auswirken. US-Präsident Donald Trump will die Wirtschaft mit einem gewaltigen Konjunkturpaket für die Infrastruktur ankurbeln. Das könnte wiederum die US-Notenbank veranlassen, die Leitzinsen unerwartet stark zu erhöhen. Steigende Leitzinsen könnten sich aber negativ auf die Konjunktur in Schwellenländern auswirken. Das hätte dann auch Folgen auf die Ölnachfrage. «Nicht OECD-Länder und Emerging Markets sind in der Regel die Treiber für steigende Ölnachfrage. Ein Anstieg der Ölnachfrage in den USA infolge eines Konjunkturprogramms könnte dann aber wegen steigender Leitzinsen in den Staaten durch eine schwächere Ölnachfrage in anderen Regionen der Welt zum Teil kompensiert werden», vermutet Harry Tchilinguirian, Öl-Stratege bei BNP Paribas.

Trotz dieser Einschränkung erwarten die Rohstoffexperten der französischen Grossbank insgesamt weiter steigende Ölpreise. In einer aktuellen Studie haben die Strategen ihre Schätzung für den Preis je Barrel Brent für dieses Jahr erst vor wenigen Tagen um acht Dollar auf einen durchschnittlichen Preis für das 159-Liter-Fass von 58 Dollar erhöht. Die BNP-Analysten erwarten dabei im gesamten Jahr tendenziell steigende Preise und sagen für das vierte Quartal eine Brent-Notierung von 62 Dollar voraus.

2018 könnte es mit schwarzem Gold weiter nach oben gehen

2018 soll sich dieser Aufwärtstrend weiter fortsetzen. Die Strategen der Bank prognostizieren für nächstes Jahr einen durchschnittlichen Brent-Kurs von 63 Dollar je Barrel und im Schlussquartal soll es sogar einen Preisschub auf 69 Dollar geben.

Anleger, die auf steigende Ölpreise setzen wollen, greifen zum Hebel-Zertifikat (ISIN: CH0331695335, Laufzeit endlos, Basis und Knock-out jeweils 46,36 Dollar, Bezugsverhältnis 10:1). Steigt Brent in den nächsten Monaten tatsächlich auf 58 Dollar, dann wäre mit dem Call bei einem aktuellen 6er-Hebel ein Plus von rund 40 Prozent drin. Da das Zertifikat nicht währungsgesichert ist, kämen Gewinne bei  einem Anstieg des Dollar zum Franken sogar noch extra oben drauf.

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