Apple verkauft mittlerweile mehr Uhren als die gesamte Schweizer Uhrenindustrie. Wie stark bedrohen Smartwatches die Schweizer Hersteller, namentlich die Swatch Group?
Thomas Eckert: Die Apple Watch positioniert sich mehr und mehr als Gesundheits-Kompagnon, der das Herz und den Schlaf überwacht, zum Sport animiert und diesen auch aufzeichnet sowie als Bezahlmethode im Laden.

Für das tiefpreisigere Segment der Uhrenindustrie könnten die Uhren von Apple also sehr wohl zur ernstzunehmenden Konkurrenz werden. Das Luxusuhrensegment sollte hingegen davon kaum betroffen sein.

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Thomas Eckert ist Business Development Director Schweiz bei der Fondsgesellschaft Legg Mason. In dieser Funktion pflegt und entwickelt er die Geschäftsbeziehungen zu Banken, Versicherungen und Family Offices. Eckert verfügt über langjährige Branchenerfahrung und war in unterschiedlichen Funktionen und Positionen für Banken im In- und Ausland tätig. An der Universität Bonn erwarb er einen Bachelor of Science und an der Fachhochschule Nordwestschweiz einen Master of Advanced Studies in Banking and Finance.

Quelle: ZVG

Die US-Regierung stellt für 2020 ein Wachstum von 3 Prozent in Aussicht. Ist dieses Ziel realistisch, und wie wird sich Amerika wirtschaftlich im Vergleich mit Europa und Asien entwickeln?
3 Prozent sehen wir als zu optimistisch. Für 2020 rechnen wir in den USA eher mit einem ähnlichen Wachstum wie 2019, also um die 2 Prozent.

In der Eurozone insgesamt sehen wir weiterhin eine moderate Erholung des Wachstums (rund 1,2 Prozent), was hauptsächlich auf etwas bessere Ergebnisse in Deutschland und Italien zurückzuführen ist.

Das Wachstum der Schwellenländer dürfte sich (gemäss IMF Prognosen) 2020 auf ein Dreijahreshoch von 4,6 Prozent beschleunigen. Mit Ausnahme von China wird für die meisten Schwellenländer aufgrund der aggressiven Lockerungspolitik der Zentralbanken sowie der erwarteten Entspannung zwischen den USA und China von einer Erholung ausgegangen.

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Bemerkenswert ist die Verringerung des Inflationsrisikos in allen Schwellenländern. Global erwarten wir also ein stabiles, aber kein spektakuläres Wirtschaftswachstum.

Die Credit Suisse ist in den Markt für Exchange Traded Funds (ETFs) zurückgekehrt. Wird sich der Siegeszug der passiven Anlagefonds fortsetzen?
Für relativ einfache Anlagebedürfnisse, welche mit ETFs effizient abzubilden sind, werden passive Anlagefonds sicherlich weiterhin sehr gefragt sein. Dies einerseits, weil sie günstiger sind als aktive Fonds, und andererseits, weil es wenige aktive Fonds gibt, die längerfristig und regelmässig Alpha generieren können.

Für komplexere Anlagebedürfnisse sehen wir aktiv verwaltete Fonds weiterhin als Ideallösung, da der Manager sehr spezifisches Marktwissen benötigt und der Marktzugang nicht immer einfach ist.

Für aktive Vermögensverwalter, welche sich auf eine Nische spezialisieren oder komplexe Anlageideen umsetzen, rechnen wir mit guter Nachfrage. Bei «mainstream» Investments werden die ETFs jedoch weiterhin eine grosse Konkurrenz für die aktiven Fonds sein.

Und was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte sonst noch?
Die Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus auf die Weltwirtschaft stehen momentan im Fokus der Finanzmärkte, wobei man sagen muss, dass sich die Wogen in den letzten Tagen bereits wieder etwas geglättet haben.

Zudem ist wieder Berichtssaison und die Anleger schauen genau hin, ob der Optimismus der Investoren im Jahr 2019 und die momentan relativ hohen Bewertungen gerechtfertigt sind. Langsam aber sicher wird auch der US-Wahlkampf zum Thema.

Sollte sich herauskristallisieren, dass die Demokraten für die Präsidentschaftswahlen am 3. November realistische Siegchancen haben, wird dies gegen Sommer hin sicherlich zu erhöhter Volatilität an den Märkten führen. Das gilt insbesondere, falls Bernie Sanders ein aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat sein sollte.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Nachdem die Sorgen um den Coronavirus dem SMI einen kleinen Rückschlag versetzt hatten, hat der Index nun erneut einen historischen Höchststand erreicht.

Die Anleger scheinen sehr resilient zu sein und lassen sich von negativen Berichten kaum beeinflussen, sei es wegen dem erwähnten Coronavirus, dem Konflikt im Nahen Osten oder dem Handelsstreit zwischen den USA und China.

Wir denken, dass Rückschläge momentan als Kaufgelegenheiten angesehen werden könne, sofern sich keine Rezession abzeichnet, was unserer Meinung nach nicht der Fall ist. Daher sind wir weiterhin positiv eingestellt für die Börsen.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich sagen, vor allem vom Ausgang der Präsidentschaftswahlen in den USA im Herbst. Sollte Trump gewinnen, dürfte er weiterhin eine sehr wirtschaftsfreundliche Politik anstreben und versuchen, die Fed zu weiteren Zinssenkungen zu drängen.

Sollten die Demokraten triumphieren, wird es wohl turbulenter werden. Der Wahlkampf wird bereits Anfang März Fahrt aufnehmen, wenn am «Super Tuesday» gleich mehrere Vorwahlen stattfinden.

Und obwohl Wahljahre grundsätzlich als gute Börsenjahre gelten, sollte man sein Portfolio flexibel zusammenstellen, so dass man auch kurzfristig reagieren kann.

Sie haben es erwähnt - die Corona-Epidemie scheint langsam abzuebbben. Wie stark dämpft der Ausbruch des Virus das globale Wirtschaftswachstum aus heutiger Sicht?
Nach unserer Einschätzung werden die Auswirkungen des Ausbruchs des Coronavirus auf das globale Wachstum erheblich, aber relativ kurzlebig sein. China verfügt über umfangreiche politische Instrumente, darunter fiskal- und geldpolitische Massnahmen, um den akuten Schock in der ersten Jahreshälfte abzufedern.

Die Auswirkungen auf die Industrieländer sollten weniger ausgeprägt sein, insbesondere in Ländern, in denen der Inlandsverbrauch der wichtigste wirtschaftliche Motor ist. Auf der anderen Seite wird in Schwellenländern wahrscheinlich ein negativer Nachhall zu spüren sein, obwohl die Auswirkungen von Land zu Land stark variieren werden.

Der politische Spielraum ist wahrscheinlich für fundamental gesunde Schwellenländer vorhanden, aber in schwachen Ländern kann es möglicherweise zu Marktvolatilitäten kommen, insbesondere in Ländern, die stark auf Rohstoffe angewiesen sind.

Daher wird die Länderdifferenzierung / -selektivität der Schlüssel sein.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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