ill gates hat es möglich gemacht: dank Microsoft-Aktien und -Optionen ist rund ein Drittel seiner Belegschaft Millionär geworden. Bei einem Kursanstieg von fast 1300 Prozent in den letzten fünf Jahren ist das nicht erstaunlich. Die Microsoft-Belegschaft gehört zu jenen etwa sechs Millionen Amerikanern, die dank der Einbindung in Aktienoptionspläne bei gutem Geschäftsgang Chancen auf riesige Löhne haben. Die magische Millionengrenze haben indessen noch längst nicht alle geschafft. Denn Merrill Lynch und Gemini Consulting schätzen die Zahl der Dollarmillionäre weltweit auf sechs Millionen. 1997 besassen sie ein sagenhaftes Vermögen von 21 600 000 000 000 Dollar - Tendenz stark steigend. Bereits im Jahr 2003, so die Schätzungen, dürfte das Vermögen dieser so genannten «high net worth individuals» auf 32 700 000 000 000 Dollar angestiegen sein. Dank einer durchschnittlichen Rendite von neun Prozent pro Jahr.

Schneller dürfte Bill Gates’ Vermögen wachsen. Doch die Generation der jungen Internetmanager holt auf. Für die erste Milliarde musste Gates zwölf Jahre schuften. Die Gründer der Internetsuchmaschine Yahoo schafften das Kunststück in drei Jahren, und Peter Omidyar, Gründer des Netzauktionshauses eBay brauchte für seine erste Dollarmilliarde nur fünf Wochen. Die Wizzkids im Silicon Valley schlagen im Vergleich zu ihren Vätern einen neuen Takt an. Dort sitzen rund 250 000 Millionäre. «Jeder wird reich, nur ich nicht», titelte etwa das amerikanische Magazin «Newsweek» Anfang Juli und zeigte Jungunternehmer oder junge Kadermitarbeiter von erfolgreichen Firmen, die ihre erste Million mit links verdient hatten. Sie stehen zu ihrem Reichtum und würden ihren Job nie an den Nagel hängen. Einmal erfolgreich, immer erfolgreich. Und: Millionär zu werden, war selten ihre Triebfeder.

Das ist auch bei Benjamin Uhlmann nicht anders. Er deklariert derzeit in der ganzen Schweiz auf grossen Plakatwänden freimütig: «Ich werde Millionär!» Mit der Plakataktion will das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) einerseits die Wünsche der Jungen zum Ausdruck bringen, wie Projektleiter Christoph Schmitter erklärt. Und Geld spiele da sicher eine Rolle. Doch viel mehr noch will das BBT zeigen, dass eine Lehre ein Einstieg mit vielen Entwicklungsmöglichkeiten sei und dass man ohne Weiterbildung beruflich den Anschluss verpasse. Auch Benjamin Uhlmann, der für die jüngste Werbekampagne des Bundesamtes Modell stand, geht es nicht in erster Linie ums Geld. «Ich will eine Million gute Ideen haben, und wenn sich die in Geld ummünzen lassen, habe ich nichts dagegen», sagt der junge Landschaftsgärtner.

Für Chris von Rohr war die «Million» eine magische Zahl. Der Rockguru der Nation wollte nämlich eine Million Tonträger verkaufen. Mit der Band Krokus ist ihm das gelungen. Doch die grosse Kohle hat er damit vorerst nicht gemacht. Die selbstständige Vermögensverwalterin Elisabeth Höller wollte während der Studienzeit «der Menschheit dienen» und bei einer sozialen Institution arbeiten oder selber eine aufbauen. Als sie dann bei der alten SBG in den «Tempel des grossen Geldes» eintrat, war sie von der Gewinnmaximierung mit Börsengeschäften plötzlich fasziniert. Und Xaver Steiner, der heute ebenfalls selbstständig für Kunden Vermögen verwaltet, wählte mit seinem Hang zur Literatur anfänglich auch nicht unbedingt den finanziell einträglichsten Weg. Erst bei seinem Arbeitgeber, der damaligen Kreditanstalt, ist er auf den Geschmack gekommen.

Heute sind alle drei Millionär. Doch geändert hat sich nicht viel, und Vorbilder hatten sie auch keine. «Für mich zählten nur die Beatles, die Rolling Stones und Van Morrison», sagt von Rohr. Und noch heute findet er es am schönsten, Musik zu machen. «Musik ist und bleibt mein Leben und meine Seelentherapie - aber ich kann mein Seil für die Doppelsaltos besser spannen, das beruhigt», sagt der Rocker. «Glück kann man mit keinem Geld auf dieser Welt kaufen», sagt er, «schaut euch mal die Gesichter der Milliardäre an.» Elisabeth Höller schuftet nach wie vor hart und will an zahlreichen Seminaren vor allem Frauen beibringen, dass es Spass macht, «mit Geld Geld zu verdienen». Und Xaver Steiner ist dankbar, dass ihm sein über die Jahre aufgebautes Vermögen den Weg in die Selbstständigkeit geebnet hat.

Doch mit normaler Lohnarbeit hätten es die drei kaum geschafft, in so kurzer Zeit in die Liga der Vermögenden aufzusteigen. Geholfen hat ihnen vielmehr die Börse. Chris von Rohr liess sich auf einen Machtkampf mit dem amerikanischen Krokus-Manager ein, der ganz im Gegensatz zu den Bandmitgliedern mächtig abkassierte. Ein Jahr später musste der passionierte Musiker und heutige «Gotthard»-Produzent und -Songwriter gehen. Mit der Abfindung kaufte er amerikanische und schweizerische Bluechips. Pate stand bei seinen ersten Investmententscheiden die Mutter, die schon während von Rohrs Kindheit das Haushaltsgeld mit geschickten Börsentransaktionen aufgebessert hatte.

Elisabeth Höller, Ehefrau und Mutter, hatte erst einige Jahre nach der Gründung der Dr. Höller Vermögensverwaltung und Anlageberatung AG ihre erste Million auf ihrem eigenen Konto. «Ich bin der Meinung, dass in der Schweiz mehr oder weniger jede und jeder heutzutage die Chance hat, ein Vermögen zu verdienen», sagt die gebürtige Österreicherin. Als einfacheren Weg bezeichnet Elisabeth Höller Börsengeschäfte auf eigene Rechnung. Der kompliziertere gehe über die Dienstleistungen der Vermögensverwaltung für andere Leute gegen Honorar, die sie über ihre Firma erbringe. «Die erste Million hat sich aus einer Mischung aus diesen beiden Komponenten ergeben», sagt Höller. Ihre eigenen Börsengeschäfte hat sie stets mit einer ausgewogenen Strategie getätigt. Neben Aktien, Obligationen und Devisen setzte sie Derviate nur als Ergänzung ein, denn als sie sich selbstständig machte, hat sie ihrem Mann das Versprechen gegeben, immer relativ konservativ zu investieren.

Aufs Ganze hingegen ging Xaver Steiner. Bei der Kreditanstalt hat der damalige Portfoliomanager gelernt, Unternehmen zu analysieren. Wichtig ist ihm vor allem eine kontinuierliche Entwicklung des Unternehmens. Nur logisch also, dass vor allem einige Schweizer Bluechips auf seiner Hitliste figurieren. Und so kam es, dass er eines Tages 100 000 Franken - einen substanziellen Teil seiner Ersparnisse - in eine fünfjährige Roche-Option investierte. Ohne Bauchweh bei kleinen Rückschlägen und im Wissen, dass er nach seinen strengen Selektionskriterien eine gute Wahl getroffen hatte. Nach rund drei Jahren verdiente er seine erste Million - mit einer einzigen, sorgfältig ausgewählten Option.

Was wir daraus lernen? Jeder kann Millionär werden, denn jeder kann sich mit viel Energie selber in die Geheimnisse der Börse einarbeiten oder aber einen Berater suchen, der den eigenen Bedürfnissen gerecht wird. bilanz zeigt acht wichtige Überlegungen, die auf dem Weg zur ersten Million unbedingt ins Kalkül gehören:

Bescheidenheit ist eine Tugend
Nicht zufällig heisst es im Volksmund, «bei den Reichen lernt man sparen». Der durchschnittliche Millionär ist verheiratet, hat Kinder, fährt keinen teuren Schlitten und wohnt seit zwanzig Jahren im gleichen Haus. Das Vorzeigebeispiel für diesen Lebensstil ist Warren Buffett, der zweitreichste Mann der USA. Er ist der einzige unter den 400 reichsten Amerikanern, der sein Vermögen ausschliesslich am Aktienmarkt verdient hat. Buffett lebt noch im gleichen Haus, das er 1958 gekauft hat, fährt einen typischen Durchschnittswagen und ist überzeugt, dass er seine Kinder verderben könnte, würde er sie mit grosszügigen Ge- schenken überhäufen (siehe BILANZ 5/99 «Der Guru von Middle America»).

Rotstift ansetzen
Agieren Sie bei Ihrem persönlichen Haushaltsbudget wie ein Unternehmer, und schauen Sie, ob Sie ihre Kosten herunterfahren können. Einfache Massnahmen genügen meist: Prüfen Sie, ob Ihre Krankenkasse in der Grundversicherung massiv teurer ist als die Konkurrenz. Bis Ende September können Sie Ihren Vertrag kündigen. Bei Zusatzversicherungen lohnt sich ein Konkurrenzvergleich ebenfalls. Analysieren Sie Ihre Sachversicherungen, und schauen Sie beispielsweise bei der Hausratsversicherung, ob Sie überversichert sind. Überprüfen Sie, vor allem wenn Sie für niemanden finanziell geradestehen, ob die Lebensversicherung Sinn macht. Überzeugen Sie Ihre Kinder, dass eine Markenskijacke zwar cool, aber im Umgang mit den Kollegen nicht matchentscheidend ist. Und dass das Vorjahresmodell des Mountainbike für die wenigen Fahrten in die Schule auch reicht. Mit solchen Massnahmen lassen sich die monatlichen Kosten um einen dreistelligen Frankenbetrag nach unten korrigieren. Werden damit stattdessen - beispielsweise über einen Fondssparplan - Fondsanteile gekauft, schaut schon in wenigen Jahren eine schöne Rendite heraus (siehe Tabelle).

Früh übt sich
Was in der Liebe gilt, zählt erst recht beim Sparen. «Eltern sollten wenn immer möglich den Kindern einen Fondssparplan mit regelmässigen Einzahlungen äufnen», heisst es bei der Credit Suisse. Auch der Göttibatzen wächst in einem Fondssparplan mit hohem Aktienanteil weit stärker als auf dem Sparheft. Einfache Berechnungen zeigen, wie effektiv solche Massnahmen sind. Wer für sein Kind ab Geburt monatlich 100 Franken in einen weltweit diversifizierten Aktienfonds investiert, kann im Durchschnitt mit einer jährlichen Performance von rund acht Prozent rechnen. Nach 18 Jahren, also nach der Berufslehre oder vor dem Studium, haben sich über 46 000 Franken angesammelt. Und das mit einem Kapitaleinsatz von insgesamt 21 600 Franken.

Im Vergleich zum Sparheft beträgt der Mehrertrag fast 10 000 Franken. Noch extremer greift der Zinseszinseffekt, wenn etwa die Grosseltern bei Geburt einen substanziellen Betrag in einen Aktienfonds investieren. Mit nur 11 750 Franken erhält das Grosskind nach der Lehre ebenfalls über 46 000 Franken. Der Unterschied zur Rendite des Sparheftes ist noch grösser. Vor allem die seit kurzem in den Markt drängenden Versicherungen bieten Fondssparpläne schon ab einer Einlage von 50 Franken pro Monat an. Unter der Internetadresse www.profitline.ch können interessierte Anleger jederzeit berechnen, wie schnell der einbezahlte Betrag bei einer auf die Bedürfnisse des Anlegers zugeschnittenen Rendite und einer zu definierenden Anlagedauer wächst.

Ohne Aktien geht es nicht
Mit dem Sparheft oder mit Obligationen ist die erste Million heute auf Grund der tiefen Zinsen kaum mehr zu schaffen. Also gehören Aktien ins Depot, denn die rentierten im Durchschnitt der letzten 73 Jahre laut Berechnungen der Bank Pictet knapp über acht Prozent pro Jahr. Mit eben dieser Rendite lässt sich das Vermögen alle neun Jahre verdoppeln. Obligationen hingegen schafften in der gleichen Zeitperiode nur 2,31 Prozent. Diese Entwicklung hat bei den Anlegern das Bedürfnis nach höheren Renditen geweckt.

«Aktiensparen ist heute viel akzeptierter als früher», sagt denn auch Hans-Peter Loosli, Leiter Anlagen im Anlagekundengeschäft Schweiz bei der UBS. Insbesondere die Nachfolgegeneration pflege ein ausgeprägteres Performancedenken. «Entscheidend ist inskünftig vermehrt die Nettoperformance nach Steuern und Gebühren», sagt Peter Schuppli, Geschäftsleitungsmitglied der Bank Leu. Diesen Druck spürt man im Privatebanking nicht primär bei jener Kundschaft, die sich auf die Erhaltung der Substanz beschränkt. «Vor allem Erben und jene, die dank einem Firmenverkauf, gut dotierten sportlichen Leistungen oder hohen Bonuszahlungen schnell zu viel Geld gekommen sind, legen grossen Wert auf die Performance», erklärt Schuppli.

Information ist alles
Blauäugig schafft heute kaum einer seine erste Million. Wer nur auf das Glück hofft, spielt besser Lotto, denn Grundkenntnisse über das Funktionieren der Finanzmärkte erleichtern die gemeinsamen Gespräche mit dem Anlageberater oder Vermögensverwalter. Hans-Peter Loosli beispielsweise beobachtet, dass der «Investor-IQ» in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Der 47-jährige Chris von Rohr, der das Geldverdienen erst vor gut zehn Jahren entdeckte, hat die Bücher von Börsenguru André Kostolany verschlungen. Seit einigen Jahren arbeitet er mit einem Anlageberater zusammen. Doch das Schicksal seiner Investments würde er nie vollends einem Berater anvertrauen. Er will vielmehr selber auf dem Laufenden bleiben und mitreden. Und wenn während einer Plattenproduktion die Musik erst recht zum Lebensmittelpunkt wird, fährt er seine riskanteren Anlageinstrumente herunter. Auch Elisabeth Höller empfiehlt, Zeit in eine fundierte Schulung zu investieren.

Finanzplanung optimieren
«Ein erfolgreicher, langfristig angelegter Vermögensaufbau setzt eine klare Strategie voraus», sagt Peter Schuppli. «Weil die Sparzeit über ein ganzes Leben auf Grund längerer Ausbildungszeiten und Frühpensionierungen ohnehin kürzer wird, sollte die Planung rechtzeitig einsetzen und auf sieben bis zehn Jahr angelegt sein», erklärt er. Dass das Lohnmaximum auf Grund der neuen Salärmodelle mit Erfolgsbeteiligung tendenziell früher erreicht wird als früher, gibt der vorausschauenden Finanzplanung eine zusätzliche Dimension. Ändert sich die Einkommens- oder Vermögenssituation, drängt sich eine Anpassung der Strategie auf. Zu einer umfassenden Finanzplanung gehört längst nicht nur die Auswahl der Anlageinstrumente. Vielmehr sollten die Vorsorge, allfällige anstehende Erbschaften, der Besitz von Liegenschaften, Versicherungen, die berufliche Zukunft der Kinder und geplante grössere Anschaffungen in die Überlegungen einbezogen werden. Nur so lässt sich eine steueroptimierte Finanzplanung durchführen (siehe Kasten «Die wichtigsten Steuerspartipps für Lohnempfänger» auf Seite 174). Mit geschickter Steueroptimierung lässt sich gar eine vorzeitige Pensionierung finanzieren (siehe «Frühpensionierung dank Optimierung»).

Willenskraft aufbringen
«Jeder kann Millionär werden», verkündet der selbsternannte deutsche Anlageguru Bodo Schäfer an seinen Anlageseminaren. Der beste Beweis sei er selber. Peter Schuppli ist überzeugt, dass der angehende Millionär Systematik und Beharrlichkeit aufbringen sollte. Und Elisabeth Höller sieht Willen und Durchhaltevermögen, gepaart mit hoher Professionalität, als Schlüsselfaktoren. Millionäre, so ein Versuch, die Glücklichen zu typisieren, strahlen Selbstbewusstsein aus, sind motiviert, haben Freude am Spekulieren und sind auch nach Verlusten risikobereit, legen aber Wert auf kontrolliertes Verhalten. Die Verlierer hingegen sind erfolglos, ängstlich, scheuen das Risiko und werden durch Verluste gelähmt.

Strategie entwickeln
Sind diese Prinzipien erst einmal verinnerlicht, muss jeder Anleger für sich selber eine Risikoanalyse vornehmen. Die meisten Schweizerinnen und Schweizer wählen eine Mischung aus Aktien und Obligationen. Eine einfache Regel zeigt, wie hoch der Aktienanteil in einem Depot sein darf: 100 minus Alter der betoffenen Person ergibt einen vernünftigen Aktienanteil. Ein Fondssparplan für Kinder sollte also gänzlich aus Aktien bestehen. Je älter ein Anleger, desto kleiner wird der Anteil der Dividendenpapiere am gesamten Vermögen ausfallen. Diese Regel ist dann hinfällig, wenn beispielsweise die Eltern über so viel Vermögen verfügen, dass Sie ohnehin für die nächste Generation sparen. In einem solchen Fall macht ein hoher Aktienanteil Sinn.

Auch wer kontinuierlich mit Anlagefonds spart, darf sich einen hohen, weltweit diversifizierten Aktienanteil leisten. Regelmässig geäufnete Fondssparpläne sind nämlich ein probates Mittel gegen das ständige Auf und Ab an der Börse. Sinken die Börsen, erhält der Anleger für sein Geld mehr Fondsanteilsscheine. In steigenden Börsen hingegen kriegt er für das gleiche Geld weniger Anteile. Dieser sogenannte Cost-Averaging-Effekt führt langfristig zu einer sehr vorteilhaften Wertentwicklung. Langsam, aber stetig geht es gegen die erste Million.

Die schnelle Million hingegen ist ohne Direktanlagen in Aktien kaum zu erreichen. Und ohne Börsenhighflyer geht es auch nicht. Bodo Schäfer lockt seine Seminarteilnehmer mit der knackigen Aussage «So machen Sie in sieben Jahren Ihre erste Million». Mit soliden Bluechips war das jedoch in den letzten Jahren nicht zu schaffen. Vor fünf Jahren, am Anfang der Börsenboomjahre, hätte ein Anleger rund 350 000 Franken in einen Schweizer Bluechips-Fonds investieren müssen, um die Millionengrenze in dieser Zeitspanne zu knacken. Über 200 000 Franken wären nötig gewesen, um mit den Aktien der Schweizer Rück die magische Zahl zu erreichen. Doch wer hat schon so viel Bares, dass er sich leisten kann, 200 000 Franken in einen einzigen Titel zu investieren? Nur 16 000 Franken wären hingegen nötig gewesen, um das gleiche Kunststück mit dem Schweizer Börsenhighflyer Kudelski zu schaffen. Vor fünf Jahren allerdings brauchte es viel Mut, in dieses kleine Westschweizer Unternehmen zu investieren.

Nervenkitzel erhalten die Anleger auch mit Optionen. Geschickt gewählt, können sie die Performance eines Aktiendepots massiv verbessern. Aber aufgepasst: Über 70 Prozent der Optionen verfallen wertlos. Die meisten Anleger sind mit solchen Anlageinstrumenten schon einmal auf die Nase gefallen. Xaver Steiner verfährt sorgfältiger. Seine Optionsstrategie ist ähnlich langfristig ausgelegt wie eine Aktienstrategie. Damit ist klar, dass sich nur Optionen auf defensive Qualitätstitel wie etwa Nestlé, Roche oder Novartis anbieten. «Wichtig ist für mich eine kontinuierliche und nachvollziehbare Entwicklung des Unternehmens», sagt Steiner, der seinen Kunden einen Teil ihres Vermögens in langfristige Optionen mit tiefem Hebel und tiefem Ausübungspreis anglegt. Mit Optionen auf Bankaktien und Hightechtiteln würde sich Steiner nicht wohl fühlen, weil die Kursschwankungen zu gross sind. «Es ist wichtig, strategisch zu denken, aber es ist ebenso wichtig, diese Strategie immer wieder auf ihre Richtigkeit zu überprüfen.»

Das gilt auch für Aktienstrategien. Viele Anleger schätzen die so genannte «Buy and hold»-Strategie. Sie kaufen Bluechips und lassen sie während Jahren liegen. Bei Qualitätsaktien hat sich diese Strategie sehr bewährt. «Viele erfolgreiche Kunden haben ihre Aktien vor Jahren gekauft und sind immer dabeigeblieben», sagt Peter Schuppli. Diese Strategie geht allerdings über lange Sicht nicht bei allen Titeln auf. Konjunktursensitive Nebenwerte und temporäre Börsenhighflyer beispielsweise bedürfen einer regelmässigen Überwachung. Wer seinen Erfolg kontrolliert, verhindert Fehler und lenkt das Risikoverhalten auf lohnende Ziele. Urs Ackermann, Pressesprecher der Zürcher Kantonalbank (ZKB) formuliert es nach einer Umfrage bei ZKB-Anlageberatern so: «Wer viel Geld hat, darf spekulieren, wer wenig Geld hat, soll nicht spekulieren, und wer kein Geld hat, muss spekulieren.»
Auch interessant