Schatz, wir müssen reden: Und nein, nicht über Sex, sondern über Geld. Denn Finanzen sind in deutschen Beziehungen ein noch grösseres grosses Tabu als Sexualität.

Zwar sprechen nach eigenen Angaben 56 Prozent der Deutschen mit ihrem Partner offen über sexuelle Wünsche, beim Thema Geld dagegen sind es nur 42 Prozent, wie eine repräsentative Studie der Partnervermittlungsplattform ElitePartner ergab.

Diese Verdruckstheit ist schädlich, denn das Pekuniäre ist ein ganz elementares Thema für das Miteinander. Es zu verleugnen kann nicht nur die finanzielle Zukunft von Paaren in Gefahr bringen, sondern auch die Beziehung selber zerrütten.

Umgekehrt helfen ein paar Tricks, nicht nur die gemeinsamen Finanzen in den Griff zu bekommen, sondern auch der Beziehung neuen Schwung zu verleihen.

Oft fehlendes Vertrauen

Wie gehemmt die Deutschen beim Thema Geld sind, das weiss Andreas Görler aus seiner täglichen Arbeit. Görler ist Vermögensverwalter in Berlin, sein Beruf ist es also, Geld langfristig zu mehren.

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In regelmässigem Abstand hat Görler Paare vor sich sitzen, denen die Situation merklich unangenehm ist: Er möchte mit ihnen über ihr Geld reden, doch das war in der Beziehung bisher kaum ein Gesprächsthema.

«Es war schon manchmal irritierend, wenn ich als Berater das Gefühl hatte, dass ein junges Ehepaar während eines Beratungsgespräches zum ersten Mal über Finanzthemen spricht», erinnert sich der Geldmanager der Firma Wellinvest Pruschke & Kalm.

Der Grund dafür ist oft fehlendes Vertrauen, und das macht einen Teil des Problems aus. Denn in Partnerschaften und vor allem Familien müssen die Finanzangelegenheiten gestaltet werden, nicht dem Zufall überlassen.

Fragt man Psychologen nach der Problematik, wird die Parallele zum zweiten grossen Tabuthema – Sex – deutlich: Beide Themen sind mit Scham besetzt, beides bedingt Vertrauen in den Partner, beides appelliert an den Selbstwert, macht verletzlich und angreifbar.

Wer gibt gern zu, dass er Schulden hat?

Sex und Geld bergen mitunter grosse Konflikte, die zumal am Anfang der Beziehung viele zu vermeiden suchen.

Wer gibt schon gerne zu, dass er Schulden hat oder sich die ungeöffneten Mahnungen stapeln? Anderen ist es unangenehm, dass sie geerbt haben und niemals Geldsorgen haben werden.

Beides führt dazu, dass die finanzielle Ausstattung die Persönlichkeit überlagert. Man ist dann der neue Partner mit dem Schulden- oder Arbeitslosigkeitsstigma oder der «gute Fang».

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Laut der ElitePartner-Erhebung lassen sich Menschen in zwei Charaktertypen einordnen: Da ist zum einen der rational-skeptische Typ, der die Finanzen am liebsten schriftlich regelt und gemeinsame Ausgaben festhält, weil alles andere für ihn naiv wäre.

Dieser Persönlichkeitstyp tendiert zum Ehevertrag, ist aber auch bereit, mit dem Partner einen Kredit aufzunehmen oder zu investieren.

Manche würden ihn sparsam nennen, andere geizig. Ihm gegenüber steht der romantisch-idealistische Typ: Finanziell schleppt der den Partner ohne grosses Aufhebens mit, würde für ihn bürgen und ist der Meinung: Geld sollte in der Liebe keine Rolle spielen.

Man könnte ihn verschwenderisch nennen oder grosszügig. Beide Herangehensweisen sind legitim. Aber was passiert, wenn sich ein rationaler Skeptiker in einen romantischen Idealisten verliebt?

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Liebe allein regelt keine Kontoangelegenheiten

Das Einzige, was hilft, ist Ehrlichkeit. «Der grösste Fehler beim Geld ist eine romantisierende Haltung», sagt die Hamburger Diplom-Psychologin Lisa Fischbach

Liebe allein regele keine Kontoangelegenheiten. Wichtig sei, zu verstehen, wer für welche Werte steht, wofür der eine gern Geld ausgibt und der andere lieber spart.

«Die Art, wie man über Geld spricht, sagt viel über die Qualität der Beziehung aus», sagt Lisa Fischbach. Nicole Rupp, die in München als Finanzcoach arbeitet, findet sogar, dass es gelegentlich förderlich sein kann, sich über die Moneten zu streiten.

Rupp ist Expertin für Geld und Beziehungen und begleitet Paare, die immer wieder wegen der Finanzen aneinandergeraten.

Grundkonsens zwischen Partnern über Wege und Ziele

Zugleich ist es wichtig, dass zwischen den Lebenspartnern ein Grundkonsens darüber besteht, auf welchem Weg und mit welchem Risiko die finanziellen Ziele erreicht werden sollen, findet Thomas Wüst. 

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«Mit einem Augenzwinkern kann man sehr wohl sagen, dass Gespräche über die Anlagestrategie im Sinne der Paartherapie in der Regel auch ein Abgleich über die jeweiligen Vorstellungen der gemeinsamen Zukunft sind», sagt der Geschäftsführer der Valorvest Vermögensverwaltungsgesellschaft in Stuttgart.

Finanzen für junge Familien – die Serie

Geld ist nicht wichtig, solange man welches hat. Die allermeisten Familien müssen mit ihrem Budget haushalten. Worauf es sich bei den Familienfinanzen zu achten lohnt, erläutern wir in dieser Serie.

► Teil 1: So viel kostet ein Kind

► Teil 2: Als Paar sein Geld verwalten

► Teil 3: Als Familie sparen und vorsorgen

► Teil 4: Geldanlage fürs Kind: Wie Eltern es richtig machen

Hat ein Partner seine Finanzen nicht im Griff, belastet das die Beziehung mitunter sehr, vor allem wenn Heimlichkeit ins Spiel kommt. Laut der ElitePartner-Umfrage haben 13 Prozent der Befragten schon mindestens einmal Ausgaben vor ihrem Partner verheimlicht.

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Jeder Siebte gab in der Umfrage sogar zu, finanzielle Reserven vor dem anderen verborgen zu halten. Natürlich gebe es in allen, auch in funktionierenden Partnerschaften, kleine Geheimnisse.

Ein eigenes Konto als Erfolgsmodell

Aber bei Finanzen gebe es Grenzen. Wenn nennenswerte Vermögenswerte vor dem Partner versteckt werden, zeugt das meist von einem grundlegenden Misstrauen. «Heimlichtuerei im grösseren Stil kann die Beziehung empfindlich stören, wenn nicht zerstören», warnt Gunhild Rautenbach, die als Finanzplanerin der Isfinance AG in Lübeck arbeitet.

Offenheit sei auch deshalb unabdingbar, da ja auch der Fall eintreten kann, dass man Verantwortung für den Partner übernehmen muss – zum Beispiel nach einem Unfall oder bei schwerer Krankheit.

Das bedeutet nicht, dass sich nicht jeder der Partner finanzielle Freiräume bewahren sollte. Im Gegenteil: Ein eigenes Konto für jeden ist sogar ein regelrechtes Erfolgsmodell in der Beziehung.

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«Ich rate bei jeder Form einer Lebensgemeinschaft dazu, getrennte Konten zu führen, sodass jeder Zugriff auf sein ‹eigenes Geld› hat und auch über eigene Giro- oder Kreditkarten verfügt», sagt Andreas Görler. Gegen das Risiko, dass sich der eine über das eigene Konto verschuldet und es der andere nicht mitbekommt, hilft eine gegenseitige Kontovollmacht.

Gemeinsam ausprobieren

Sollen Verfügungen ausgeschlossen werden, genüge unter Umständen eine reine Informationsvollmacht. Eine weitere Option ist ein Oder-Konto, auf das Einzahlungen für Urlaub oder gemeinsame Anschaffungen gehen.

Zu diesem Drei-Konten-Modell raten viele Finanzexperten: jeweils eine Bankverbindung für jeden plus ein gemeinsames Urlaubs- oder Haushaltskonto. «Ein gemeinsames und zwei getrennte Konten bedienen diese Elemente einer Beziehung am besten», rät Finanzpsychologin Monika Müller. Liebe gedeihe im Wechselspiel von Autonomie und Nähe.

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Will ein Partner den anderen gezielt in das gemeinsame Projekt Finanzen einbinden, kann er wie beim Sex durchaus experimentierfreudig sein: Gemeinsam können beide verschiedene Werkzeuge ausprobieren, sei es nun die Excel-Tabelle, die Finanzcheck-App oder das klassische Haushaltsbuch.

«Weder das eine noch das andere bedeutet, dass man sich mehr liebt», betont Nicole Rupp, die in München auch als Systemischer Coach bei Beziehungsproblemen hilft. Entscheidend sei, dass sich jeder weiterhin unabhängig fühlt.

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Kein richtig oder falsch

Beim Vermögensaufbau ist die Bedeutung des partnerschaftlichen Miteinanders nicht zu überschätzen. Immerhin hat rund die Hälfte (47 Prozent) der Deutschen laut ElitePartner gemeinsamen Besitz oder Anlagen. 

Und 38 Prozent der Paare haben einen Kredit zusammen abgeschlossen oder bereits abgezahlt. «Ein vernünftiger Vermögensaufbau geht überhaupt nur partnerschaftlich und transparent», erklärt Frank Wieser von PMP Vermögensmanagement.

Um finanziellen Erfolg zu haben, seien zwei Dinge besonders wichtig: Die Partner müssen sich über die Ziele aber auch über die notwendigen Schritte zum Erreichen der Ziele einig sein. «Wenn man gemeinsam für das Alter vorsorgen möchte, dann muss man sich auch einig sein, rechtzeitig zu sparen.»

Das gemeinsam finanzierte Haus kann ebenso verbindend sein wie ein gemeinsames Wertpapier-Portfolio, das ein sorgenfreies Leben im Alter ermöglicht. Oder eben eine Kunstsammlung. Mit welcher Variante des Vermögensaufbaus sich die Partner wohler fühlen, können sie nur gemeinsam entscheiden.

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Am Ende steht sowohl bei der Sexualität als auch bei der Finanzsituation die Erkenntnis, dass es keinen «richtigen» oder «falschen» Umgang gibt, erklärt Psychologin Lisa Fischbach. «Man bricht nur aus Tabus aus, wenn man sie anspricht.»

Und so manches Paar einigt sich dann eben auf den monatlichen Sex in der Missionarsstellung, festgehalten in einem Kalender. Andere sind nur glücklich miteinander, wenn sie jeden Samstag centgenau ihre Ausgaben in eine Excel-Tabelle einpflegen. Hauptsache, beide kommen auf ihre Kosten.

Dieser Artikel erschien zuerst im Bezahlangebot der «Welt» unter dem Titel: Diesen Fehler sollten Paare bei Geld nie machen. Er wurde dort zum ersten Mal am 4. Oktober 2019 veröffentlicht.

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