Am vergangenen Samstag war es wieder so weit. Warren Buffett hatte zur Generalversammlung seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway geladen – und das ist ein Ereignis, auf das eingefleischte Fans der Investment-Legende schon zwölf Monate im Voraus hin fiebern. Obwohl die Veranstaltung erstmals auch im Internet live zu sehen war, folgten die treuen Aktionäre dieser Einladung wie jedes Jahr in Scharen. Und so kamen rund 40'000 Anteilseigner zu Buffett nach Omaha/Nebraska.

Angereist sind sicher viele mit dem Wunsch, ihrem Idol zumindest für ein paar Stunden nahe zu sein oder wertvolle Investment-Tipps aus erster Hand zu erhalten. Zusammen mit seinem Partner Charlie Munger gab Buffett auch diesmal wieder stundenlang Antwort auf viele Fragen, und die Gäste dürften am Ende des Tages zufrieden gewesen sein. Aber auch die am selben Tag vorgelegten Quartalszahlen von Berkshire Hathaway sorgten für gute Laune. So stieg der Gewinn der Beteiligungsgesellschaft in den ersten drei Monaten 2016 um 8 Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar.

Heldenstatus …

Seinen legendären Ruf hat Buffett sicher von der starken langfristigen Performance seines Unternehmens. Wer beim Einstieg Buffetts 1000 Dollar in die Firma steckte, sitzt heute auf einem Vermögen von 15,3 Millionen Dollar. Mit einem jährlichen Plus von im Schnitt rund 21 Prozent hat Buffett nicht nur sich selbst zum derzeit laut Forbes-Liste drittreichsten Mann der Welt gemacht, sondern auch vielen einfachen Aktionären zum Millionär-Status verholfen.

So gesehen hat der 85-Jährige viel Lob verdient. Zumal er nicht nur gut rechnen kann, sondern es mit seiner eloquenten Art auch immer wieder schafft, komplexe und trockene Zusammenhänge in der Wirtschaft oder an den Finanzmärkten leicht verständlich zu erklären.

… und ein viel zu früher Ausstieg bei Walt Disney

Allerdings: Buffett ist nicht unfehlbar, und so hat auch schon die Investorenlegende Aktien verkauft, die danach hochgeschossen sind. So hat sich Berkshire Hathaway beispielsweise nach dem Einstieg im Jahr 2000 im Laufe 2009 erstmals von Anteilen an Moody's (ISIN: US6153691059) getrennt. Seit Bekanntgabe der Massnahme konnte die Aktie der Ratingagentur aber um mehr als 250 Prozent zulegen. Immerhin hat Buffett nicht seine ganze Beteiligung verkauft, sondern nur einen Teil, und er ist somit auch heute noch an Moody's beteiligt.

Zumindest bisher keine gute Entscheidung war es auch, sich im Laufe des vierten Quartals 2015 von 12,7 Millionen Aktien von AT&T Inc. (ISIN: US00206R1023) zu trennen. Denn seit dem Jahresstart kletterte der US-Telekomkonzern bereits um rund 15 Prozent. Zudem sprechen nun auch die klare, verbesserte Charttechnik und eine Dividendenrendite von rund 5 Prozent für den Titel. Unglücklich war hingegen auch die Entscheidung, sich nach nur einem Jahr, nach dem 1966 erfolgten Einstieg, von Walt Disney Co. (ISIN: US2546871060) zu verabschieden. Der fünfprozentige Anteil an diesem US-Unterhaltungskonzern kostete damals vier Millionen Dollar, und das ganze Unternehmen somit 80 Millionen Dollar. Buffett strich damals zwar ein Plus von 50 Prozent ein, doch heute wären 5 Prozent an Walt Disney bei einer Marktkapitalisierung des Konzerns von rund 171 Milliarden Dollar rund 8,5 Milliarden Dollar wert.

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Auch der Ausstieg bei Anheuser war ein Fehlgriff

Nicht ganz so dramatisch, aber ebenfalls nicht die beste Entscheidung war es, im Laufe der Jahre eine Position von in der Spitze 62 Millionen Aktien an Johnson & Johnson (ISIN: US4781601046) auf zuletzt nur noch 327'100 Anteilsscheine abzubauen. Denn dem US-Gesundheitskonzern ist es zuletzt gelungen, seine Verschnaufpause zu beenden und auf neue Kurshöhen abzuheben. Buffett selbst hat aber anscheinend keine Probleme damit, Fehler einzugestehen. Das war nach dem Verkauf der britischen Supermarktkette Tesco im Jahr 2014 nicht anders als nach dem Teilausstieg bei Anheuser-Busch im Jahr 2008.

Seine Entscheidung, im Zuge eines Übernahmeversuchs des Bierbrauers durch den Konkurrenten InBev aus Angst vor einem Scheitern des Deals teilweise auszusteigen, bezeichnete der Altmeister schon bald danach als Fehler. Ein Urteil, das auch heute noch zutreffend ist. Denn der Kurs der heutigen Anheuser-Busch InBev N.V./S.A. (ISIN: BE0003793107) hat sich seither mehr als verdoppelt. Aber Irren ist menschlich, und für das Eingestehen solcher Fehler hat Buffett Lob verdient. Vielleicht ist das neben der guten Performance seiner Aktie mit ein Punkt, weshalb seine Fans ihr Idol so schätzen.

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