«Stühlchen wechsle dich», heisst es derzeit in der Bankenbranche. Am 1. Juli wird der ehemalige Versicherungsmanager Tidjane Thiam den Vorsitz bei der Credit Suisse (CS) übernehmen. Rund 400 Kilometer nördlich des Paradeplatzes in Zürich kommt es am selben Tag ebenfalls zu einer Wachablösung. In Frankfurt beerbt John Cryan das abgesetzte Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen bei der Deutschen Bank.

Beide Entscheidungen sorgten an der Börse für Beifall. Die CS-Valoren (ISIN CH0012138530) sprangen am Tag der Verkündung um knapp einen Zehntel nach oben, die Aktie der Deutschen Bank (ISIN DE0005140008) reagierte mit einem Kurszuwachs von 8 Prozent. Während die Titel von CS das Niveau bis dato verteidigen konnten, wurden die in Frankfurt verteilten Vorschusslorbeeren mittlerweile wieder kassiert. Es setzt sich die Meinung durch, dass auf den designierten Vorstandsvorsitzenden jede Menge Arbeit wartet. Nicht nur durch die Verwicklungen im Libor-Skandal hat die Deutsche Bank zuletzt Vertrauen verspielt, auch die viel zu nachlässige Umsetzung des Sparprogramms hat Glaubwürdigkeit gekostet. Hinzu kommt die Abstufung der Bank durch die Ratingagentur S&P um zwei Stufen auf «BBB+».

Suche nach Erträgen

Mit massiven Schrumpfungs- und Kosteneinsparungsprozessen versuchen derzeit viele Banken auf dem alten Kontinent das Ruder herumzureissen. Ein Beleg dafür ist die neueste Meldung von Europas grösstem Geldinstitut HSBC (ISIN GB0005405286). Die Briten gehen beim Stellenabbau besonders radikal vor. Bis zu 50’000 Jobs, nahezu jeder fünfte Arbeitsplatz, sollen wegfallen. Analysten halten dies aber nicht für das Erfolgsrezept schlechthin. «Der Kahlschlag ist nicht unbedingt die Lösung, vielmehr muss die Bank in ihrer Struktur weniger komplex werden», kommentiert James Antos vom japanischen  Wertpapierhändler Mizuho Securities. Immerhin fiel der Gewinn bei HSBC zwischen 2011 und 2014 Jahr für Jahr.

Das ist das Hauptproblem vieler Banken – sie verdienen zu wenig Geld. Während die CS-Bilanz im ersten Quartal erste Lichtblicke sendete – das Konzernergebnis kletterte um 22 Prozent –, halbierte sich der Überschuss bei Deutsche Bank. Doch lässt die Bilanzstruktur bei der CS noch Wünsche offen. Nach einer Milliardenbusse wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in den USA ist die Bank bei der Kernkapitalquote in die Gruppe der schwächsten europäischen Institute abgerutscht. Am Markt wird daher spekuliert, dass es eine Kapitalerhöhung geben könnte. Wenn die Credit Suisse ihre Kernkapitalquote auf das Niveau der UBS hieven möchte, bräuchte sie rund sechs Milliarden Franken an frischem Geld, wie Kepler Cheuvreux-Analyst Dirk Becker vorrechnet.

Musterschüler UBS

Die UBS (ISIN CH0244767585) hingegen gilt derzeit als Musterknabe in der Branche. Mit einem entschlossenen Abbau des riskanten Investmentbankings sowie einer stärkeren Ausrichtung auf die Vermögensverwaltung konnte der Konzern zuletzt punkten. Dies spiegelt sich in der Bilanz und folglich im Aktienkurs wider. Die grösste heimische Bank lieferte zum Jahresauftakt das beste Quartalsergebnis seit nahezu fünf Jahren. Der Reingewinn kletterte um 88 Prozent und übertraf damit die Analystenerwartungen. In der Vermögensverwaltungssparte gelang der UBS sogar das beste Ergebnis seit 2008.

Auch mit Blick auf die Kernkapitalquote, welche in schwierigen Zeiten als Puffer dienen soll, überzeugte das Institut mit einem Wert von 13,7 Prozent. Zum Vergleich: Die Kennziffer liegt bei der Deutschen Bank bei 11,1 Prozent, Credit Suisse schaffte es mit 10,0 Prozent zuletzt gar nur noch knapp in den zweistelligen Bereich. An der Börse wird der Strategieschwenk der UBS mit Kursgewinnen von rund 17 Prozent seit dem Jahresbeginn belohnt. Die Valoren des heimischen Konkurrenten CS treten hingegen nur auf der Stelle.

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Analysten bleiben vorsichtig

Die Analysten senden ein ebenso klares Zeichen wie die Investoren. Während sich der Konsens bei der CS-Aktie aktuell auf ein klares «Hold» geeinigt hat, liegt das Rating für die UBS-Valoren bei «Outperform». Die Experten der Société Générale stechen dabei mit einem Kursziel von 30 Franken – das entspricht einem aktuellen Potenzial von mehr als 40 Prozent – hervor. Die Franzosen gehen davon aus, dass die Gewinnerwartungen des Marktes zu niedrig sind.

Die Deutsche Bank muss sich hingegen ebenfalls mit einer «Hold»-Einstufung begnügen. Zwar ist die personelle Veränderung im Management grundsätzlich begrüssenswert, allerdings ist damit die Wende längst nicht geschafft. «Inwieweit es Cryan gelingen wird, die Deutsche Bank wieder nachhaltig auf die Erfolgsspur zu führen, bleibt abzuwarten», bringt es die BNP Paribas in einer jüngsten Stellungnahme auf den Punkt.

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