Dem Energietechnik-Konzern ABB weht ein frostiger Wind um die Ohren. So sind die Resultate für 2014 – Umsatz, Ebit und Gewinn gaben zwischen fünf und sieben Prozent nach – unter den Erwartungen ausgefallen. Auch in diesem Jahr ­bleiben die Marktbedingungen für das Managementteam um CEO Ulrich Spiesshofer herausfordernd.

Zusätzliche Probleme bereiten die neue Währungssituation sowie der tiefe Ölpreis, dessentwegen die Gas- und Ölbranche ihre Investitionen zurückfährt. Den Margendruck will man wie gehabt über Sparprogramme abfedern. Wurde bereits im Vorjahr eine gute Milliarde Dollar eingespart, sollen in diesem Jahr nochmals drei bis fünf Prozent der Kosten gekappt werden.

Freundlichere Aussichten

2015 dürfte dennoch wieder etwas bessere Erträge bringen. Der Auftragseingang stieg total um sieben Prozent. Die Division Automation profitiert zunehmend von der Roboterisierung in der Automobilindustrie, und nach der Restrukturierung der Sparte Energietechnik-Systeme scheint das Management die Probleme in den Griff bekommen zu haben.

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Die freundlicheren Aussichten haben die Aktien in den letzten Wochen beflügelt. ABB sind mit einem für dieses Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16,5 kein Schnäppchen mehr. Attraktiv dafür die Dividendenrendite von 3,6 Prozent. Wer etwas Risikofreude und Geduld mitbringt, kann schon heute einsteigen. Ich warte noch ab, was die nächsten zwei Quartale bringen.

Star-Performer

In Sachen Sozialkompetenz mag sie Defizite aufweisen, unternehmerisch jedoch macht ihr so rasch keiner was vor: Magdalena Martullo-Blocher (45) führt die Ems-Chemie von Rekord zu Rekord. So verbesserte sich der Umsatz im letzten Jahr um 5, das Ebit um 15 und der Gewinn um 8 Prozent. Weitaus gespannter waren die Journalisten an der Jahrespressekonferenz auf den Ausblick der Konzernchefin, die – zusammen mit ihren Schwestern – Mehrheitsaktionärin des Unternehmens ist.

Und was sich Martullo-Blocher vorgenommen hat, ist ambitiös: Der Umsatz wird gegenüber dem Vorjahr leicht niedriger, das Ebit unverändert budgetiert. Was daran ambitiös ist? Die Frankenstärke trifft Ems so hart wie sonst kaum ein Schweizer Unternehmen. Die Chemiegruppe erzielt 96 Prozent vom Umsatz im Ausland, gerade mal zwei Prozent fallen in Franken an. Eine gewisse Entspannung bringen dafür die mehrheitlich importierten Rohmaterialien.

Die Teuersten

Ems überzeugt seit Jahren mit Umsatz- und Ertragszunahmen. Noch stärker gestiegen ist der Aktienkurs. Das Resultat: Die Titel gehören mit einem für dieses Jahr geschätzten KGV von 28 zum Teuersten, was an der Schweizer Börse zu kaufen ist. Das ist nicht zuletzt eine Folge des ausgetrockneten Markts bei den Ems-Papieren.

Die drei Blocher-Schwestern Rahel und Miriam Blocher sowie Magdalena Martullo-Blocher halten rund 70 Prozent. Institutionelle besitzen nach Meinung von Analysten bis zu 20 Prozent, womit gerade mal ein Zehntel im Publikum gestreut ist. Das erklärt, weshalb schon bei geringer Nachfrage die Kurse steil anziehen – oder bei Abgabedruck stark fallen. Für meinen Geschmack sind die Aktien zu teuer, und die geringe Marktliquidität birgt Risiken.

Polierter Stern

«Wer auf den Aufschwung in der Autobranche setzen will, ist mit Daimler gut beraten. Die Aktien bieten eine gute Einstiegsmöglichkeit.» So habe ich im Januar 2012 geschrieben. Seither hat sich der Aktienkurs verdoppelt. 2013 markierte einen Wendepunkt. Und für 2014 hat der deutsche Automobilbauer, drittgrösster Verkäufer von Premium-Marken wie Mercedes-Benz und die Nummer drei unter den Herstellern von Nutzfahrzeugen, Rekordzahlen vorgelegt.

Nun drückt Konzernchef Dieter ­Zetsche (61) noch mehr aufs Gaspedal. In diesem Jahr will er Umsatz und Ertrag erneut deutlich steigern. Dabei setzt er auf frische Modelle sowie ein eisernes Sparprogramm. Mittelfristig peilt der profilierte Manager eine Ertragskraft an, die es «in diesem Unternehmen bisher nicht gab».

Mir gefällt der aufpolierte Stern. Die Konjunkturverlangsamung im Euroraum bekommen die Stuttgarter nicht stark zu spüren, denn 61 Prozent der Umsätze fallen ausserhalb Europas an. Bis 2020 will Zetsche die Platzhirsche BMW und Audi überholen. Auch wenn er da etwas gar heftig aufs Tempo drückt, sind die Aussichten von Daimler rosig. Die Aktien bieten mit einem für 2015 geschätzten KGV von 11,7 weiteres Kurspotenzial. Auch die Dividendenrendite von 3,0 Prozent lässt sich sehen.

Leere Pipeline

Dem US-Konzern Pfizer ist das passiert, was Pharmaunternehmen am meisten Sorgen bereitet: Patente diverser Blockbuster wie Viagra, Celebrex oder Lipitor laufen aus, ohne dass neue, bahnbrechende Produkte nachkommen. Als Resultat davon sind Pfizer über die letzten vier Jahre gut zwei Dutzend Milliarden Dollar Umsatz weggebrochen. 2014 hat Chairman und CEO Ian Read (61) versucht, die Löcher mit der Akquisition von AstraZeneca zu stopfen. Doch das gegen 120 Milliarden Dollar schwere Vorhaben misslang. Wie auch der damit verbundene Plan, den Hauptsitz aus Steuergründen nach Europa zu verlegen. Jüngst wurde Read doch noch fündig; für 17 ­Milliarden kaufte er den US-Generikaspezialisten Hospira.

Die Kaufprämie von 40 Prozent wird von Analysten als saftig bezeichnet. ­Hospira stellt Nachahmerpräparate her. Interessant ist dabei der junge Zweig Biosimilars, Produkte auf biotechnologischer Basis. Diesem Markt wird ein ­grosses Potenzial vorausgesagt. Pfizer dagegen fehlt es weiterhin an neuen, vielversprechenden Medikamenten. Immerhin wird nun Ibrance lanciert; dem ­Mittel gegen Brustkrebs bescheinigen Experten Blockbuster-Potenzial.

Die Pfizer-Aktien haben fraglos ihre Reize; sie sind mit einem KGV von 15,7 im Vergleich zu anderen Pharmatiteln günstig bewertet, und auch die Dividendenrendite liegt mit 3,2 Prozent über dem Branchenschnitt. Nur denke ich langfristig und bevorzuge deshalb Aktien wie ­Novartis oder Roche, wo laufend neue Medikamente für Kursfantasie sorgen.

*Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch.