Ein Auftakt nach Mass für das Schweizer Formel-1-Team Sauber: Im ersten Rennen dieses Jahres im australischen Melbourne fuhr Felipe Nasr (22) gleich auf Rang fünf, Marcus Ericsson (24) holte sich den ­achten Platz. Rennstall-Impresario Peter Sauber (71) freute sich sichtbar, was nach einer verkorksten Vorjahressaison verständlich ist. Cham​pagner​korken dürften wohl auch in Brasiliens Hauptstadt Brasilia am Konzernsitz des Banco do Brasil geknallt haben. Das Institut hat mit der Zahlung von geschätzten 20 Millionen Franken den Brasilianer Nasr ins Cockpit gehoben und wohl noch zusätzlich etwas springen lassen, damit die Sauber-Boliden 2015 in den Bankenfarben Blau und Gelb im Kreis herumfahren.

Banco do Brasil berappt den Sponsorenbatzen aus der Portokasse. Das 1808 gegründete Geldhaus ist die grösste Bank Südamerikas, kontrolliert Vermö​genswerte von über 600 Milliarden Dollar und bedient 61 Millionen Kunden. Gemäss der Analysefirma Economaticazählt das Institut zu den fünf profitabelsten Kreditinstituten in Nord- und Südamerika. Über die letzten Jahre wurden Eigenkapitalrenditen von gut 20 Prozent eingefahren. Die Aktien scheinen auf den ersten Blick attraktiv; die Dividen​denrendite stellt sich auf 6,6 Prozent, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) wird auf 5,3 geschätzt.

Trotz dieser attraktiven Kennzahlen stehen die Aktien unter Druck, haben über die letzten sechs Monate gut die Hälfte ihres Werts verloren. Das ist nur zum Teil auf den schlechten Zustand der brasilianischen Wirtschaft zurückzuführen. Die grössere Kursbremse ist der mächtige Einfluss des Staates auf das Institut: Das Hauptgeschäft des Banco do Brasil sind Kredite an die öffentliche Hand und deren Unternehmen. Seit die Schmiergeldskandale, vor allem bei Petrobras, die Öffentlichkeit aufschrecken, wird befürchtet, dass der Skandal auch auf andere Konzerne übergreift – etwa den Banco do Brasil. Mir sind die Aktien trotz bester Kennzahlen zu heiss.

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Nicht steuerfrei

«Für meinen Geschmack bergen die hoch bewerteten Aktien Dufry zu viele Risiken», schrieb ich im letzten Juni. Seither haben die Titel 16 Prozent verloren, und dies bei haussierenden Börsen. Ich bin auch für die nächsten Monate, dies gleich vorneweg, nicht positiv eingestellt gegenüber diesen Valoren. Denn die starke Expansion des Reisedetailhändlers hat eine höhere Verschuldung und eine Gewinn​verwässerung mit sich gebracht. Im Dezember 2013 wurde die griechische Hellenic Duty Free übernommen, vor einem Jahr erfolgte der Einkauf von ­Nuance für 1,55 Milliarden Franken.

Die Akquisitionen haben Dufry 2014 einen Umsatzrekord eingetragen. Allerdings ist der Gewinn um fast die Hälfte eingebrochen. Um 60 Prozent gestiegen sind dafür die Finanzierungs​kosten. Und noch ist der Übernahmehunger von Dufry-CEO Julián Díaz nicht gestillt; er will weitere kleinere bis mittelgrosse Konkurrenten schlucken. Eine Strategie, die sich langfristig zwar auszahlt. Doch die Expansionskosten werden frühestens 2016 einigermassen verdaut sein. Dann kann man die Titel wieder genauer anschauen.

Nervöse Anleger

Sechs Jahre dauert die Aktienhausse nun schon an. In dieser Zeit ist das US-Börsenbarometer Dow Jones um 151 Prozent in die Höhe geschossen, der deutsche DAX gewann sogar 214 Prozent, und der Schweizer Index SPI glänzt mit einem Plus von 134 Prozent. Genährt wird das Kursfeuerwerk weniger von Konjunkturimpulsen oder von exzellenten Resultaten der Firmen als vielmehr von der Liquiditätsschwemme der Notenbanken und der dadurch am Leben gehaltenen Tiefstzinsphase. Doch je höher die Aktienkurse klettern, desto mehr nimmt die Nervosität der Anleger zu. Da braucht es nur wenig, damit auf breiter Front die saftigen Kursgewinne ins Trockene gebracht werden. Auslöser von Verkaufswellen ist vor allem die Angst vor steigenden Zinsen.

In den USA erwarte ich in diesem Sommer, spätestens im Herbst eine Trendwende bei den Zinsen. In Europa und damit auch der Schweiz dagegen ist nicht so schnell mit anziehenden Sätzen zu rechnen. Damit dürfte den Börsen der Schnauf nicht so schnell ausgehen. Dennoch lohnt ein Blick ins eigene Aktien­depot. Denn die ausdauernde Hausse hat die Bewertung vieler Titel in wenig realistische Höhen getrieben. Setzt die Korrektur ein, werden vor allem Papiere mit deutlichen Kursgewinnen und einem hohen KGV unter die Räder geraten.

Aufbruchstimmung

Nicht nur die Schweizer Pharmakonzerne Roche und Novartis haben bei Patentstreitigkeiten in Indien den Kürzeren gezogen und damit Milliarden verloren. Auch das deutsche Unternehmen Bayer musste vor drei Monaten eine empfindliche Niederlage einstecken; der oberste Gerichtshof Indiens erteilte einer Zwangslizenz grünes Licht. Nun darf der Generi​kahersteller Natco Pharma das lukrative Nieren- und Leberkrebsmittel Nexavar herstellen und zu einem Dreissigstel des von Bayer verlangten Preises abgeben. Die Ertragseinbusse ist ärgerlich, aber zu verkraften. Sowieso ist das Management des Pharma- und Chemiekonzerns aus Leverkusen stark mit der Neuausrichtung beschäftigt. Vor Jahresfrist wurde für über zehn Milliarden Euro der Zweig ­rezeptfreie Medikamente (Consumer Health) vom US-Unternehmen Merck gekauft. Dafür soll der margenschwache Kunststoffbereich abgespalten und separat an die Börse gebracht werden.

Die Erfolge neuer Produkte im Pharma- wie im Agrargeschäft und die Fokussierung des Portfolios auf Life Sciences bringen dem Konzern vor allem im wichtigen US-Markt neues Wachstums­potenzial. Der Niederländer Marijn Dekkers (57), seit gut vier Jahren Chef bei Bayer, sprühte jedenfalls an der jüngsten Jahrespressekonferenz nur so vor Zu­versicht. Nach einem «überaus erfolgreichen» 2014 stellt er für dieses Jahr weiteres Umsatzwachstum sowie starke Gewinnzunahmen in Aussicht. Solche Prognosen lieben die Anleger; die Aktien schossen seit Oktober um über 40 Prozent in die Höhe. Dennoch sind die Valoren noch nicht völlig ausgereizt. Mit einem für 2015 geschätzten KGV von 20,6 sind Bayer günstiger bewertet als viele Konkurrenzpapiere.

*Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch.