Von «heftiger Korrektur» und «Absturz», ja sogar von «Börsencrash» war in den Medien die Rede. Nun hat es in den ersten beiden Oktoberwochen zwar die ­Aktienmärkte ziemlich heftig geschüttelt. Doch die Kurse erholten sich wieder. Und die echte Korrektur steht uns erst noch ins Haus. Vorsichtige Anleger strukturieren ihre Aktiendepots um.

Ich setze auf Blue Chips, die sich auch in schwachen Börsenphasen gut in Szene setzen. Die Hauptrolle bei dieser Strategie spielen Antizykliker, in erster Linie Nestlé. Langweilige Aktie, langweilige Performance, mag jetzt wohl manch ein Leser denken. Das ist falsch. In diesem Jahr legten Nestlé im Gleichschritt mit dem SMI vier Prozent an Wert zu, was zugegebenermassen wenig berauschend ist. Über zehn Jahre dagegen haben die Valoren des weltgrössten Nahrungsmittelherstellers, der zunehmend auch in die Bereiche Gesundheit, Wellness und Nutrition expandiert, den Blue-Chip-­Index mit einer annähernd dreimal besseren Performance ausgestochen.

Die Investoren können sich auch künftig darauf verlassen, dass CEO Paul Bulcke (60) für ansprechende Zahlen und damit eine laufende Wertsteigerung der Valoren sorgt. Obwohl der Konzern aus Vevey die globale Konjunkturschwäche und den starken Franken zu spüren bekommt, wird für die ersten neun Monate ein organisches Wachstum von 4,5 Prozent ausgewiesen. Ein Zuwachs allerdings, der etwas unter den ­Erwartungen der Analysten lag; die Valoren gerieten sofort unter Druck. Trotz der Schwächeneigung sind die Titel mit einem für das nächste Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,3 kein Schnäppchen. Und dennoch für vorsichtige Investoren kaufenswert; Nestlé sind eine verlässliche Anlage, mit der sich auch in unruhigen Börsenzeiten ruhig schlafen lässt. Und die für 2015 geschätzte Dividendenrendite von 3,5 Prozent ist ebenfalls nicht ohne.

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Milch macht munter

Ein beinahe so verlässlicher Wert wie Nestlé sind Danone. Seit 2009 haben die Aktien des französischen Konzerns 60 Prozent zugelegt. Das ist zwar keine aufsehenerregende Wertentwicklung, dafür eine stabile. Den ­Titeln bescheinige ich noch mehr Kurs­potenzial, denn der führende Hersteller von Milchprodukten unterzieht sich einer Frischekur. So wurde die Babykostsparte in China umgebaut; Korruptionsvorwürfe und ein Produkt­rückruf sorgten für einen Imageschaden und rückläufige Umsätze. Nun zieht das Geschäft wieder an, was sich im dritten Quartal in einem Umsatzschub von 6,9 Prozent niedergeschlagen hat. Noch im ersten Halbjahr gingen Verkäufe und Ertrag zurück.

Des Weiteren will Danones führender Milchmann Franck Riboud (58) die Sparte medizinische Ernährung abstos­sen. Interesse bekunden Fresenius, aber auch Nestlé. Analysten rechnen mit einem Preis von vier bis fünf Milliarden Euro. Danone wolle diese Mittel, so schreibt Frankreichs Presse, in die Akquisition des US-Babynahrungsherstellers Mead Johnson Nutrition stecken. Gelingt der Deal, könnte Danone die Abhängigkeit vom margenschwachen Europageschäft abbauen. Das würde auch den Aktien Auftrieb verleihen. Die Titel sind mit einem für 2015 geschätzten KGV von 17,9 minim günstiger bewertet als Nestlé, rentieren dafür mit 2,9 Prozent etwas weniger.

Gut verbunden

In China lassen sich weiterhin keine klaren Signale ausmachen, wonach die Wirtschaft wieder deutlich an Tempo zulegen würde. Für einen breiten Einstieg in chinesische Aktien ist es denn auch zu früh. Doch es gibt Papiere aus dem Reich der Mitte, die auch in wachstumsschwachen Phasen interessant sind. Beispielsweise China Mobile. Der weltgrösste Mobilfunkbetreiber hält in China einen Marktanteil von 69 Prozent. Er zählt 790 Millionen Kunden, und jeden Monat kommen einige Millionen dazu. Das Unternehmen zeichnet sich über eine hohe Ertragskraft aus: Die Ebitda-Marge stellt sich auf 26,6 Prozent, die Gewinnmarge liegt bei 17,2 Prozent. Doch Grösse macht träge; der Ausbau des Funknetzes wurde lange vernachlässigt. Erst seit kurzem wird ein 4G-Netz eingerichtet, dafür mit viel Druck. Diese auch für einen Koloss wie China Mobile hohe Investition belastet den Ertrag: In den ersten drei Quartalen 2014 stieg der ­Umsatz um 3,9 Prozent, doch ging der Gewinn um 9,7 Prozent zurück.

Die Modernisierung des Netzes dürfte sich 2015/16 in steigenden Erträgen niederschlagen. Damit rechnet auch die Börse. Die in Hongkong und an diversen westlichen Börsen kotierten Aktien haben sich jahrelang seitwärts bewegt – seit einigen Monaten ziehen die Kurse aber steil an. Dennoch sind die Valoren mit einem für 2015 geschätzten KGV von 12,8 attraktiv bewertet. Mit China Mobile können risikofreudige Anleger auf den Handyboom im Milliardenland setzen. Negativ ist der politische Einfluss: Der Staat hält über seine Zwischenholding China Mobile Group 74 Prozent der Aktien.

Zu wenig süss

Zu den eher defensiven Papieren zähle ich auch Barry Callebaut. Doch die Aktien stehen unter Druck und haben seit dem Sommer rund 20 Prozent verloren. Die Börse zeigt sich besorgt über die Ebola-Epidemie, die in Westafrika grassiert. Aus dieser Region bezieht der Schweizer Kakao- und Schokoladeproduzent gegen zwei Drittel der Kakaobohnen und verarbeitet diesen Rohstoff in zwei eigenen Betrieben in der Elfenbeinküste. Zwar wurde dieses Land bislang von der Seuche verschont, dennoch explodieren die Kakaopreise.

Barry Callebaut befindet sich in einer Umbruchphase. Der oberste Chocolatier Jürgen Steinemann (56) forciert das Wachstum über Zukäufe. So wurde 2013 die Kakaosparte von Petra Foods übernommen. Das bringt zwar Mehrverkäufe, aber auch eine höhere Verschuldung. Mittelfristig jedoch profitiert Barry Callebaut von der starken Marktstellung sowie von Skalenerträgen, was sich positiv auf die Aktienkurse auswirken dürfte. Vorderhand sind mir die Aktien des global führenden Kakaoverarbeiters jedoch zu teuer. Ungeachtet des jüngsten Kurseinbruchs stellt sich das KGV für nächstes Jahr auf 17,8.

*Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ.Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch