Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Für Spannung bleibt gesorgt. Drei Themen machen im Moment die Runde auf dem Parkett. Allen voran sind es die anstehenden Wahlen in den USA, die uns noch mindestens bis Mitte November beschäftigen werden. An zweiter Stelle ist die Situation in der Eurozone zu nennen. Das politische Umfeld ist sehr geschwächt und stützt die Randgruppen in praktisch allen Ländern. Erschwerend kommt die Causa Roma und die zu erwartende Ausweitung des Budgetdefizits hinzu, die der europäischen Sache eher abträglich ist. Schlussendlich ist die Frage nach den Schwellenländern ein bestimmendes Thema.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Trotz ihres defensiven Charakters konnte sich die Schweizer Börse dem negativen Trend seit Jahresanfang nicht entziehen. Insbesondere die Diskussion um die italienische Haushaltsvorlage wird die Richtung bei den Finanzwerten bestimmen. Davon können sich auch die Schweizer Titel nicht abkoppeln. Zum Jahresende erwarten wir gleichwohl eine positive Wertentwicklung für die Eurozone und damit auch für die Schweizer Börse. Eine überdurchschnittliche Entwicklung im internationalen Vergleich ist allerdings nicht zu erwarten. 

 

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* Franz Wenzel ist Anlagestratege für Institutionelle Kunden bei AXA Investment Manager.

Quelle: Danny Mejia

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Steigende Zinsen in der Eurozone werden Mitte bis Ende 2019 das vorherrschende Thema sein, zumal die EZB den ersten Zinsschritt bereits avisierte. Analoges gilt für die USA, wo sich die Notenbankzinsen dann nahe der 3-Prozent-Marke bewegen werden und damit einen nicht zu vernachlässigenden Gegenwind implizieren. Dem Gewinnwachstum kommt damit eine zentrale Rolle zu. Dies sollte sich auch in der Wertentwicklung spiegeln. Wir erwarten eine solche von zirka 5 bis 10 Prozent  auf globaler Ebene und um die 5 Prozent für Schweizer Aktien; Volatilitätsspitzen sind nicht ausgeschlossen. 

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In Brasilien ist die politische Stimmung vor den Präsidentschaftswahlen an diesem Wochenende äusserst angespannt. Welche Bedeutung hat das kriselnde Schwellenland für die Weltwirtschaft?
Trotz seiner Grösse – Brasilien rangiert immerhin unter den Top Ten im internationalen Vergleich – ist eine direkte Rückkoppelung der Krise auf die Weltwirtschaft eher unwahrscheinlich. Brasilien ist sehr stark auf die Binnenwirtschaft ausgerichtet. Der Aussenhandel, also Exporte und Importe relativ zum Bruttosozialprodukt, macht gerade einmal 27 Prozent aus und liegt damit auf Platz 157 im internationalen Vergleich. Ferner bleibt der Anteil an fällig werdenden privaten und öffentlichen Schulden bei zirka 8 Prozent der im Ausland gehaltenen Obligationen. Der indirekte Einfluss, also das Stimmungsbild in Bezug auf Schwellenländer, ist jedoch nicht zu vernachlässigen. Über diese Achse könnte sich die Malaise ausbreiten. 

Der Ölpreis ist zuletzt stark gestiegen. Könnte er pro Fass bald wieder die Marke von 100 Dollar knacken?
Angesichts der Kapazitätsengpässe in den USA sowie der Spannungen zwischen den USA und dem Iran kann ein temporärer Anstieg auf 100 Dollar nicht ausgeschlossen werden. Ein dauerhafter Anstieg ist eher unwahrscheinlich, zumal die OPEC bereits eine Erhöhung der Förderquoten beschlossen hat. Allerdings wird sich die OPEC mit der Umsetzung Zeit lassen, denn der hohe Ölpreis kommt den Förderländern sehr zupass. Gleichwohl würde ein dauerhafter Preisanstieg die Ölschieferproduktion rentabel machen. Ein höheres Angebot würde diesen Anstieg konterkarieren.

«Der hohe Ölpreis kommt den Förderländern sehr zupass.»

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Grossbritannien wird in einem halben Jahr die EU verlassen. Wie stark schmälert der Brexit die Zukunftsaussichten für die Wirtschaft im Königreich?
Es gilt zu unterscheiden. Kurzfristig werden die Nachrichten von der politischen Entwicklung, sprich den Verhandlungen, dominiert. Die ökonomischen Meldungen sind de facto nachrangig. Sollte der Brexit initiiert werden, wird man davon ausgehen müssen, dass sich die internationalen Unternehmen neu ausrichten. Standortverlagerungen sind nicht auszuschliessen. Ein langsameres Investitionswachstum wäre die Konsequenz. Ein schwächeres Pfund Sterling sollte diesen Malus dämpfen. In der Summe gehen wir davon aus, dass das Wachstum einen Gang zurückschalten wird.

Die Arbeitslosenquote in der Eurozone ist so tief wie seit knapp zehn Jahren nicht mehr. Hat der europäische Arbeitsmarkt die Folgen der Finanzkrise nun überwunden?
Die Wunden der Finanzkrise sind noch nicht ganz verheilt. Die wirtschaftliche Erholung hat die Situation am Arbeitsmarkt zwar verbessert. Mit etwa 8 Prozent hat die Arbeitslosenquote ein zyklisches Tief erreicht. Das darf aber nicht über die Divergenz hinwegtäuschen. Während Deutschland mit um die 3 Prozent Arbeitslosenquote de facto Vollbeschäftigung erreicht hat, hinkt die Entwicklung in Ländern wie Frankreich (9 Prozent Arbeitslosenquote) oder Spanien (15 Prozent Arbeitslosenquote) deutlich hinterher.

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