Auch, wenn der Start in das Börsenjahr 2015 für Schweizer Anleger mit der überraschenden Aufhebung des Mindestkurses turbulent begonnen hat, setzte sich im weiteren Verlauf eine relativ positive Grundtendenz durch. Der SMI konnte seinen Sturz vom Januar wieder ausbügeln und notiert aktuell sogar leicht im Plus.

Dennoch brachte das Jahr auch zahlreiche Verliereraktien hervor. Nicht selten werden diese Looser aber wegen des erlittenen Vertrauensverlustes unverhältnismässig lange vom breiten Börsenpublikum verschmäht, obwohl sich die fundamentale Lage bereits bessert, respektive die Bewertung attraktiv ist.

Luxus-Hersteller – die Wende könnte bevorstehen

Unter den Flop fünf im SMI befinden sich mit Swatch (ISIN CH0012255151) und Richemont (ISIN CH0210483332) zwei Luxusgüterhersteller aus dem Blue-Chip-Index. Die Konzerne werden derzeit von zwei Seiten in die Zange genommen: Zum einen vom starken Franken, zum anderen schwächt sich die Konjunktur im wichtigen Wachstumsmarkt China ab und dämpft dort die Konsumlust nach teuren Accessoires. «Ungefähr ein Drittel des weltweiten Verkaufs von Luxusgütern findet im Reich der Mitte statt», sagt Bernd Hartmann von der VP Bank.

Die beiden Konzerne sehen aber nicht tatenlos zu, sondern versuchen sich den veränderten Rahmenbedingungen zu stellen. Mit ersten Erfolgen: Richemont konnte mit ihrem Bericht für die ersten fünf Monate des laufenden Geschäftsjahres 2015/16 (31. März) nach zahlreichen Enttäuschungen erstmals wieder positiv überraschen. Konkurrent Swatch setzt derweil auf Innovationen. Mit einer neuen Kooperation mit dem Kreditkartenriesen Visa greift Swatch beispielsweise die Apple Watch an. Darüber hinaus plant der weltweit grösste Uhrenkonzern zu einem der grössten Hersteller von Elektroauto-Batterien aufzusteigen. Bereits 2016 soll mit der industriellen Fertigung der Prototyp-Serie begonnen werden.

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Swatch – starke Unterstützungszone

Bis sich die Zukunftspläne in bare Münze verwandeln, dürfte es aber noch eine Weile dauern. Doch könnten die Pläne von Swatch-Chef Nick Hayek irgendwann die Phantasie der Anleger beflügeln. Sollten sich auch noch erste Lichtblicke im Luxusgütergeschäft zeigen, könnte die Aktie schnell auf die Gewinnerseite wechseln, zumal es scheint, dass der Boden gefunden worden ist. Eine zuverlässige Supportzone bei 350/360 Franken unterstützt den Valor das ganze Jahr über. Richemont hat sich von ihrem charttechnischen Boden bei 70 Franken bereits wieder ein Stück nach oben gearbeitet.

Hoffnung macht Anlegern die zuletzt gute Entwicklung in der Schmucksparte. Auch, wenn derzeit nur eine gebremste Nachfrage nach Luxusgütern bei den Chinesen festzustellen ist, sieht Experte Hartmann keine grösseren Gefahren für einen weiteren Einbruch. «Das öffentlich Zur-Schau-Stellen des erreichten Wohlstands mittels Luxusartikeln bleibt weiterhin ein wichtiges Thema», so Hartmann.

LafargeHolcim – Dividende wird erhöht

Beim neu geformten Zementriesen LafargeHolcim (ISIN CH0012214059) zeigt der Aktienkurs im Einklang mit Umsatz und Ergebnis nach unten. Die Schwäche in wichtigen Schwellenländern machen dem Konzern zu schaffen. Und doch konnte CEO Eric Olsen dem Valor zuletzt etwas Leben einhauchen. Für das laufende Jahr peilt der Chef trotz eines schwachen dritten Quartals eine Dividende von 1.50 Franken statt bislang 1.30 Franken je Aktie an. Das ist noch nicht alles. «Wir werden die Dividenden schrittweise anheben», kündigte der Manager an.

Als eine der wenigen Banken zeigt sich J.P. Morgan von LafargeHolcim überzeugt und stuft den Titel mit «Overweight» ein – Kursziel: 65 Franken. Ein Free Cashflow von mindestens zehn Milliarden Franken bis 2018 bleibe das Hauptziel des jüngst verschmolzenen Konzerns. Daraus ergebe sich ein hohes Ausschüttungspotenzial, so Analystin Elodie Rall. Mutige Anleger können das Momentum der LafargeHolcim-Aktie nutzen, sollten aber einen engen Stoppkurs bei 48.50 Franken setzen.

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Transocean – (noch) kein Handlungsbedarf

Weiterhin «Finger weg!» heisst es bei der Aktie von Transocean (ISIN CH0048265513). Der Ölbohrkonzern wird im kommenden Jahr der Schweizer Börse den Rücken kehren und fällt damit nach rund fünf Jahren Zugehörigkeit auch aus dem SMI. Anleger hatten mit dem Unternehmen, das tiefrote Zahlen schreibt, kein Glück. Kostete der Titel bei der Aufnahme in den Index rund 100 Franken, sind es aktuell nur noch 14.40 Franken.

Unter Druck steht auch Zurich Insurance Group, nachdem Konzernlenker Martin Senn jüngst überraschend seinen Hut genommen hat. Das sorgt beim Börsenpublikum für Verunsicherung, zumal Europas fünftgrösster Versicherer kürzlich erst eine Gewinnwarnung ausgeben musste. Zwar besteht mit einem neuen Mann an der Spitze die Chance, dass frischer Wind durch den Konzern wehen wird, doch wird am Markt derzeit spekuliert, dass der neue Chef möglicherweise die Ausschüttungspolitik auf den Prüfstand stellen könnte.

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«Es besteht die Gefahr, dass ein neuer CEO Kürzungen vornehmen wird, da die Dividende bereits seit einigen Jahren zu hoch ist und dabei vor allem teilweise nicht den jeweiligen Geschäftserfolgen entsprochen hat», erklärt Georg Marti von der Zürcher Kantonalbank. Anleger sollten den Titel aber in jedem Fall auf die Watchlist setzen, denn kommt es nicht so schlimm, ist ein rascher Rebound bei der Aktie möglich.

Die Flop 5 im SMI

Unternehmen

Performance 2015

LafargeHolcim

-23,6 %

Transocean

-21,0 %

Swatch

-18,0 %

Zurich Insurance

-13,4 %

Richemont

-12,1 %

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