Wir rechnen schon lange nicht mehr in ‹mein› und ‹dein›», sagt Julia Camenisch. Mit 18 Jahren wurden Julia und Paul ein Paar, 2014 haben sie geheiratet und mit kurzem Abstand drei Kinder bekommen. Bei den knapp Dreissigjährigen gehört das Geld der Familie.

«Vor der Hochzeit hatten wir getrennte Konten, aber das war mehr theoretisch. Heute haben wir ein gemeinsames Konto. Wer wie viel arbeitet und wie viel wir sparen, ist eine gemeinsame Entscheidung», sagt Julia.

So viel Einigkeit wie bei den Camenischs, die in Wirklichkeit anders heissen, wünschen sich viele Paare. Tatsächlich aber fällt der konkrete Austausch über Geld oft schwer. Wer liebt, denkt doch nicht an das Mate­rielle. Oder?

«Ein Gespräch über die Finanzen gehört schon in der Phase des Kennenlernens dazu», sagt Clara Creitz. Die frü­here Unternehmensberaterin hat vor zwei Jahren Finelles gegründet, eine Finanz-­Lern-­Community für Frauen.

Über die Finanzen sprechen – im Detail

Wer über Geld spricht, erfährt auch viel über die Werte des anderen: Wofür gibt er Geld aus, wo spart er, ist er bereit, zu teilen? Clara Creitz sagt: «Es ist absurd, wenn zwei Geschäftspartner ein Unternehmen gründen, schliessen sie einen Gesellschaftsvertrag ab, für den Fall, dass der Versuch scheitert. In der Ehe fällt vielen genau das schwer.»

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Umfragen zeigen, dass gerade Frauen dazu tendieren, das Thema Finanzen ihrem Partner zu überlassen. Dabei ist ein fairer Umgang mit dem gemeinsamen Geld für sie von zentralem Interesse.

«Ja, es gehört auch dazu, über die Höhe des Einkommens und des Vermögens zu sprechen», sagt Clara Creitz. «Spätestens wenn man zusammenzieht und entscheidet, wie man als Paar sein Geld verwalten möchte und welche Ausgaben künftig gemeinsam geleistet werden.»

Es fängt bei praktischen Fragen an. Wie teilen Paare das Geld in eigenes und gemeinsames auf? Werden Fixkosten wie die Miete fifty-fifty geteilt oder anteilig nach Höhe des Lohnes?

Bei den meisten Paaren bringen heute beide ein Einkommen mit, mindestens bis die Kinder geboren werden. Für sie mag das Drei-Konten-Modell das richtige sein: Jeder hat ein eigenes Konto und überweist einen Betrag für die gemeinsamen Ausgaben auf ein drittes. Andere entscheiden sich, das Geld komplett gemeinsam oder vollständig getrennt zu verwalten.

Gebildete Frauen verfügen häufiger über eigene Konten

Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen, dass der Anteil der Paare steigt, die jeweils einen Anteil des Geldes getrennt halten, je höher der Bildungsgrad der Frau ist.

Auch das Erwerbsmodell spielt eine Rolle: Wenn in einer Familie der Vater Alleinverdiener ist und die Mutter zu Hause bleibt, verwalten 84 Prozent der Familien das Geld gemeinsam. Sind die Rollen umgekehrt verteilt, verfügt interessanterweise trotzdem fast jedes zweite Paar (45 Prozent) mindestens zum Teil getrennt über das Geld.

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Welche Lösung ist bei nur einem Einkommen fair? «Eine Möglichkeit ist, dass das ganze Einkommen auf ein Konto fliesst und dann für beide die gleiche Summe auf je ein eigenes Konto», sagt Clara Creitz. Es geht dabei auch um Wertschätzung: Was ist der Wert, den jeder in die Beziehung einbringt?

Der eine leistet seinen Lohn, der andere investiert seine Zeit in Haushalt und die Kinder. «Das ist gleichwertig zur Lohnarbeit, auch wenn nicht beides bezahlt wird.» So leben es auch Julia und Paul. Ihre Kinder sind noch klein, trotzdem hat ihre Rollenverteilung bereits mehrfach gewechselt. Die Älteste kam in Deutschland zur Welt, dort konnten beide sieben Monate Elternzeit nehmen.

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  • Hören Sie eine Analyse zum Thema im Podcast «HZ Insights»

 

Finanzen für junge Familien – die Serie

Geld ist nicht wichtig, solange man welches hat. Die allermeisten Familien müssen mit ihrem Budget haushalten. Worauf es sich bei den Familienfinanzen zu achten lohnt, erläutern wir in dieser Serie.

► Teil 1: So viel kostet ein Kind

► Teil 2: Als Paar sein Geld verwalten

► Teil 3: Als Familie sparen und vorsorgen

► Teil 4: Geldanlage fürs Kind: Wie Eltern es richtig machen

Nach der Rückkehr in die Schweiz arbeitete Paul Teilzeit, während Julia vollzeitlich im Job stand. Nach der zweiten Geburt blieb Julia zu Hause, dafür arbeitete Paul Vollzeit. Seit Anfang Januar ist es Paul, der zu Hause die Kinder hütet. Er hat seine Stelle gekündigt, während Julia eine Projektleitung mit 80-Prozent-Pensum übernommen hat.

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Neue Haltung zu Lohnverhandlungen

«Ich schaffe einfach sehr gern», sagt Julia. «Uns war immer klar, dass wir Arbeit und Kinder aufteilen. Wir wollen beide beides – Familie und Beruf.» Julia hat sich dafür einer Herausforderung gestellt. «Mein Verhältnis zum Geld hat sich verändert», sagt die 29-Jährige. Sie musste lernen, anders für sich einzustehen als zuvor.

«Für einen Mann ist klar, dass er so arbeiten muss, dass er eine Familie ernähren kann. Da ist bei mir erst der Groschen gefallen.» Heute weiss sie: «Gleichberechtigung heisst, dass es lohnmässig egal ist, wer arbeitet.»

Also geteilte Verantwortung zu Hause – aber auch geteilte Verantwortung im Beruf. «Lohnverhandlungen sind einfacher für mich geworden», sagt sie. «Vor der Geburt meiner Kinder hätte ich mich nicht getraut, zum Chef zu gehen und mehr Geld zu verlangen. Ich stehe anders für meine Forderungen ein und wähle auch meinen Job nach anderen Kriterien.» Schluss mit der «Früchtekorbmentalität», wie Julia es nennt.

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«Es hilft, wenn beide Partner über eigenes Geld verfügen»

Das komplette Interview mit Finanzcoach Clara Creitz lesen Sie hier.

«Mir sind nicht die hübschen Extras bei einer Anstellung wichtig, sondern ob der Lohn stimmt.» 96'000 Franken im Jahr verdient Julia jetzt, bei einem Arbeitspensum von 80 Prozent. In ihrer früheren Anstellung kam sie bei 100 Prozent auf einen Jahreslohn von 83 000 Franken.

«Als das erste Kind kam, war der schlechter bezahlte Job einfach der inte­ressantere. Aber dann habe ich gemerkt, dass die bessere Bezahlung den Unterschied ausmacht, ob mein Mann für eine gewisse Zeit zu Hause bleiben kann.»

Haushaltsbuch als wichtige Grundlage

Mit mehreren Kleinkindern im Haus wie bei den Camenischs bleibt wenig Zeit, über Rechnungen zu brüten. Dazu verändert sich die Einkommenssituation teilweise mehrfach im Jahr. Wie kann ein Paar da den Überblick behalten?

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Viele Finanzexperten empfehlen als Grundlage für das Familienbudget einen traditionellen Kniff: das Führen eines Haushaltsbuches. Der Vorteil ist, dass dafür niemand mehr mit Excel-Tabellen hantieren muss. Apps wie Monefy oder Moneycontrol bieten die Möglichkeit, jede Ausgabe mit wenigen Klicks nach Datum und Kategorien sortiert einzutragen.

Das Protokoll muss auch nicht dauerhaft geführt werden, meist reicht es, für zwei bis drei Monate die Ausgaben zu notieren. Clara Creitz sagt: «Ein Haushaltsbuch beziehungsweise eine entsprechende App hilft sicher, um erstmal Klarheit zu gewinnen. Es ist aber für viele Paare wenig praktikabel, die Ausgaben konstant zu tracken. Mein Vorschlag wäre, so viel wie möglich zu automatisieren.» Wenn ein Paar die Ausgaben aus dem gemeinsamen Konto überblicken möchte, kann es die Budgetverwaltung im Online-Banking verwenden, die viele Banken bieten.

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Automatisierter Überblick über alle Konten

Wer mehrere Konten im Blick behalten will, kann diese zum Beispiel mit der App Outbank verknüpfen. Dort können Paare ihr Budget nach Konten und Kategorien sortiert darstellen, alle digitalen Ausgaben werden in der App gespiegelt. Es fehlt nur die Möglichkeit, manuell Ausgaben hinzuzufügen. Es gilt: Wer eine Übersicht über sein Budget gewonnen hat, kann bewusste Prioritäten setzen.

Julia und Paul Camenisch haben zum Beispiel entschieden, dass sie finanziell möglichst flexibel bleiben wollen. «Wir haben die Idee, dass wir unseren Lebensstandard so halten, dass wir alles von einem Lohn zahlen können, ausgenommen der Krippe. Darum wohnen wir zu fünft in einer Wohnung mit 75 Quadratmetern. Für uns passt es. Wir können uns so leisten, von einem Lohn in der Stadt Zürich zu leben.»

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