Immobilien in der Schweiz sind billig. Ja, doch, Sie haben richtig gelesen. Teuer sind sie nur an ganz bestimmten Orten, etwa in den wirtschaftlichen Grosszentren. Während es in der Stadt Zürich kaum eine 4,5-Zimmer-Wohnung für unter 1,5 Millionen Franken gibt, kostet die gleiche Wohnung in der Gemeinde Birr, keine 40 Minuten mit dem öffentlichen Verkehr vom Zürcher Hauptbahnhof entfernt, weniger als 600'000 Franken. Siehe hier

Das ist unter anderem so, weil die meisten Menschen relativ nahe am Arbeitsort wohnen wollen, damit sie nicht zu viel vom Tag mit Pendeln ver­bringen müssen. Lange Strecken pendeln macht ­unglücklich, frisst Freizeit, belastet Partnerschaft und Familienleben. Verspätet sich ein Zug oder fällt er gar aus, liegen die Nerven blank.

«Dann greift er seinen Arbeitskoffer, steigt aus, lässt sein Auto stehen, läuft weg und tickt völlig aus. ­Pendelhorror.»

Mit dem Auto im Stau stehen ist noch ärger. ­Ältere Semester erinnern sich an den Hollywood-Streifen «Falling Down» mit Michael Douglas in der Hauptrolle. In der Anfangsszene steht er im Stau, auf dem Weg ins Büro. Es ist Sommer, er schwitzt, seine ­Klimaanlage funktioniert nicht richtig. Eine Fliege hat sich in sein Fahrzeug verirrt. Er will sie erschlagen, trifft nicht. Er will das Fenster öffnen, funk­tioniert nicht. Er öffnet die Tür, schnappt nach Luft. Dann greift er seinen Arbeitskoffer, steigt aus, lässt sein Auto stehen, läuft weg und tickt völlig aus. ­Pendelhorror.

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Dieser Horror bleibt allen im Homeoffice erspart, egal wie weit weg sie vom Arbeitsort wohnen. Das ist ein Grund zur Freude. Es optimiert das individuelle Glück. Noch besser ist, dass es gute Gründe für die Annahme gibt, dass Homeoffice auch nach der ­Corona-Krise viel häufiger möglich sein wird.

Natürlich gibt es Kostenspargründe, wenn Unternehmen dank Homeoffice weniger Büroflächen brauchen. Aber Hauptgrund ist, dass Covid-19 dem Homeoffice zu einer Image-Korrektur verholfen hat. Vor der Corona-Krise wurde Homeoffice meist etwa so kommentiert: «Ah, du hast zu Hause ge­arbeitet.» Das Wort «Arbeit» wurde dabei von ­Kollegen und Chefs in die Länge gezogen betont: ­«geaaaaarbeiiitet» – und mit einem Augenzwinkern veredelt.

Homeoffice verteilt die Nachfrage nach Eigenheimen über das Land

Homeoffice kann nicht richtige Arbeit sein, so das Image vor Corona. Aber das gilt jetzt nicht mehr. Als alle zu Hause waren, haben die Mitarbeitenden trotzdem geliefert, oft gar mehr. Die Image-Korrektur dürfte dazu führen, dass nachhaltig deutlich mehr Homeoffice erlaubt bleiben wird.

Wer zwei, drei Tage oder gar ganz im Homeoffice arbeiten darf, wird bereit sein, sich weiter weg vom Arbeitsort nach Eigenheimen umzusehen. Das verteilt die Nachfrage nach Immobilien besser über das Land. So kann Homeoffice Druck aus der Immobilienblase ablassen. Das ist nötig, denn Immobilienpreise sind bedrohlich hoch, wie kürzlich sogar die Grossbank UBS in ihrem Immobilienblasenindex konstatierte.

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