Louis Leopold Boilly (1761-1845), French School, The Seven Deadly Sins: The Gluttony, 1824, Private Collection, C17910. (Photo by: Christophel Fine Art/UIG via Getty Images)Louis Leopold Boilly (1761-1845), French School, The Seven Deadly Sins: The Gluttony, 1824, Private Collection, C17910. (Photo by: Christophel Fine Art/UIG via Getty Images)

Die sieben Todsünden des Investierens

Von Peter Frech
am 26.12.2020

«Gula»: Völlerei und Masslosigkeit können zu höllisch teuren Sünden werden.

Quelle: Getty Images

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Die Weihnachtszeit bietet Anlegern Anlass, auf wertvollen christlichen Rat zu hören. Sieben Todsünden gilt es beim Investieren zu vermeiden.

Invidia: Neid, Eifersucht

Das Übel des Neids besteht darin, sich mit anderen zu vergleichen und haben zu wollen, was andere haben. Beim Investieren äussert sich Invidia am offensichtlichsten in der Angst, etwas zu verpassen oder was die Amerikaner «Fear of missing out» nennen. Die Sünde führt direkt zum sprichwörtlichen Herdentrieb der Anleger. Ein anschauliches Beispiel war der Höhenflug von Bitcoin und anderen Kryptowährungen im Jahr 2017. Aber auch so gut wie jede Immobilienblase ist ein Produkt des Neids: Weil praktisch jeder Freunde und Verwandte mit Immobilienbesitz kennt, verbreitet sich schnell das Gefühl, jeder werde damit reich – ausser man selbst, wenn man nicht bald auch ein Haus oder eine Zweitwohnung kauft.

Die Tugend: Wohlwollen

Wer diese Tugend beherrscht, lässt den anderen die Freude an ihren Gewinnen. Oft sind es ohnehin nur Buchgewinne, da nicht alle Leute zusammen reicher werden können. Natürlich hilft es auch, ständige Vergleiche mit anderen zu unterlassen. Wer Mühe hat, sich dem Neid zu entziehen, sollte Freundschaften oder Peer Groups ausserhalb der Finanzwelt pflegen.

Foto: mauritius images / NIKKY NEON

Luxuria: Wollust, Genusssucht

Die Sünde besteht darin, sich zu sehr von seinen Emotionen und der Lust des Augenblicks treiben zu lassen. Wer den schnellen Gewinn oder den Kick des Glücksspiels an der Börse sucht, ist ein Opfer von Luxuria. Ebenso alle Anleger, die zu viele Spontanentscheidungen treffen, getrübt vom Gefühl des Augenblicks. Wer immer nur seinen Vorlieben nachgeht und nur in seine Lieblingsaktien, -Länder oder Sektoren investiert, macht über kurz oder lang einen schweren Fehler. Ebenso Fondsmanager, die zu viele Firmenbesuche und Managermeetings machen, welche vor allem ihrem persönlichen Vergnügen dienen. Oder wenn sie dabei nur Fragen so stellen, dass sie zu hören bekommen, was sie hören möchten. Der Confirmation Bias aus der Behavioral Finance geht folglich aus Luxuria hervor. Wichtige Fakten und unangenehme Realitäten auszublenden, ist die grösste Gefahr, die von dieser Sünde ausgeht.

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Die Tugend: Keuschheit

Tugendhaft ist, wer die Gefühle und Emotionen des Augenblicks im Zaum hält. Ein planmässiger und strukturierter Anlageprozess hilft dabei. Im Zweifelsfall sollte jeder Anlageentscheid einmal überschlafen werden, um die Gefühle abklingen zu lassen. Nötigenfalls hilft auch kaltes Duschen.