Herr Varnholt, gibt Ihnen Donald Trump ein Gefühl der Sicherheit?
Burkhard Varnholt*: Das ist eine Frage der Perspektive. Wieso fragen Sie?

Bei den Aktienbörsen scheint es so zu sein. Der US-Leitindex 
S&P 500 kletterte zuletzt auf ein Rekordhoch.
Das wäre auch so, wenn Hillary Clinton die Wahl gewonnen hätte. Die Börsen haussieren, weil die Wirtschaft läuft. Die Unsicherheit, die sich im Vorfeld von Wahlen ergibt, löst sich mit dem Entscheid auf, wie immer er auch ausfällt.

Wie bitte? Donald Trump verbreitet doch jede Menge Unsicherheit. Das ist doch gewöhnlich Gift für die Börsen.
Man darf den Einfluss der Politik nicht überschätzen. In den letzten hundert Jahren waren die US-Präsidenten nicht die massgeblichen Faktoren, sondern die Realwirtschaft. Die Präsidenten ­erreichen in der Regel nicht so viel, wie sie planen. Das System der Checks and Balances funktioniert.

Also ist die Börsen-Hausse fundamental gerechtfertigt?
Seit dem ­Sommer hat sich das Schwungrad der Weltwirtschaft beschleunigt. Zuerst noch unsichtbar, zuletzt auch in den Zahlen immer sichtbarer. Diese Erholung war bereits im Gange. Sie fällt nur zufällig mit dem Machtwechsel in den USA zusammen.

Wieso hinkt der Schweizer Markt so weit hinterher?
Der Hemmschuh ist der Franken als teuerste Währung der Welt. 2016 war die Schweizer Börse global gesehen eine der schlechtesten. Das könnte sich jedoch schnell ­ändern. Sollte sich der Franken abschwächen, könnte es am Schluss noch ein gutes Ende geben.

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Also ist Ihre viel kritisierte 20 000-Punkte-Prognose für den SMI von 2020 noch intakt?
Es handelt sich um keine Punkteprognose, aber die Geschichte lehrt uns, dass scheinbar Unmögliches oftmals möglich wird. Börsen können sich in kurzer Zeit verdoppeln.

Die Hausse ist doch schon in die Jahre gekommen, und die ­Bewertungen sind hoch. Wie lange kann das noch gut gehen? ­
Bewertungen sind relativ und kein Hindernis. Entscheidend ist, dass die ­Notenbanken mit ihrer Geldpolitik auch in Zukunft für ­einen Anlagenotstand sorgen werden, der institutionelle Inves-toren wie Pensionskassen zunehmend in die Aktienmärkte treibt.

Burkhard Varnholt ist seit 1. Januar 2017 Anlagechef der Credit Suisse in der Schweiz. Nicht zuletzt mit seiner 20'000-Punkte-Prognose für den Leitindex SMI machte er von sich reden.