Sogar die Finanzanalysten erschraken, als der Baarer Bergbau- und Rohstoffhandelskonzern Glencore die Halbjahresresultate veröffentlichte: Der Umsatz konnte zwar knapp gehalten werden, doch brach der Reingewinn um sage und schreibe neun Zehntel ein. Die Schuld am katastrophalen Resultat ortete CEO Ivan Glasenberg (62) primär bei den sinkenden Rohstoffpreisen. Erstaunlich: Der kleinere Konkurrent Trafigura konnte in derselben Periode den Reingewinn um über 90 Prozent steigern.

Auch sonst steht der Rohstoffkonzern unter Druck: In Afrika häufen sich die Probleme mit diversen Minen, in Brasilien wird (auch) gegen Glencore wegen des Verdachts auf Schmiergeldzahlungen ermittelt, das US-Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC haben Verfahren eingeleitet wegen möglicher Geldwäscherei und Korruption in verschiedenen Ländern. Zudem sind einige Top-Händler unter unklaren Umständen ausgeschieden. Das Resultat: Die Investoren fliehen en masse aus den Aktien, seit Februar 2018 ist der Kurs um über 40 Prozent abgestürzt.

Nicht wenige der Probleme sind hausgemacht. Nur schon der Kurssturz hätte in anderen Firmen den CEO wohl den Kopf gekostet. Glasenberg jedoch erfreut sich einer starken Position. Er ist zweitgrösster Aktionär und wird von anderen Grossaktionären gestützt – noch. Auch VR-Präsident Tony Hayward (62) wird wohl weiterhin nicht aufmucken. Für mich sind die Aktien ein No-Go.