Der Winkelried für mehr Kostentransparenz heisst Hans-Peter Wiedmer. Der Direktor der Bernischen Pensionskasse (BPK) ist nämlich dafür, dass in der Schweiz ein Vergleich aller Pensionskassen nach Kosten und Rendite publiziert wird. Auf die entsprechende Frage antwortet er mit ­einem Wort, andere schwadronieren.

Kein Wunder, ist Wiedmer dafür, denn seine Pensionskasse – sie legt die Gelder der Berner Kantonsangestellten an – arbeitet äusserst effizient: Die Vermögensverwaltungskosten betragen 50 Franken pro 100 000 Franken Anlage. Dies entspricht einem Anteil von 0,05 Prozent und ist zehnmal tiefer als der Schweizer Durchschnitt. Es ist der tiefste Wert im Vergleich der «Handelszeitung».

Die Bernische PK hat demzufolge eine der höchsten Renditen in der Branche: Sie beträgt nach Abzug aller Kosten 5 Prozent im Zehnjahresschnitt. Anders gesagt: Ein Vermögen von 100 000 Franken wuchs jährlich um 5050 Franken. Nach Abzug der Kosten verblieben netto 5000 Franken – ein Spitzenverhältnis von Kosten zu Rendite. Wiedmers Kasse ist effizienter als jede andere PK. Herausgepickt sei das Negativbeispiel der Aargauischen Pensionskasse (APK): Diese erzielte 3900 Franken Rendite bei Kosten von zuletzt von 490 Franken. Das heisst: Die Kosten haben einen Elftel Rendite weggefressen, die dennoch mager blieb.

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Verweigerte Transparenz

Der Anlagechef der Aargauer PK, David Engel, beteuert, die Kasse habe die Kosten bereits gesenkt. Die tiefe Rendite sei der Anlagepolitik geschuldet. Engel ist mit seiner Auskunft noch vorbildlich. ­Einige Pensionskassen verweigerten die Kooperation, so etwa die der CS, Novartis und Swisscom. Die Pensionskasse der Energiebranche (PKE) wollte ihre Zahlen gar nicht publiziert sehen.

Alt Preisüberwacher Rudolf Strahm geisselt solches Verhalten als «Täuschungskultur der Finanzbranche» und fordert Sozialminister Alain Berset auf, «endlich für eine transparente Liste» aller Schweizer Kassen zu sorgen: «Der hier publizierte Vergleich zeigt extreme Diskrepanzen von Kosten und Rendite unter den Pensionskassen, die kaum erklärbar sind. Sie rechtfertigen eine öffentlich geförderte Transparenz.» Das zuständige Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) lehnte vor zwei Wochen eine solche Rangliste ab. Eine geeignete Masszahl gebe es nicht, ein Vergleich mache keinen Sinn. Strahm kontert, eine Vergleichbarkeit sei sehr wohl möglich.
 

CVP-Politiker will handeln

Unterstützung erhält er vom Solothurner CVP-Ständerat und Mitglied der Sozialkommission (SGK) des Ständerates, Pirmin Bischof: «Es stimmt, Transparenz bringt Wettbewerb und Druck auf die Kosten. Dies zeigen frühere Beispiele.» Deshalb brauche es vergleichbare Zahlen, die Transparenz für die versicherten Arbeitgeber und -nehmer herstellen. Dies solle einheitlich erfolgen.

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Bischof widerspricht dem BSV, eine geeignete Masszahl gebe es nicht: «Das Kosten-Rendite-Verhältnis ist sehr wohl relevant. Heute, da tiefe Zinsen die Renditen drücken, wird die Höhe der Kosten umso relevanter im Vergleich zu früher: Die Höhe der Verwaltungskosten wird zur entscheidenden Grösse.» Die Unterschiede seinen erstaunlich gross. Sein Fazit: «Es besteht deshalb Handlungsbedarf – und zwar jetzt, wo das Gesetz revidiert wird und Mehrleistungen finanziert werden müssen.»

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Gleich sieht es SP-Vizepräsidentin und Mitglied der Sozialkommission, Barbara Gysi: «Die Renditen sind teilweise wirklich sehr schlecht, was sich im Endeffekt auf die Renten auswirken wird.» Vergleichsmöglichkeiten seien «sehr wichtig». Am sinnvollsten sei es, «diese Zahlen im jährlichen Bericht der Oberaufsichtskommission zu publizieren».

Vorsichtiger äussert sich da FDP-Ständerat Josef Dittli. Nicht der Staat habe dies zur Aufgabe, sondern die Branche. «Zu prüfen wäre ein einfaches Instrument, um trotzdem die verschiedenen Pensionskassen vergleichen zu können.» Ein besseres Benchmarking sollte «unter Voraussetzungen möglich sein».

Klar könne man vergleichen, sagt BPK-Direktor Wiedmer. Sein Rezept? Verwalte alle Anlagen intern und indexiert. Dies sei «viel billiger als externe Mandate». Kein Externer habe Über­renditen geliefert. Auf teure, alternative Anlagen verzichtet die BPK. Immobilien kaufe man nicht teuer ein, sondern erstelle Neubauten. «Wir verhandeln alles hart», sagt Wiedmer, «denn was wir an Kosten sparen, können wir den Renten gutschreiben. Darauf sind wir stolz.»

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