Die Helsana-Krankenkasse und die CSS haben angedeutet, dass sie ihre Prämien für das Jahr 2020 senken würden. Jetzt zeigt sich, dass viele Kunden der beiden Kassen auch im nächsten Jahr mehr bezahlen müssen.

Ein grosses Medienecho löste vor allem Daniel Schmutz (53) aus, der seit dem Jahr 2010 CEO von Helsana ist. Er sagte der «NZZ am Sonntag» am 1. September: «Wir gehen aber davon aus, dass wir die Prämien im Schnitt sogar senken können. Die Mehrheit unserer Kunden wird 2020 für die Grundversicherung weniger Prämie bezahlen als 2019. Das ist ein Novum.»

Der Gesundheitsminister, Bundesrat Alain Berset (47), war von der Aussage des Helsana-CEO gar nicht begeistert. Eigentlich dürften Zahlen zu den Prämien im Folgejahr erst jeweils nach Ende September veröffentlicht werden. Erst dann sind sie vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) genehmigt.

Bundesrat Alain Berset wirft den Kassen Wettbewerbsverzerrung vor

Konkrete Zahlen hatte Schmutz ja auch nicht genannt, aber trotzdem gefiel seine Aktion Berset gar nicht. Am 7. September sagte Berset im «Tages-Anzeiger»: «Es ist verboten, vor der Genehmigung durch das BAG die Prämien bekannt zu geben. Das geht überhaupt nicht, die Aussagen der Kassen sind juristisch an der Grenze und politisch unzulässig. Das führt zu einer Wettbewerbsverzerrung.»

In der NZZ liess er gleichentags verlauten: «Ob Helsana-CEO Daniel Schmutz recht behält und die Prämien für zahlreiche Kunden tatsächlich sinken werden, wird sich dann zeigen.» Und gegenüber dem «Tages-Anzeiger erklärte Berset, dass die Kunden auf diese Weise verunsichert würden – einige Aussagen zur Prämienentwicklung in bestimmten Kantonen seien sogar falsch.

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Inzwischen sind die Prämien vom Bundesamt genehmigt – und siehe da, für viele Versicherte sinken die Prämien nicht wirklich. Das zeigt eine Auswertung des Internetvergleichsdienstes Comparis, die der «Handelszeitung» exklusiv vorliegt.

Diese zeigt, dass zwar 80 Prozent der Helsana-Kunden kleine Prämiensenkungen erhalten, aber ein Fünftel der Kunden dagegen relativ happige Aufschläge. Nach Kantonen aufgegliedert, gibt es starke Prämiensenkungen in den kleinen Kantonen Obwalden und Appenzell Innerrhoden. Über 10 Prozent weniger verlangt die Helsana dort im nächsten Jahr. Das freut ihre wenigen Kunden in diesen beiden Kantonen. Insgesamt hat die Helsana in den zwei Kantonen gerade mal 1857 Kunden – vielleicht kommen mit den günstigeren Prämien künftig einige dazu.

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Gleichzeitig steigen die Prämien in den Kantonen Graubünden, Schwyz, Wallis, Uri und Appenzell Ausserrhoden über 3 Prozent an. Auch in den Kantonen Jura, St. Gallen, Zürich und im Kanton Tessin erhöhen sich die Prämien im Schnitt leicht oder bleiben stabil. Dort ist etwa die Hälfte der Kunden der Helsana zu Hause, das sind rund 350 000 Versicherte.

Kaum nachhaltige Prämiensenkungen

Damit scheint in der Aussage von Daniel Schmutz auch viel Marketing verpackt gewesen zu sein. Kein Wunder, wurde er von Alain Berset gerügt. Dies gilt auch für die Krankenkasse CSS, die Berset ebenfalls wegen Aussagen zur Prämienentwicklung rügte. Bei der CSS steigen die Prämien im Durchschnitt sogar schweizweit an (siehe Grafik oben). Und dies nicht nur bei der CSS selber, sondern auch bei den Ablegern der Grosskasse, der CSS-Arcosana und der CSS-Intras.

Krankenkasse kündigen: So gehts

Die Kündigung der Grundversicherung, die Verringerung der Franchise, der Wechsel des Krankenversicherungsmodells oder auch der Ausschluss der Unfalldeckung müssen schriftlich erfolgen. Die Kündigung muss spätestens am 30. November 2019 zu Bürozeiten bei der bisherigen Krankenkasse eintreffen. Die Wahl einer höheren Franchise kann mit schriftlicher Mitteilung bis zum 31. Dezember 2019 erfolgen.

Es ist wichtig, allen finanziellen Verpflichtungen nachgekommen zu sein. Denn die versicherte Person kann die bisherige Krankenkasse trotz fristgerechter Kündigung faktisch nicht verlassen, wenn sie ihre finanziellen Lasten bis zum 31. Dezember 2019 nicht geregelt hat.

Für Zusatzversicherungen gelten in der Regel andere Kündigungsfristen als für die Grundversicherung, wie den allgemeinen Versicherungsbedingungen des betreffenden Anbieters zu entnehmen ist.

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Leider sind Prämiensenkungen noch immer kaum nachhaltig. «Die Kosten im Gesundheitssystem klettern zwar nicht mehr 4 Prozent pro Jahr in die Höhe, aber immer noch 3 Prozent», sagt Felix Schneuwly, Experte für Gesundheitswesen bei Comparis. Deswegen sei es unwahrscheinlich, dass zwei Jahre hintereinander Nullrunden oder gar Prämiensenkungen möglich wären. Wo Prämien gesenkt wurden, könnten sie also für 2021 schon wieder steigen, vielleicht sogar überdurchschnittlich stark, um wieder aufzuholen.

Insgesamt, über alle Krankenkassen gerechnet, steigen die Prämien für das Jahr 2020 leicht an, nämlich um 0,8 Prozent. Wenn man auf die einzelnen Krankenkassen schaut, steigen die Prämien tendenziell bei den billigeren Kassen und fallen bei den teureren.

Bei der Helsana wird gesenkt, aber der Durchschnittskunde bezahlt im nächsten Jahr 4'054 Franken – über alle Prämienmodelle hinweg gerechnet. Bei der CSS wird erhöht, aber es sind im Schnitt nur 3'823 Franken Prämien fällig. Die Group Mutuel senkt die Prämien um 2,5 Prozent – mehr als alle anderen Grosskassen. Trotzdem bezahlen die Kunden nächstes Jahr im Schnitt noch 4'394 Franken. Bei der KPT steigen die Prämien am meisten an (+4,4 Prozent). Trotzdem bezahlen hier die Kunden mit 4'062 noch tiefere Prämien als bei der Group Mutuel.

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