Investments in Rohstoffaktien-Fonds sind eine Wette auf den Konjunkturaufschwung.» Die Fondsmanagerin Petra Kühl bringt es auf den Punkt. Rohstoffe befinden sich im Produktionsprozess an erster Stelle. Als Erste profitieren deshalb von einem Wirtschaftsaufschwung Unternehmen, die Rohstoffe fördern, verarbeiten oder mit ihnen handeln; deren Aktien zählen zu den Frühzyklikern. Die Börsen nehmen so freudige Ereignisse wie einen konjunkturellen Aufwärtstrend vorweg. Daher reichten schon die Aussichten auf eine bessere Wirtschaftsphase, um die Kurse der Rohstoffaktien klettern zu lassen.

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Die Anfang Juli dieses Jahres veröffentlichten Frühindikatoren der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) zeigten für die USA, die Eurozone und Japan höhere Werte für den Monat Juni als noch im Monat zuvor. Daraufhin legten im dritten Quartal 2003 Rohstofffonds um 16 Prozent zu, Goldfonds verteuerten sich sogar um über 30 Prozent. Diese Entwicklung spricht zwar für einen zyklischen Aufwärtstrend. Branchenexperten sehen aber Hinweise dafür, dass auch noch mit längerfristigen Kurssteigerungen bei Rohstoffaktien-Fonds zu rechnen ist.

Nicht überall, wo Rohstofffonds draufsteht, sind auch ausschliesslich Rohstoffe drin. Denn bei diesen Fonds lassen sich drei verschiedene Kategorien unterscheiden. Es gibt Fonds, die tatsächlich nur in Rohwaren wie Edel- und Industriemetalle, Stahl oder Holz investieren. Bei manchen spielen dagegen Öl- und andere Energiewerte eine grössere Rolle. Die dritte Gruppe ist die der reinen Goldfonds.

Für eine langfristig positive Entwicklung der Rohstoffaktien spricht die wachsende Nachfrage aus Asien. Vor allem China spielt eine wichtige Rolle als Rohstpffimporteur. Zwanzig Prozent der weltweiten Nachfrage nach Rohwaren kommen bereits heute aus dem Reich der Mitte, während sich der Anteil an der globalen Industrieproduktion lediglich auf fünf bis sechs Prozent beläuft. «Die hohe Nachfrage rührt daher, dass die Wirtschaft in China sehr rohstoffintensiv ist. Zum einen investiert die Regierung intensiv in die Infrastruktur, wofür vor allem viel Stahl nötig ist. Zum anderen zieht China Industrie an, weil es ein billiger Produktionsstandort ist», erklärt Petra Kühl, Fondsmanagerin beim Deutschen Investment Trust (DIT).

Dem wachsenden Bedarf an Rohwaren steht ein knapper werdendes Angebot gegenüber, was auch in Zukunft zu zusätzlichen Preissteigerungen führen wird. Ein gutes Beispiel ist wieder einmal China. Dort wird in grossen Mengen Stahl produziert. Da das Land kaum über eigene Eisenerzvorkommen verfügt, muss dieses importiert werden. «Der Preis für Eisenerz ist so allein in diesem Jahr um zehn Prozent gestiegen», merkt die Rohstoffexpertin Kühl an. Eine zehnprozentige Preissteigerung ist für dieses Rohmaterial überdurchschnittlich. Üblich waren bisher Preisanstiege von zwei bis fünf Prozent pro Jahr. Auch für das kommende Jahr erwarten Fachleute eine Verteuerung von fünf bis zehn Prozent für Eisenerz, wovon die typischen Minenaktien erheblich profitieren werden.

Ein weiterer Grund für die hohen Preise ist, dass sich die Rohstoffproduzenten seit einiger Zeit beim Aufbau von Kapazitäten diszipliniert haben.

Einige Konzerne haben sogar in den vergangenen zwei Jahren ihre Produktion völlig stillgelegt, um die Preise zu stabilisieren. Die Lagerbestände sind aus diesem Grund auf einem niedrigen Niveau geblieben. So ist es auch bei dem Industriemetall Nickel. Zum einen gibt es ohnehin nicht viele Nickel-Produzenten. «Hinzu kommt, dass sich ein neues Verarbeitungsverfahren als weniger effizient herausgestellt hat als zuvor angenommen. Und zwei neue Minenprojekte in Kanada und Indonesien verzögern sich», sagt Fondsmanagerin Kühl vom DIT. In solchen Fällen steigt der Preis, da die Nachfrage nicht bedient werden kann. Der Nickelpreis ist dann auch seit Anfang des Jahres um 43 Prozent geklettert.

Ein knapperes Angebot ist bei fast allen Rohstoffen festzustellen, vor allem deshalb, weil die Unternehmen ihre Explorationsausgaben erheblich gesenkt haben. «Es wird heute viel weniger nach Ressourcen gesucht. Und wenn ein Minenkonzern eine neue Rohstoffquelle erschliesst, dann dauert es bis zu sieben Jahre, bis produziert werden kann», erläutert Robert Werthmüller, Fondsmanager bei UBS Global Asset Management. Eine Reduktion der Explorationsausgaben hat einen zweifach positiven Effekt für die Minenkonzerne: Zum einen steigen die Gewinne auf Grund der Kosteneinsparungen, und durch die geringere Produktion verknappt sich das Angebot, und die Preise steigen.

Dass die Konzerne die höheren Preise auch durchsetzen können, liegt vor allem daran, dass es in der Metall- und Minenbranche in den vergangenen Jahren eine Konsolidierung gab. «Es existieren nur noch drei Topplayer. Das sind Anglo American, BHP Billiton und Rio Tinto. So wenige Anbieter haben einen starken Einfluss auf den Markt und die Preise», fügt Fondsmanager Werthmüller hinzu.

Auch beim Goldpreis spielte die Verknappung des Angebots eine entscheidende Rolle für die erhebliche Preissteigerung der vergangenen Jahre. Bis vor zwei Jahren erlebte das Gold einen zwanzigjährigen Bärenmarkt. Die Minenbetreiber mussten um ihr Überleben kämpfen. Sie verkauften aus Angst vor weiter fallenden Preisen ihre Produktion schon vor der Gewinnung zu fixen Preisen. Da die Goldproduzenten heute auf steigende Preise setzen, schliessen sie solche Termingeschäfte nicht mehr ab. Das Angebot an Gold ist damit schwerer prognostizierbar, was den Preis treibt. Einige Minenfirmen kündigten sogar bestehende Terminkontrakte auf, wofür sie am Markt Gold kaufen mussten. Dieses so genannte De-Hedging liess wiederum den Geldpreis steigen.

«Bei Preisen um 250 Dollar pro Unze wurden dann die Ausgaben für die Exploration gekürzt. Viele Minen waren veraltet, und es gab zu wenige neue», sagt Joe Foster, Manager des AIG Equity Fund Gold. Im vergangenen Jahr kam ein wichtiger Wendepunkt, als die Minenproduktion erstmals rückläufig war. Goldexperte Foster rechnet damit, dass die Goldproduktion noch bis 2010 abnehmen wird. Denn auch beim Abbau des gelben Edelmetalls dauert es fünf bis zehn Jahre, bis eine neu erschlossene Mine Gold produzieren kann. Foster erwartet daher, dass der Preis für Gold in den kommenden drei Jahren weitersteigen wird.

«Noch in diesem Jahr dürfte die Marke von 400 Dollar je Unze getestet werden. Davon sind wir zwar nicht mehr weit entfernt, aber bei einem Preis zwischen 390 und 425 Dollar gibt es eine wichtige psychologische Hürde», ergänzt der AIG-Fondsmanager. Trotzdem würden einige Minenunternehmen die nächsten Jahre nicht überleben.

«Eine Reihe von Übernahmen und Fusionen wird zu weiteren Schliessungen unrentabler Minen führen und das Angebot verknappen», erwartet Foster.

China ist auch für den Goldmarkt ein wichtiger Faktor. Seit diesem Jahr dürfen in China nun auch Privatpersonen Gold besitzen. Experten rechnen damit, dass die Nachfrage nach Goldschmuck erheblich steigen wird und China Indien von Platz eins der grössten Goldnachfrager vertreiben wird. Auch die chinesische Zentralbank hat im vergangenen Jahr 100 Tonnen Gold gekauft. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Nationalbank in China ihre Bestände auch in den kommenden Jahren weiter aufbauen werde.

Im Gegensatz zu Edel- und Industriemetallen ist der Ölpreis weniger abhängig von der konjunkturellen Situation. Vor allem die geopolitische Lage spielt hierbei eine wesentliche Rolle, wie während des Irakkriegs wieder einmal zu beobachten war. «Hinzu kommt die entscheidende Position der Opec (Vereinigung Erdöl exportierender Länder), die den Preis beeinflussen und diesen zwischen 22 und 28 Dollar je Barrel (Brent- Qualität) zu halten versucht», sagt Fondsmanager Werthmüller von der UBS. Der Rohstofffachmann rechnet aber für dieses Jahr eher mit einem fallenden Ölpreis, da er davon ausgeht, dass der Irak als Anbieter schon bald wieder stärker auf dem Markt erscheinen wird. «Als Land mit den zweitgrössten Reserven hat der Irak einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung des Ölpreises», erklärt Werthmüller von UBS Asset Management.

Wer am Aufwärtstrend der Rohstoffaktien partizipieren möchte, sollte dies über Fonds tun, empfehlen die Anlagespezialisten. «Zum einen ist auf diese Weise eine höhere Diversifikation gewährleistet, zum anderen ist es für einen Privatanleger fast unmöglich, direkt in Rohstoffe zu investieren», sagt Delphine Gebauer, Fondsanalystin bei Feri Trust. Die Beimischung sollte dann zehn Prozent des Portfolios nicht übersteigen. «Bei Investitionen in einzelne Rohstoffaktien sollte der Anteil im Gesamtdepot sogar nur zwischen drei und vier Prozent liegen», rät die Rohstoffexpertin Petra Kühl. Als Diversifikation im Depot eignen sich vor allem Goldfonds. «Denn diese entwickeln sich gut, wenn es an den Börsen schlecht läuft», fügt der Fondsmanager Foster von AIG hinzu. Während beispielsweise der Swiss Market Index zwischen 2001 und 2003 44 Prozent in den Keller stürzte, legte der Goldpreis im selben Zeitrum fast 27 Prozent zu.

«Wer an einen weiter steigenden Goldpreis glaubt, kann zwar auch direkt Münzen oder Barren kaufen. Aber Goldfonds und -aktien reagieren stärker als der Goldpreis selbst, weil diese noch über einen Hebel verfügen», sagt Kai Wiecking, Fondsanalyst bei Morningstar. Er empfiehlt Anlegern aber bei allen Rohstoffaktien-Fonds auch darauf zu achten, dass diese gegen Währungsrisiken abgesichert sind. Denn Rohstoffe werden im Allgemeinen in US-Dollar gehandelt.