Die plötzlichen Einbrüche bei Technologieaktien im März und im Juli haben viele Anleger verunsichert. Zwar waren beim zweiten Absturz vor allem die FAANG-Aktien betroffen, also Unternehmen aus den Bereichen Social Media und Lifestyle, aber die Sorge vor einer generellen Trendwende besteht dennoch. Ist sie berechtigt?

Der Boom der vergangenen Jahre hat die Bewertungen vieler Technologieunternehmen zwar in die Höhe getrieben und schon werden die Geschäftsmodelle angesichts des deutlich veränderten Marktumfelds infrage gestellt. Allerdings muss man diesen Ängsten und Zweifeln wieder einmal entgegentreten. Denn wie schon in der Vergangenheit unterliegen Technologieaktien zwar immer wieder mal grösseren Schwankungen und Zweifeln, langfristig sind sie dem breiten Markt jedoch bei Rentabilität und Wachstum überlegen und rechtfertigen deshalb einen Bewertungsaufschlag.

In produktivitätssteigernde Technologien investieren

Ein alternativer Weg für den langfristigen Anlageerfolg kann sein, in diejenigen Technologien und Tech-Unternehmen zu investieren, die produktivitätssteigernde Technologien entwickeln, herstellen oder nutzen. Für den Anleger wäre es somit empfehlenswert, klassische Technologieaktien im Portfolio um industrielle Technologieaktien zu ergänzen.

Dabei sollte man im Auge behalten, dass die Unternehmen genug finanzielle Reserven haben, um auch konjunkturelle Schwächephasen zu überstehen sowie kontinuierlich in Forschung und Entwicklung zu investieren. Die Dividendenrendite steht bei Technologieaktien nun einmal nicht an erster Stelle, weil die Unternehmen schnell wachsen und möglichst bald Gewinne erzielen sollen.

Im Fokus steht bei diesem Ansatz, also in industrielle Technologieaktien zu investieren, die Digitalisierung der Wertschöpfungsketten, die auch als zweite Disruptionsphase bezeichnet werden kann. Dazu gehören beispielsweise drei vertikale Technologietrends, nämlich Industrie 4.0, Medizin-Technologie sowie Mobilität & Autonome Systeme. Hinzu kommen deren massgebliche Querschnittstechnologien. Dies sind Robotik & Fertigungstechnologie, Sensorik & Mikrochips, Big Data & Künstliche Intelligenz, innovative Materialien und Kommunikationstechnik. Halbleiter (Information Technology) sollten untergewichtet werden, weil diese Aktien sehr zyklisch sind.

Am Beispiel des Bereiches Mobilität & Autonome Systeme ist das grosse Potenzial entsprechender industrieller Technologien gut zu erkennen. So wird der Anteil von Fahrassistenzsystemen in Autos in den nächsten Jahren erheblich steigen. Und die Einführung von Robotaxi-Modellen dürfte ab 2025 zu einem zusätzlichen Schub führen. Hersteller von Fahrassistenzsystemen wie Infineon und Hella sollten von diesem Megatrend profitieren. Möglich wird die Vernetzung von Fahrzeugen durch den neuen Mobilfunkstandard 5G, der die Verarbeitung riesiger Datenmengen in höchster Geschwindigkeit und kürzester Reaktionszeit zulässt.

Auf Social-Media- und Lifestyle-Themen verzichten 
Auch in der industriellen Fertigung ergeben sich durch 5G neue Chancen. Dazu gehört der Einsatz autonomer oder kollaborierender Roboter ebenso wie digitale Zwillinge von Produkten und Prozessen. So erweckt 5G das Internet der Dinge erst zum Leben.

Bei einem solchen alternativen und langfristigen Investmentansatz kann man auf Social-Media- und Lifestyle-Themen (Disruptionsphase 1) verzichten und sich auf die kommende Disruptionsphase konzentrieren, die industrieller Natur sein wird. Im Gegensatz zu den FAANG-Aktien, die aus den Bereichen Social Media und Lifestyle kommen, können Anleger hier zwar nicht mit kurzfristig extrem hohen Kurszuwächsen rechnen, jedoch können sie an einem neuen Megatrend partizipieren, der die gesamte Arbeits- und Berufswelt verändern wird. Das Anlageziel eines solchen Ansatzes sollte ein kontinuierlicher Mehrertrag gegenüber breiten Aktienindizes wie SMI, DAX und Eurostoxx sein.

*Kolumne von Andreas Dagasan, Leiter Globale Aktien bei BANTLEON BANK AG