Eine der beliebtesten Anlagestrategien ist das Investieren in Turnaround-Kandidaten. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die nach einer längeren Phase roter Zahlen oder schwacher Gewinne ihren Ertragsverlauf wieder nachhaltig zu stärken vermögen. Je früher der Anleger eine solche Trendwende erkennt und in die Aktie einsteigt, desto einträglicher das Investment. Beispiel Arbonia-Forster: Nach gewinnmageren Jahren erwarb Edgar Oehler 2003 von den Erben des Firmengründers die Stimmenmehrheit. Rasch steuerte er den Bauausrüster wieder in ertragsreiche Gewässer, und Arbonia-Forster schaffte den Turnaround. Wer wie Oehler auf die Aktien der Firma setzte, konnte seinen Einsatz innert lediglich eineinhalb Jahren vervierfachen.

Die wichtigste Faustregel im Anlagegeschäft: Hohes Kurspotenzial gleich hohes Kursrisiko, gilt gerade bei Turnaround-Investments. «Je früher der Anleger bei einem möglichen Turnaround auf eine Aktie setzt, desto grösser sind die Risiken», gibt Gerd Ramsperger, Leiter Research der Basler Bank Sarasin, zu bedenken. Viele Investoren mussten denn auch schon herbe Verluste verbuchen, weil sie auf eine Trendumkehr setzten, die dann nicht eintrat. Beispiel Von Roll: Das Unternehmen hat seit der Jahrtausendwende nur noch Verluste geschrieben. Hunderte von Anlegern haben seither, beflügelt von Sanierungen und Redimensionierungen, auf den Turnaround gewettet. Und sie verloren dabei massiv Geld; bis Ende 2004 schmierten die Aktien gegenüber dem Höchst um 98 Prozent ab. Die letzte Sanierung hat von Von Roll nicht mehr viel übrig gelassen. Dennoch erwirtschaftet der kümmerliche Rest des einst stolzen Stahlkochers seit kurzem wieder etwas Gewinn. Befindet sich das Unternehmen also doch noch in einem Turnaround? Möglicherweise. Doch die Gefahr, dass Von Roll erneut lang hinschlägt, ist gross.

Beim Turnaround-Anlagestil gilt: Je weniger sich ein allfälliger Turnaround abzeichnet, desto mehr Zurückhaltung ist bei einem Investment angesagt. Gerd Ramsperger achtet bei der Auswahl von Kandidaten einmal auf die Innovationskraft der betreffenden Firma. Eine noch wichtigere Rolle gibt der Sarasin-Chefanalyst dem Management. Denn beschlossene Turnaround-Massnahmen nützten letztlich herzlich wenig, wenn das Management die nötigen Führungsqualitäten zu deren Durchsetzung vermissen lasse. Christian Arnold, Leiter Swiss Companies Team bei Vontobel Research, rät dazu, die Bilanz von Turnaround-Kandidaten unter die Lupe zu nehmen: «Bei einem anständigen Eigenkapitalanteil ist die Gefahr geringer, dass die Firma in Konkurs geht.» Auch bevorzugt Arnold Unternehmen, bei denen ein Mehrheitsaktionär das Sagen hat, ja selbst im Management sitzt. Denn wo es ums eigene Geld geht, wird mit höchstmöglichem Einsatz am Turnaround gearbeitet.

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Weniger risikoreich geht es dagegen bei den in der Tabelle «Bessere Zeiten in Sicht» aufgeführten Aktien zu und her. Dabei wurden bewusst Titel von Unternehmen ausgesucht, die bereits mitten im oder kurz vor dem Turnaround stehen. Bei solchen Valoren sind zwar die Kurschancen limitiert, dafür ist auch die Gefahr eines Totalabsturzes gering. Von den aufgeführten Firmen haben deren elf seit 2004 ertragsmässig wieder Aufwind, die restlichen sieben werden in diesem oder dem nächsten Jahr ihr Gewinntief überwunden haben.

Firmen in Schieflage locken Spekulanten jeder Couleur an. Einige Unternehmen stecken denn auch in Sondersituationen, die ihre Aktienkurse zusätzlich in die Höhe getrieben haben. So ist um Forbo ein heftiger Übernahmekampf zwischen der US-Fondsgesellschaft CVC Capital und den Hauptaktionären Michael Pieper und Rudolf Maag entbrannt. Den Unaxis-Papieren wiederum hat der angeblich beabsichtigte Einstieg des Österreichers Mirko Kovats zusätzlichen Auftrieb verliehen. Derselbe Investor, so wurde an der Börse einige Zeit gemunkelt, sei auch hinter Schlatter her. Jedenfalls ist der Kurs des Schweissanlagenbauers in den letzten Wochen um über 80 Prozent explodiert. Bei diesen drei Turnaround-Firmen sollte mit dem Einstieg zugewartet werden, bis sich die Situation geklärt hat.

Bei Gesellschaften wie Tecan oder Tornos läuft der Turnaround nur zögerlich an, auch da ist Zurückhaltung angesagt. Dagegen sind Schaffner und COS bereits recht stattlich bewertet. Attraktiv dagegen die Aktien Ascom, Feintool, Georg Fischer, Leica Geosystems und WMH; diesen ist weiteres Kurspotenzial zuzubilligen. Und wer Risikofreude zeigt, ist mit Inficon gut beraten.

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Turnaround-Anlagen sind nichts für Kurzstreckenläufer. Nur wer sich Zeit lässt und die Titel auf mindestens zwei bis drei Jahre hält, kann sich an überdurchschnittlichen Kursgewinnen freuen.