Ist es sinnvoll, jetzt als Börsenneuling am Aktienmarkt Fuss zu fassen?
Ja. Denn langfristig gesehen wird sich die Wirtschaft wieder erholen. Doch es kommt auf den Zeithorizont an. «Wer jetzt Aktien mit dem Ziel kaufen möchte, den Gewinn erst in einigen Jahren oder Jahrzehnten einzufahren – etwa als Altersvorsorge – der findet ideale Startbedingungen und wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in einigen Jahren freuen können», sagt Caroline Hilb Paraskevopoulos, Leiterin Anlagestrategie und Analyse der St.Galler Kantonalbank. «Aktuell haben wir einen tiefen Einstiegszeitpunkt, tiefer als es vor wenigen Wochen noch der Fall war. Von daher ist es jetzt ein guter Moment loszulegen.» Allerdings: Den richtigen Einstiegszeitpunkt gibt es nicht. Und so ist es durchaus vorstellbar, dass die Börsen in den nächsten Wochen erneut abrutschen oder eben wieder kräftig ansteigen.

Was ist das Tückische in der gegenwärtigen Situation?
Ein Problem ist die Unsicherheit, die so gross ist wie selten zuvor. «Wir wissen nicht, wie lange dieser Zustand, das Rauf und Runter an den Börsen, noch andauern wird und was der Lockdown mit sich bringt», sagt Hilb Paraskevopoulos. «Das Risko ist damit grösser als normal.» Das Tückische in so einer Situation ist, dass Anleger beim Investitionsentscheid dann zu stark auf die Kursverluste blicken. Viele tendieren dazu, Titel zu vergleichen und den Titel zu kaufen, der am meisten verloren hat. «Das kann ein Trugschluss sein. Die Bewertung mag interessant sein, statt sich aber von der Preisentwicklung zu stark leiten zu lassen, sollte man vielmehr auf die Substanz einer Firma schauen, schliesslich haben manche Titel auch aus gutem Grund viel verloren.»

Was sind grundsätzlich die grössten Anlegerrisiken?
Privatanlegern fehlt oftmals die Ruhe und Gelassenheit, ihre Unternehmensanteile auch bei einem fallenden Aktienkurs zu halten. Zugleich neigen sie dazu, bei einem steigenden Aktienkurs zu früh zu verkaufen. «Eines der grössten Anlegerrisiken ist – gerade momentan –, dass man wegen Verlustängsten Titel jetzt verkauft und dadurch unter Umständen die besten hergibt», sagt Hilb Paraskevopoulos. In beiden Fällen entgehen einem dadurch wertvolle Chancen. «Zu viel Aktivismus ist in solchen Marktphasen nie angebracht.» Stattdessen sollten Anleger eine mittel- bis langfristige Anlagestrategie verfolgen und diese auch bei Marktturbulenzen beibehalten.

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Welche Aktien sollten Anleger jetzt kaufen?
Die Corona-Krise bietet langfristigen Anlegern die Chance, in substanz­starke Unternehmen zu günstigen Preisen einzusteigen. Gerade in Krisen empfiehlt es sich, ein Augenmerk auf Qualität zu legen. Denn dass starke Unternehmen wie Nestlé, Roche und Co. die Krise überleben, davon ist auszugehen. Doch auch in Nicht-Krisenzeiten ist es empfehlenswert, auf grundsolide Unternehmen zu setzen, die seit Jahren oder gar Jahrzehnten erfolgreich sind und zudem mit kontinu­ierlichen Wachstums­raten bei Erlösen und Gewinnen aufwarten. «Es gibt Qualitätsaktien, bei denen man jetzt einen Einstieg prüfen kann», sagt Hilb Paraskevopoulos. Die Expertin rät vor allem zu defensiven, nicht-zyklischen Titeln etwa aus der Telekommunikations- oder Pharmabranche. «Swisscom, Deutsche Telekom, Roche, Novartis oder Galenica sind interessant, ebenso wie Grundversorger wie die BKW, die zudem ein guter Dividendenzahler sind.» Doch auch beim Liftbauer Schindler kann sich ein Investment lohnen: «Der Titel ist zwar zyklisch, hat aber durch die Serviceleistungen, die das Unternehmen anbietet, einen nicht-zyklischen Faktor.»

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Was sind qualitative Merkmale, auf die ich bei der Aktien-Wahl achten sollte?
«Qualitätsunternehmen zeichnen sich durch lukrative und stabile Geschäftsmodelle aus», sagt Hilb Paraskevopoulos. «Das heisst, dass beispielsweise nicht nur für einen einzigen Abnehmer produziert wird oder eine Abhängigkeit von einem bestimmten Sektor besteht. Zudem differenziert ein gutes Geschäftsmodell die Dienstleistungen, die es anbietet.» Dies führt dazu, dass die Unternehmen deutlich robuster gegenüber Wirtschafts- und Finanzkrisen sind, weil die Erträge häufig halbwegs stabil bleiben. Masszahlen wertvoller Unternehmen sind etwa die Dividendenrendite und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), also der im Verhältnis zum Kurs prognostizierte Gewinn. Hier gilt ein möglichst niedriges KGV als positives Signal. Aber auch die Eigenkapitalrendite ist ein Hinweis auf besonders ertragsstarke Unternehmen.

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Wie sollte in Corona-Zeiten ein Depot aussehen?
Nicht nur in Corona-Krisenzeiten gilt: Risikostreuung ist für Privatanleger die Basis des Erfolgs – Diversifikation schlägt Konzentration. Heisst: Ein Depot sollte hinreichend diversifiziert sein, um etwaige Verluste zu begrenzen. Um Risiken zu begrenzen, sollte das Depot aus verschiedenen Wertpapieren inklusive Aktien aus unterschiedlichen Branchen und Ländern bestehen. Hilb Paraskevopoulos empfiehlt ein globales Depot: «Börsenneulingen empfehle ich 5 Prozent Liquidität, 5 Prozent Gold, etwa 35 Prozent Obligationen – davon 5 Prozent in High Yields – und den Rest als Aktien. Hier würde ich den grössten Teil in Schweizer Aktien investieren, etwa 30 Prozent in Form eines Schweizer Aktienfonds, den Rest würde ich mit Titel aus den USA, Europa und den Schwellenländern ergänzen, wobei mehr USA als Europa und mehr Europa als Schwellenländer.»

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Wo soll ich mein Depot eröffnen? Bei meiner Hausbank oder über einen digitalen Vermögensverwalter?
«Unerfahrene Investoren, die sich mit Finanzthemen noch nicht so gut auskennen, sollten ein Depot mit persönlicher Beratung erwägen», sagt Hilb Paraskevopoulos. «Vor allem, wenn sie ihrer Hausbank am meisten vertrauen.» Der Nachteil: Die Gebühren sind höher als bei digitalen Vermögensverwalter, wodurch sich die Rendite verringert. Zugleich aber hängt diese davon ab, was sich im Depot befindet. «Und bei der Auswahl der passenden Produkte könnten professionelle Beraterinnen und Berater helfen.» Fortgeschrittene, die bereits wissen, welche Produkte zu ihnen passen und erste Erfahrungen bei der Geldanlage haben, sind auch bei einem Online-Anbieter gut aufgehoben.

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