Der Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail gehört zu den Vorzeigefirmen unserer Industrie. Der seit zwei Jahren von Thomas Ahlburg (50) geführte Konzern verfügt global über eine hohe Reputation, gilt als innovationsstark, ist als Arbeitgeber beliebt und erfreut sich eines enormen Wachstums. Die Auftragsbücher sind proppenvoll; Mitte 2019 stellte sich der Bestand auf 14,4 Milliarden Franken, das gut Vierfache des geschätzten Umsatzes. Dieser dürfte 2019 um etwa zwei Drittel gestiegen sein. Inzwischen sind weitere Grossaufträge am Hauptsitz in Bussnang TG eingetroffen.

Der Architekt dieses Erfolgs ist Peter Spuhler (61). Innerhalb von 30 Jahren baute er die Firma zu einem international tätigen Konzern auf. Im April 2019 brachte Spuhler sein Unternehmen an die Börse. Als VR-Präsident und Hauptaktionär hält er weiterhin die Zügel in der Hand. Das IPO war ein Erfolg, die Aktien legten gegenüber dem Ausgabepreis bislang gut 20 Prozent zu. Dagegen hat der SPI in derselben Periode nur 15 Prozent zugelegt.

So imposant das rasante Umsatzwachstum ist, bei den Erträgen hapert es. Im ersten Semester stellte sich die Ebit-Marge auf dünne 4,2 Prozent, der Gewinn erreichte gerade mal 2,5 Umsatzprozente. Allerdings bringt das erste Halbjahr immer schwächere Resultate. Wie es ums Gesamtjahr bestellt ist, zeigt sich Anfang März. Mittelfristig will Stadler eine Ebit-Marge von acht bis neun Prozent erzielen. Die Analysten sind sich einig, dass mit dieser Prognose nicht zu hoch gegriffen wird. Das spricht für die Aktien. Diese sind zwar solide und mit einem für 2020 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,4 nicht überbewertet, doch zu Himmelsstürmern werden die Papiere nicht. Sie eignen sich für konservativ ausgerichtete Aktiendepots.

Ascom kriegt keinen Fuss auf den Boden

Eigentlich hat mich die Meldung nicht überrascht, es ist längst ein Running Gag: Ascom restrukturiert, und dies zum ich weiss nicht wievielten Mal. Klar, die alte Ascom hat mit der heutigen nichts mehr gemein. Einst ein mächtiger, aber ertragsschwacher Telekomkonzern, betätigt sich die Baarer Firma inzwischen als Anbieter von Kommunikationslösungen für das Gesundheitswesen. Doch wie damals kriegt auch die arg geschrumpfte Ascom keinen Fuss auf den Boden. Nicht neu ist ebenso, dass die gesetzten Vorgaben auch 2019 verfehlt wurden. Zu erwarten ist ein enttäuschender Zahlenkranz.

Anzeige
Placeholder

Valentin Chapero hat im November 2019 das VR-Präsidium des Technologieunternehmens Ascom übernommen.

Quelle: Paolo Dutto / 13 Photo

Nun soll es der neue VR-Präsident Valentin Chapero richten. Gegenüber BILANZ gab sich der 63-Jährige unverblümt: «Wir sind im richtigen Markt mit den richtigen Produkten, haben aber operativ nicht sehr gut performt.»

Es wird für ihn nicht einfach sein, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Innerhalb von zwei Jahren ist der Aktienkurs um 60 Prozent abgestürzt. Dennoch sind die Aktien mit einem geschätzten KGV von 27,5 teuer. Ich warte ab, bis das Unternehmen bessere Zahlen liefert.

Airbus und Boeing: Des einen Freud ...

Seit Langem vergleiche ich die Aktien von Boeing mit jenen von Airbus. Und viele Jahre erschienen mir die Titel des US-Flugzeugbauers attraktiver. Über geraume Zeit haben die Boeing-Papiere denn auch jenen des Konkurrenten den Rang abgelaufen. Bis im Oktober 2018: Damals stürzte eine Boeing 737 Max in Indonesien ab, Monate später verunglückte in Äthiopien eine Maschine desselben Typs, Hunderte von Menschen kamen ums Leben. Abgestürzt sind seither auch die Aktien von Boeing; sie verloren gegen 30 Prozent. Die Valoren von Airbus dagegen legten über ein Fünftel an Wert zu.

Der amerikanische Konzern, da muss ich kein Hellseher sein, ist noch lange nicht aus den Problemen heraus. Bestellungen und Auslieferungen sind eingebrochen, das Image zerstört, die Max 737 bleibt am Boden. Dabei setzte das Unternehmen grosse Hoffnungen in die modernisierte Ausgabe des Typs 737, ist dieses doch das meistverkaufte Flugzeug. Die Aktien von Boeing schaue ich mir erst wieder an, wenn die Boeing Max 737 erneut fliegen darf.

Der grosse Profiteur ist Airbus. Der Hunger der Airlines nach neuen Jets ist gross, der europäische Konzern verbucht riesige Orders. Sogar aus den USA trudeln hohe Bestellungen ein. Da lässt sich sogar der milliardenteure Flop des Grossraumjets A380 verkraften – 2021 wird die Produktion mangels Nachfrage eingestellt. Das Geschäft brummt auch so, über die nächsten vier Jahre dürfte der Umsatz jeweils mehr als sechs Prozent zunehmen. Stark überproportional entwickeln sich dabei Ebit und Gewinn. Mit einem für dieses Jahr geschätzten KGV von 19,7 bieten die Aktien noch Kurspotenzial.

Exzellente Aussichten bei Partners Group

Wie üblich zum Jahresbeginn haben viele Finanzanalysten ihre Empfehlungslisten überarbeitet. Auffällig oft lässt sich der Name Partners Group finden. Kein Wunder, denn der auf Investments im Privatmarktsegment spezialisierte Vermögensverwalter, umsichtig geführt von den Co-CEOs André Frei (44) und David Layton (38), glänzt seit Jahren mit ausgezeichneten Zahlen. So stiegen 2019 die verwalteten Vermögen um 13 Prozent auf 94,1 Milliarden Dollar. Die später veröffentlichten Ertragszahlen dürften ebenfalls gut ausfallen.

Placeholder

Sicherer Wert: Die Co-CEOs André Frei (l.) und David Layton treiben das Wachstum von Partners Group weiter an.

Quelle: Gian Marco Castelberg / AVP Media-Design
Anzeige

Die Aussichten bleiben exzellent. Für dieses Jahr erwartet das Management Kundenzusagen von 15 bis 19 Milliarden. Auch auf mittlere Sicht ist starkes Wachstum angesagt, denn immer mehr Grossinvestoren scheuen die überteuerten Aktien. Und da bietet das Baarer Unternehmen Alternativen. Allerdings wird es auch für die Anlageprofis immer schwieriger, attraktive Investments zu finden.

2006 ging die Partners Group an die Börse. Seither schossen die Aktien um mehr als 1000 Prozent in die Höhe! Die Aktionäre konnten sich alleine über die letzten drei Monate an einem Plus von 27 Prozent erfreuen. Doch der Höhenflug hat das für das laufende Jahr geschätzte KGV auf 27,6 hochgetrieben. Damit ist das Kurspotenzial vorderhand begrenzt. Langfristig dagegen bleiben die Aktien interessant. Die Valoren bringen dank dem stetigen Geschäftsgang, der kaum negative Überraschungen birgt, Stabilität ins Portfolio.

Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch.

Jetzt traden

Eröffnen Sie bei cash.ch ein Trading-Konto für 29 Franken pro Transaktion

Jetzt traden
Placeholder