Als Artisan Partners Mitte April beim Industriekonzern ABB Aktien zukaufte, war klar: Der für seine aktive Einflussnahme berüchtigte Finanzinvestor macht das nicht zum Spass. Denn nur zwei Tage später gab ABB überraschend den Rücktritt des langjährigen Konzernchefs Ulrich Spiesshofer bekannt.

Ob das eine mit dem anderen etwas zu tun hatte - darüber lässt sich nur mutmassen. Fakt ist: Artisan Partners wie auch einem anderen aktivistischen ABB-Aktonär, Cevian, war Spiesshofer schon eine ganze Weile in Dorn im Auge.

Als bedeutender ABB-Aktionär musste sich Artisan Partners Mitte April nur deshalb zu erkennen geben, weil die US-Amerikaner mit ihrer Beteiligung kurz zuvor den meldepflichtigen Schwellenwert von 3 Prozent überschritten hatten. Darf man Spekulationen Glauben schenken, dann kauft auch Cevian Capital bei ABB Titel zu. Da der Finanzinvestor bereits 5,3 Prozent der Stimmen kontrolliert, entsteht allerdings erst dann wieder eine Meldepflicht, wenn der Stimmenanteil mindestens 10 Prozent beträgt.

ABB-Aktie

Kursverlauf der ABB-Aktie in den letzten zwölf Monaten.

Quelle: Cash.ch

Bei der Schweizer Börse SIX gehen fast täglich Meldungen über solche Beteiligungsveränderungen ein. Über- oder unterschreitet der Stimmenanteil vordefinierte Schwellenwerte (beispielsweise 3, 5, 10 oder 20 Prozent), sind Publikumsgesellschaften in der Schweiz zu einer Meldung an die Börsenbetreiberin verpflichtet.

Ursprünglich als eine Massnahme gegen unfreundliche Übernahmeversuche gedacht, lassen sich von diesen Börsenmeldungen durchaus kursrelevante Rückschlüsse ziehen. Kaufen Grossaktionäre zu, ist dies ermutigend. Treten sie hingegen als Verkäufer in Erscheinung, ist Vorsicht geboten.

Doch Achtung: Nicht immer liegt der Beteiligungsveränderung auch wirklich ein Kauf oder Verkauf von Aktien zugrunde. Vielmehr kann die Meldepflicht auch im Zusammenhang mit Wertpapierleihgeschäften entstehen. Bekannt für solche Geschäfte sind etwa der weltgrösste Vermögensverwalter Blackrock oder der norwegische Staatsfonds. Beide sind an zahlreichen Schweizer Firmen beteiligt. 

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In den letzten Tagen gingen bei der Schweizer Börse SIX gleich mehrere Meldungen ein, denen ein Kauf oder Verkauf von Aktien zugrunde liegt. Am häufigsten genannt ist darin der Börsendebütant Alcon mit fünf Meldungen innerhalb von zwei Wochen.

Neben dem weltgrössten Vermögensverwalter Blackrock stieg auch die Capital Group bei der ehemaligen Novartis-Tochter ein. Der Fondsanbieter kaufte zu, überschritt dabei die 5-Prozent-Hürde, nur um den Stimmenanteil dann wieder auf 4,69 Prozent zu reduzieren. Neu kam bei Alcon vor wenigen Tagen T. Rowe Price als bedeutender Alcon-Aktionär dazu. Der Vermögensverwalter hält 3,05 Prozent der Stimmen.

Nach dem ausserordentlichen Einzug in den Swiss Market Index (SMI) und den Swiss Leaders Index (SLI) gehen Beobachter davon aus, dass sich beim Medizinaltechnikunternehmen schon bald weitere prominente Investoren zu erkennen geben. Neue Kursimpulse sind denn auch dringend nötig. Die Alcon-Aktien zeigen nach dem fulminanten Börsendebüt von Anfang April Ermüdungserscheinungen.

Interesse an VAT, Cosmo und VZ

Aus der Medizinaltechnikindustrie stammt auch Rudolf Maag, mit 10,3 Prozent der mit Abstand grösste Einzelaktionär der VAT Group. Neben Massachusetts Mutual Life ist auch Allianz Global Investors am Rheinthaler Vakuumventilehersteller beteiligt. Im vergangenen Oktober mit 3,09 Prozent eingestiegen, reduzierte der deutsche Versicherungsriese die Beteiligung Ende Januar auf unter 3 Prozent. Zuletzt kaufte er wieder Aktien zu und hält neuerdings 3,11 Prozent.

Und obwohl die VAT Group vor wenigen Wochen mit eher schwachen Erstquartalszahlen und einem von Vorsicht geprägten Ausblick auf das zweite Quartal aufwartete, kostet die Aktie gut 20 Prozent mehr als noch Ende März. Seit Jahresbeginn errechnet sich gar ein Plus von fast 50 Prozent.

Seit sich der bekannte US-Milliardär Kenneth C. Griffin mit 3,05 Prozent an Cosmo Pharma beteiligt hat, kennt auch die Aktie des Pharmaherstellers nur noch eine Richtung: nach oben. Als Gründer des berüchtigten Hedgefonds Citadel ist Griffin alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Grossinvestoren vom Schlag des US-Milliardärs haben jedoch selten Sitzleder und verabschieden sich bei der erstbesten Gelegenheit meist wieder aus ihren Engagements.

Bei der VZ Holding, dem Mutterhaus des Finanzberatungsunternehmens Vermögenszentrum, deuten auffällige ausserbörsliche Blocktransaktionen ebenfalls Veränderungen im Aktionariat an. Alleine am Freitag vor einer Woche wechselten rund 46'000 Titel zu je 248 Franken die Hand. Es macht den Anschein, als ob jemand in der Nähe der Mehrjahrestiefstkurse ein Paket schnürt. Vielleicht sorgt schon bald eine Beteiligungsmeldung an die Schweizer Börse SIX für Licht ins Dunkel.

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Wenige Beteiligungen reduziert

Auf zahlreiche Beteiligungserhöhungen trafen hierzulande in den letzten Wochen nur einige wenige Beteiligungsreduktionen. So senkte die Fondstochter der Credit Suisse den Stimmenanteil am Erstversicherer Bâloise von 3 auf 2,98 Prozent und jenen am Detailhandelskonzern Valora von 5,05 auf 4,97 Prozent. Bei der Aktie von Valora sorgte die Neuaushandlung langfristiger Mietverträge für Verkaufsstellen an Bahnhöfen erst vor wenigen Tagen für ein kleineres Kursfeuerwerk.

Eine gute Nase bewies hingegen Daniel Borel bei seinem Rückzug aus dem Aktionariat von Logitech - als habe der einstige Firmengründer den letze Woche bekannt gewordene Rücktritt des langjährigen Finanzchefs erahnt. Borel reduzierte anfangs April den Anteil von 4,86 auf unter 3 Prozent. Die Aktie des Peripheriegeräteherstellers aus Lausanne büsste wegen des Rücktritts des Finanzchefs an einem Tag 6 Prozent ein. Ebenso nahmen die Anleger dem Unternehmen auch den enttäuschenden Absatz mit Gaming-Zubehör übel.

Dieser Artikel erschien zuerst bei cash.ch mit dem Titel «Wo die Grossinvestoren gerade mit Beteiligungen jonglieren».

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