Wer den Chart von Sika über zehn Jahre betrachtet, dem kann schwindlig werden: Die Aktien haben sich im Wert versiebenfacht! Und dies, obwohl sich das Management jahrelang heftig gezofft hat mit der Familie Burkard, die ihre Stimmenmehrheit nach Frankreich verkaufen wollte.

Der Streit ist beigelegt, das Führungsduo mit Paul Hälg (64) als Präsident des Verwaltungsrates und Paul Schuler (64) als Konzernchef kann sich wieder auf das Tagesgeschäft konzentrieren. Dieses läuft auf Hochtouren, seit langem nimmt der Umsatz deutlich zu, Betriebs- und Reingewinn entwickeln sich überproportional.

Kein Wunder, sind die Sika-Aktionäre verwöhnt. Und sie reagieren ungnädig, wenn ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Als der Zahlenkranz für das erste Halbjahr 2019 leicht enttäuschend ausfiel, sackten die Valoren um gleich ein Fünftel ab. Und dies, obwohl der Umsatz um 7,6 und der Betriebsgewinn um 8,3 Prozent stieg. Allerdings hat die interne Wachstumsdynamik abgenommen. Die Verkäufe sind zudem von Akquisitionen getrieben.

Eine abkühlende Konjunktur wird das Geschäft zusätzlich belasten. Das Sika-Management hat jedoch unter Beweis gestellt, dass man auch mit schwierigen Rahmenbedingungen gut zurande kommt. Mit einem für 2020 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 23 sind die Aktien zwar hoch, aber nicht überbewertet.

Hohe Umbaukosten

Zykliker sind wieder gesucht. So avancierten Georg Fischer innert vier Wochen um 13 Prozent. Nur hatten die Titel davor lange unter Druck gestanden. Denn die Industriegruppe hat für das erste Semester 2019 enttäuschende Ergebnisse geliefert; der Umsatz schmolz um 20 Prozent, Betriebsund Reingewinn sackten um je ein Drittel ab. Der Konzern leidet unter der Krise der Automobilindustrie.

Der neue CEO Andreas Müller (48) treibt den Umbau des Unternehmens voran. So wird redimensioniert, verlagert, abgestossen, was wiederum Kosten verursacht. Insbesondere die Abhängigkeit vom Automobilgeschäft soll weiter abgebaut werden. Gleichzeitig wird das ertragsstarke Rohrleitungsgeschäft ausgebaut. Erfreulich läuft auch der dritte Sektor, Funkenerosions- und Hochgeschwindigkeits-Fräsmaschinen. Bereits im kommenden Jahr dürfte die Ebit-Marge wieder spürbar besser ausfallen. Die Valoren sind mit einem KGV von 14,7 eher tief bewertet. Dennoch warte ich einmal ab, was die Restrukturierung bringt.

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Finanzchef Andreas Müller

Der CEO von Georg Fischer: Andreas Müller (48)

Quelle: Keystone

Hacker am Werk

«Hacker öffnen Spezialschlösser von Dormakaba.» Solche Schlagzeilen sind der Super-GAU für ein Unternehmen, dessen Zugangs- und Sicherheitslösungen in Banken, Militärbasen oder im US-Präsidentenjet Air Force One zum Einsatz kommen. Dormakaba meint zwar, dass ihre «Safe-Lock-Produktlinien im realen Umfeld wie vorgesehen funktionieren».

Dennoch ist die Meldung dem Image wenig förderlich. Und sie kommt zur Unzeit; 2018/19 hat die Erwartungen nicht zu erfüllen vermocht. Das organische Umsatzwachstum ist mit 1,3 Prozent bescheiden ausgefallen, die Ebitda-Marge liegt mit 15,9 Prozent unter der angepeilten Höhe.

Die Synergieeffekte aus der 2015 erfolgten Fusion von Kaba mit der deutschen Dorma lassen länger auf sich warten als erhofft. So musste das Ziel einer Ebitda-Marge von 18 Prozent auf 2020/21 vertagt werden. Die Aktien büssten denn auch über die letzten zwei Jahre mehr als ein Drittel an Wert ein. Die Finanzanalysten zeigen sich bezüglich der Aussichten verunsichert. Die UBS rät zum Verkauf der Aktien, Vontobel und Zürcher Kantonalbank empfehlen Halten, Credit Suisse setzt ein Kaufsignal.

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Für mich bleiben Dormakaba mittelfristig eine interessante Investition. Die Firma ist die globale Nummer drei, will aber Technologieführer werden. Dazu steckt das Unternehmen im Verhältnis zum Umsatz mehr in Forschung und Entwicklung als die Konkurrenz. Mit einem KGV von 18,6 sind die Valoren relativ günstig bewertet.

Teurer Luxus

Es ist faszinierend, was Silvio Denz (63) unter das Dach seiner Lalique Group gepackt hat: Parfüm, Kristall, Schmuck, Sonnenschutzprodukte, Kosmetik, Möbel, Wohnaccessoires, Kunst, Hotellerie, Gastronomie und Whisky – und alles vom Feinsten. Den Namen gab die Kristallmanufaktur Lalique. Denz, Mehrheitsaktionär und Besitzer mehrerer renommierter Weingüter, hegt grosse Expansionspläne, vor allem in Asien. Aus diesem Grund hat er die Aktien vor gut einem Jahr von der Berner Börse genommen und an der SIX kotieren lassen.

Lalique-Chef Silvio Denz

Problem mit dem Luxus: Die Expansionspläne von Lalique-Chef Silvio Denz (63) drücken auf die Margen des Luxuskonzerns.

Quelle: Sebastien ORTOLA/REA/laif
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Der Ausbau drückt auf den Ertrag. 2018 wuchs zwar der Umsatz organisch um neun Prozent, doch brach das Ebit um fast ein Fünftel ein. Noch heftiger erwischt hat es den Luxuskonzern im ersten Semester des laufenden Jahres; vom Ebit derselben Vorjahresperiode blieb noch ein Viertel übrig, die Marge schmolz auf magere 0,7 Prozent. Das Ergebnis verhagelt hat vor allem das Segment Lalique; da fiel ein negatives Ebit von 4,5 Millionen Euro an. In diesem Schlüsselgeschäft ist vor 2021 kaum mit schwarzen Zahlen zu rechnen.

Ungeachtet der Probleme sind die Aktien hoch bewertet. Obwohl die Titel seit dem Wechsel an die SIX rund 30 Prozent an Wert eingebüsst haben, werden sie mit einem für 2020 geschätzten KGV von 34 bewertet. Ich mag die Lalique-Produkte, nicht aber die Aktien.

*Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch