Covid hat die diesjährige Befragung von 2650 (davon 76 aus der Schweiz) globalen Allianz-Kunden, darunter CEOs, Risk Manager, Makler und Versicherungsexperten, deutlich weniger beeinflusst als noch im Jahr zuvor.

Allerdings gilt auch zu sagen, dass diese vor der aktuellen Omikron-Welle stattgefunden hat. So zählt das Risiko eines Pandemieausbruchs vor allem bei den Schweizer Umfrageteilnehmenden zu den grössten Absteigern des Allianz Risk Barometers. Während es 2021 noch auf Rang 3 lag, rutschte es heuer auf Platz 6 (weltweit Platz 4 gegenüber 2 im 2021). Obwohl die Covid-Krise die wirtschaftlichen Aussichten in vielen Branchen weiterhin überschattet, sind die Unternehmen der Meinung, dass sie sich gut darauf eingestellt haben. Eine Verbesserung des Business Continuity Managements gilt dabei als wichtigste Massnahme, welche die Unternehmen ergreifen.

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Ransomeware-Angriffe als grösstes Risiko

Die Top-Risiken sind sowohl weltweit als auch in der Schweiz nach wie vor Cybervorfälle (44% der Antworten, bzw. 61% in der Schweiz). Dass Cybervorfälle in diesem Jahr den Spitzenrang belegen, liegt gemäss Allianz vor allem an der Zunahme von Ransomware-Angriffen, die von den Umfrageteilnehmern (57%) als die grösste Cyberbedrohung für das laufende Jahr bewertet wurden.

Die jüngsten Angriffe zeigen besorgniserregende Trends, wie z.B. «doppelte Erpressungstaktiken», bei denen die Verschlüsselung von Systemen mit Datendiebstahl kombiniert wird; die Ausnutzung von Softwareschwachstellen, die potenziell Tausende von Unternehmen betreffen; oder Angriffe auf kritische Infrastrukturen. «Ransomeware ist zu einem grossen Geschäft für Cyberkriminelle geworden, die ihre Taktiken verfeinern und die Einstiegshürden senken», weiss Ivo Heeb, Underwriting Experte Financial Lines bei der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) in der Schweiz. «Für die Ausführung eines Angriffes braucht es kaum noch technische Kenntnisse, die entsprechenden Werkzeuge können bequem im Netz gebucht werden. Die Kommerzialisierung der Internetkriminalität macht es einfacher, Schwachstellen im grossen Stil auszunutzen.»

Grosse Angst vor Betriebsunterbruch 

Auch die Angst vor Betriebsunterbrechungen ist nach wie vor ein Top-Risiko. Sowohl weltweit (42%) als auch in der Schweiz (57%) liegt diese auf Platz 2. «Störungen des Betriebes werden wahrscheinlich auch 2022 das wichtigste Risikothema bleiben», fasst Joachim Müller, CEO von AGCS, die diesjährige Befragung zusammen. «2021 kam es zu Unterbrechungen in noch nie da gewesenem Ausmass, die durch verschiedene Auslöser verursacht wurden.» Dazu zählen Cyberangriffe und die Auswirkungen zahlreicher klimawandelbedingter Wetterereignisse auf die Lieferkette genau so wie pandemiebedingte Produktionsprobleme und Transportengpässe. 

«Die Pandemie hat das Ausmass der Vernetzung in modernen Lieferketten aufgezeigt und verdeutlicht, wie an sich unzusammenhängende Ereignisse zusammenkommen und weitreichende Ausfälle verursachen», betont Müller. Zum ersten Mal sei die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten auf globaler Ebene auf eine harte Probe gestellt worden.

Unklare Marktveränderungen

Grösster Aufsteiger in der aktuellen Befragung sind weltweit die Naturkatastrophen und der Klimawandel. In der Schweiz dagegen sind es die Marktveränderungen, die neu den dritten Podestplatz der Top-Risiken belegen. «Grund dafür dürften die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem EU-Rahmenabkommen sowie die drohende Inflation sein», erklärt Joachim Müller. Daneben ist der Klimawandel auf Platz 5 (17%) gegenüber dem Vorjahr ebenfalls um zwei Plätze nach vorne gerückt.

Neu in den Top 10 sind das Risiko von Fachkräftemangel, das auf Platz 7 rangiert (12%) sowie die Sorgen vor dem Ausfall kritischer Infrastruktur (Platz 9 mit 11%) und gleichauf die Angst vor Reputationsverlust. Den Fachkräftemangel stufen die Befragten als eines der fünf grössten Risiken in den Bereichen Ingenieurwesen, Bauwesen, Immobilien, öffentlicher Dienst und Gesundheitswesen sowie als grösstes Risiko im Verkehrssektor ein.