Seit rund 200 Jahren steigt die Lebenserwartung in der Schweiz kontinuierlich. Bereits heute sind knapp 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung älter als 65, Tendenz rapide steigend (siehe Grafik «Age-Shift in der Schweiz»), denn statistisch gesehen wird jede zweite seit dem Jahr 2000 geborene Person 100 Jahre und älter.
Trotzdem tut sich ein Grossteil der Bevölkerung noch immer schwer damit, den demografischen Wandel als Tatsache zu akzeptieren. Dies obwohl die heute 25- bis 55-jährigen Erwerbstätigen zu den ersten Generationen zählen, die sich intensiv mit ihrer Langlebigkeit auseinandersetzen müssen. Nach wie vor sind sich viele von ihnen nicht bewusst, dass sie guten Chancen haben, 95 Jahre oder älter zu werden, und daher noch gut 30 Jahre ab dem momentanen Pensionierungsalter zu gestalten haben.

Politischer und gesellschaftlicher Diskurs

Kein Trost, aber nüchterne Realität: Der demografische Wandel trifft alle Industrienationen, variiert jedoch von Land zu Land. «Während Japan gegenüber Europa rund zehn Jahre Vorsprung aufweist und sich bereits heute mit den Folgen der alternden Bevölkerung und den negativen wirtschaftlichen Auswirkungen auseinandersetzt und dabei unter anderem auf Freiwilligenarbeit in der Gemeinschaft setzt, ist dies in Europa und Nordamerika wohl eher unwahrscheinlich», erläutert Lucas Binggeli, Masterstudent an der Universität St. Gallen. Zusammen mit seinem Kollegen Patrick Friedli hat er in einem Forschungsprojekt des World Demographic & Ageing Forum (WDA Forum) untersucht, welche Herausforderungen 2060 auf die Generation Y in einer überalterten Schweiz zukommen.
Am Anfang ihrer Überlegungen stehen die Fragen: «Wie wollen wir künftig leben?» und «Mit welchem Wohlstand oder wie lange wollen wir beruflich aktiv bleiben?». Dabei ist es für die beiden zentral, dass sich Politik und Gesellschaft bereits heute proaktiv mit dem Megatrend auseinandersetzen. «Ob ein längeres Leben als Geschenk oder als Last empfunden wird, hängt schliesslich davon ab, wie wir persönlich, politisch und als Gesellschaft damit umgehen», betont Binggeli.