Das Bewusstsein für digitale Risiken nimmt zu und die Forderungen nach mehr digitaler Transparenz und Verlässlichkeit werden lauter. Dem begegnet die Stiftung Swiss Digital Initiative (SDI) mit der Einführung eines «Digital Trust Labels». 

Das Label soll die Vertrauenswürdigkeit einer digitalen Anwendung, wie einer Website oder App, belegen und das in einer klaren, visuellen und nicht-technischen Sprache, die jeder verstehen.

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Im Versicherungsbereich kann es dabei zum Beispiel um eine automatisierte, vertrauenswürdige Risikoprüfung im Underwriting-Prozess gehen oder generell gesicherte Datenübertragung: Das Label zeigt, ob gewisse Standards erfüllt sind und informiert, was genau hinter einem Angebot steckt. «So soll das Vertrauen in die Digitalisierung gestärkt werden», erklärt SDI-Geschäftsführerin Niniane Paeffgen.


Verschiedene Prüfkriterien 

Organisationen, die das neue Label beantragen, müssen 35 Anforderungen erfüllen, die in vier Kategorien fallen:

  • Sicherheit: Zu den Anforderungen gehört zum Beispiel, dass die Verschlüsselung der Daten auf dem neuesten Stand ist.
  • Datenschutz: Das Label soll unter anderem garantieren, dass vor Verwendung von Daten immer die Zustimmung der Benutzerinnen und Benutzer eingeholt wird.
  • Zuverlässigkeit: Hier wird überprüft, ob ein Anbieter zum Beispiel auf die Einhaltung von Gesetzen und Regulationen hinweist.
  • Fairness: Dabei geht es um klare, transparente Informationen - zum Beispiel, ob und wie ein Anbieter darüber informiert, welche Analysetools oder künstliche Intelligenz einsetzt werden.

Die Kriterien für den Auditing-Prozess wurden von Fachleuten aus unterschiedlichen Bereichen der Wissenschaft, Wirtschaft oder dem Verbraucherschutz festgelegt. Viele der Anforderungen basieren auf der Europäischen Datenschutzverordnung, einige gehen darüber hinaus. Die Swiss Digital Initiative bietet das Label weltweit an.

Das Label belegt, dass sich ein Anbieter bestmöglich um Sicherheit, Datenschutz, Transparenz und Fairness bemüht. Einen 100-prozentigen Schutz vor Schwachstellen, Cyber-Attacken oder Zwischenfällen kann das Label aber nicht garantieren.

Was nützt das Label?

Die Swiss Re ist neben Swisscom und Credit Suisse eines der ersten Unternehmen, das bereits den Prüfungsprozess für ein Digital Trust Label durchlaufen hat und das Label für die geprüften Dienste nutzen darf. 

Zertifiziert hat Swiss Re das digitale Produkt «Magnum Go» - eine Automatisierungslösung für das Underwriting. Als Software-as-a-Service-Lösung (SaaS) kann es in Vertriebsplattformen integrieren werden. Das Trust Label weist darauf hin, dass der Underwriting-Prozess im Vertriebsweg akkreditiert und verlässlich ist. 

«Finanzdienstleistungen erfordern mehr denn je ein grösseres Vertrauen in digitale Dienstleistungen. Wir unterstützen und glauben an das Digital Trust Label als Treiber für mehr Transparenz und Verantwortlichkeit», erklärt Moses Ojeisekhoba, Chief Executive Officer Reinsurance und Mitglied der Konzernleitung von Swiss Re. 

Aus dem Versicherungssektor hat sich auch die Axa an der Entwicklung und Erprobung der Prüfkriterien für das Digital Trust Label beteiligt. Weitere Unternehmen befinden sich bereits im Auditing, haben sich für den Labelling-Prozess registriert oder starten 2022 mit dem Audit - darunter Atos, Booking.com, Cisco, Credit Exchange, Kudelski IoT, UBS Switzerland AG und Wefox.