Bei der Finanzplanung fürs Alter mit Auslandsbezug stellt sich bezüglich des Schweizer Pensionskassenkapitals nicht primär die Frage «Rente oder Kapital?». Ziel muss sein, eine Balance zwischen einem stabilen Alterseinkommen, gegebenenfalls auch für Hinterbliebene, sowie den Möglichkeiten zur Verwendung und Erhalt eines frei verfügbaren Vermögens aus dem Schweizer Vorsorgekapital herzustellen. 

Das Schweizer Altersvorsorgesystem basiert bekanntlich auf dem Drei-Säulen-Prinzip. Während die erste Säule (AHV) der Existenzsicherung dient, soll die koordinierte zweite Säule (BVG) den Erhalt des Lebensstandards während der Pensionierung sicherstellen. Mittels der freiwilligen dritten Säule kann jeder für sich zusätzlich sparen und mit einem Vermögenspolster flexibel sein Alterseinkommen verbessern. 

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In der zweiten Säule kann das Alterskapital in eine Rente umgewandelt werden bzw. es besteht wahlweise die Möglichkeit, Kapital einmalig zu beziehen oder einen Teil als Rente und einen Teil als Kapital. Auch ausländische Erwerbstätige in der Schweiz profitieren von dem Schweizer Vorsorgesystem. 

Rente im Ausland und Alterskapital in der Schweiz – da wird es komplex

Bei Umzugsplänen aus der Schweiz ins Ausland im Alter oder für Grenzgänger mit Wohnsitz in den umliegenden europäischen Ländern ist die Situation komplex und daher umfassend in den nachfolgend genannten Bereichen zu beleuchten.

Steuern und Sozialversicherung schmälern als laufende Kosten das Alterseinkommen. Anders als in der Schweiz werden Schweizer Renten und Kapitalleistungen z. B. bei Wohnsitz im Ausland teilweise ermässigt besteuert. Der Bezug von Renten und Kapitalleistungen aus überobligatorischem Pensionskassenkapital in Deutschland kann unter bestimmten Umständen sogar ganz steuerfrei sein. Dagegen werden z. B. in Deutschland Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung generell einkommensabhängig erhoben. 

Vermögensverwaltung von Alterssparkapital ist vor dem Hintergrund der Finanzmarktentwicklungen aktuell wieder mehr denn je mit Unsicherheiten behaftet hinsichtlich der Renditeerwartungen nach Kosten und des Verlustrisikos. Letzteres können die Banken und Vermögensverwalter in der Schweiz minimieren, jedoch den Pensionären nicht abnehmen. Beachtlich ist zudem, dass das Alterssparkapital in Schweizer Franken im Vergleich zum Euro über die letzten 20 Jahre mit Schwankungen bis heute um rund 50 Prozent an Wert gewonnen hat.

Lebenserwartung und Langlebigkeitsrisiko können individuell anhand der sogenannten Generationentafeln für den jeweiligen Jahrgang abgeglichen werden. Die Lebenserwartung von heute 65-Jährigen beträgt danach rund 22 Jahre. Zusätzlich ist entscheidend, ob und wie Hinterbliebene abgesichert werden sollen. 

Nur in wenigen Fällen wird es unter Beachtung der genannten Kriterien angemessen sein, auf sämtliche Rentenansprüche aus einer Schweizer Pensionskasse freiwillig zu verzichten. Ein garantierter Rentenumwandlungssatz von durchschnittlich noch über 5 Prozent und eine Teilkapitalzahlung bieten die Möglichkeit, auch im Ausland aus der Schweiz ein sicheres zusätzliches Alterseinkommen zur gesetzlichen Rente langfristig zu erhalten neben einem frei verfügbaren Kapitalpolster, das ohne fiskalische Probleme auch in der Schweiz angelegt werden kann. 

Susanne Heitzler ist Cofounderin und Verwaltungsrätin des Unternehmens SecuPart Vorsorge AG. Das Unternehmen ist auf die grenzüberschreitende Vorsorge- und Pensionsplanung Schweiz – Deutschland / EU spezialisiert.

Beispiel: Bezug von Rente und Alterssparkapital in Deutschland

Bei einem in Deutschland ansässigen Bezieher würde beispielsweise ein gemischter Bezug vorhandenen Pensionskassenkapitals von angenommen 800’000 Franken – Rente monatlich 2000 Franken (5 Prozent aus 480’000 Franken) und eine Kapitalleistung von 320’000 Franken – mit gesetzlichen Rentenansprüchen von insgesamt 2000 Franken zu einem regelmässigen monatlichen Alterseinkommen von 4000 Franken führen, das weit über dem durchschnittlichen deutschen Rentenniveau liegt. Nicht zu vergessen ist das zusätzliche, uneingeschränkt verfügbare Kapital.

Auch unter Berücksichtigung von Einkommenssteuer und Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung ist das verfügbare Einkommen etwa doppelt so hoch gegenüber den durchschnittlichen Rentenbezügen aus der deutschen ersten Säule und der gesetzlich freiwilligen betrieblichen Altersvorsorge. Dabei hat ein Grossteil der deutschen Arbeitnehmer keine oder nur geringe Leistungen aus der zweiten Säule zu erwarten.

Sowohl bei der Rente als auch bei der Kapitalleistung ist es – anders als in der Schweiz – in Deutschland für die Besteuerung massgeblich, inwieweit die Leistungen aus dem BVG-Alterskapital und dem überobligatorischen Kapital resultieren, das unter anderem aus zusätzlichen Einkäufen in die Pensionskasse stammen kann. Falls die Situation es erlaubt, empfiehlt es sich zu vergleichen, ob der Bezug einer Kapitalleistung noch in der Schweiz mit dem Sondertarif günstiger ist als eine ermässigte Besteuerung in Deutschland. 

Einkommenssteuerlich und vermögensrechtlich ist in Deutschland eine schuldenfreie eigengenutzte Immobilie begünstigt. Eine Finanzierung von Wohneigentum oder die Tilgung einer noch valutierten Hypothek mithilfe von Schweizer Alterssparkapital kann daher ebenfalls eine sinnvolle Alternative zur Kapitalanlage sein. Weniger Wohnkosten auf Dauer ermöglichen dann, dass mehr für die Freizeitgestaltung im Alter zur Verfügung steht.