Kurzzeitversicherungen seien komplett digital, transparent und flexibel, werben verschiedene Anbieter wie der Schweizer Pionier LINGS, die in den USA gegründete Trov oder Slice. Obwohl Kurzzeitversicherungen international viel Potenzial zugeschrieben wird, machen diese bisher einen sehr geringen Anteil am globalen Prämienvolumen aus. Vor diesem Hintergrund haben wir untersucht, wie bekannt Kurzzeitversicherungen in der Schweiz sind und inwieweit Interesse an solchen Angeboten allgemein sowie im Rahmen eines Inventarangebots besteht. Im Fokus der Studie stand die Absicherung von Freizeitgegenständen, elektronischen Geräten und Uhren/Schmuck. 

Autorinnen und Autoren:
Die Autorinnen und Autoren lehren und forschen am Institut für Risk & Insurance der ZHAW School of Management and Law. Matthias Erny, Dr. rer. soc. HSG, ist Lehrbeauftragter, Maik Hohl, MSc Banking and Finance, wissenschaftlicher Assistent, Angela Zeier Röschmann, Dr. oec. HSG, ist Professorin und Leiterin der Fachstelle Risk Governance and Business Transformation.

Link zur Studie:
https://digitalcollection.zhaw.ch/bitstream/11475/20438/3/2020_Hohl_etal_Insurance-on-demand_ZHAW.pdf

Nur für ein spezifisches Kundensegment

Die Untersuchung zeigt deutlich, dass Kurzzeitversicherungen in der Schweiz noch unbekannt sind. Knapp ein Viertel (23,3 Prozent) der Befragten kann sich die Nutzung einer Versicherung auf Tagesbasis jedoch grundsätzlich vorstellen, während dies für 28,4 Prozent  nicht infrage kommt (Abbildung 1). Die Mehrheit (46,2 Prozent) ist demnach unentschlossen. Allerdings wiegt der Verlust oder die Beschädigung der Uhr, des Smartphones, Mountainbikes, Rennrads der Foto- oder der Tauchausrüstung für die Befragten schwer und die Mehrheit weiss, dass die geliebten Gegenstände in der üblichen Hausratversicherung nicht gedeckt sind. Insbesondere für Reisen lässt sich ein Bedarf erkennen. Des Weiteren deutet die Befragung darauf hin, dass Interessenten gegenüber der Grundgesamtheit digitalaffiner, jünger und in Finanzangelegenheiten risikofreudiger sind und häufiger reisen.

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Umfrage Versicherung auf Tagesbasis

Abbildung 1: Profil potenzieller Nutzerinnen und Nutzer. Bei den Rubriken «Dig. Kompetenz», «Kauf von Versicherungen» und «Interessen und Neigungen» ist jeweils der Mittelwert der Zustimmung zu den entsprechenden Aussagen abgebildet. Die Grundlage bildet eine Likert-Skala mit fünf Stufen (5 = hohe Zustimmung 1 = keine Zustimmung).

Quelle: ZVG

Flexibler und fairer, aber nicht günstiger

Erstaunlich ist, dass Kurzzeitversicherungen gegenüber traditionellen Versicherungen nicht mit höherer Transparenz oder Preisvorteilen assoziiert werden. Zwei Aspekte, die On-Demand-Angebote in anderen Branchen wie Video oder Musik gegenüber klassischen Angeboten attraktiv macht. Dieses Ergebnis könnte damit zusammenhängen, dass die Gefahr der Doppelversicherung und des Versicherungsbetrugs sowie der Umstand, man könnte vergessen, die Versicherung zu deaktivieren, als grösste Nachteile gesehen werden. Trotzdem beurteilt eine Mehrheit der Befragten eine automatisierte Aktivierung und Deaktivierung nach Standort kritisch. Die grössten Vorteile der Versicherung auf Tagesbasis sehen die Umfrageteilnehmenden in der Schweiz in der Flexibilität. Ausserdem betrachtet die Mehrheit der Befragten sie als moderne Lösung, weil sie eine individuelle Absicherung ermögliche und fairer sei.

Attraktiv im Ökosystem

Ein naheliegendes Angebot scheint uns zu sein, Kurzzeitversicherungen in Kombination mit einem erweiterten digitalen Inventar (Abbildung 2) anzubieten. Wir haben daher untersucht, ob die Abbildung von Freizeitgegenständen, elektronischen Geräten und Uhren/Schmuck sowie die damit zusammenhängenden Dienstleistungen von Interesse wären und die Wahrnehmung von Kurzzeitversicherungen ändern würde. Als überzeugendstes Merkmal wurden in diesem Zusammenhang Tipps im Schadenfall genannt. Auch Kassenzettel hinterlegen zu können sowie Erinnerungen für ablaufende Garantien zu erhalten, kommen gut an. Eine Versicherung auf Tagesbasis würde in diesem Kontext für viele Befragte gut ins Angebot passen. Das heisst, ein im Ökosystem Home eingebetteter On-Demand-Versicherungsansatz, andere Versicherungen ergänzend, hat Potenzial. Das Angebot muss aber deutlichen Mehrwert schaffen, dabei bequem und transparent sein, insbesondere situativ für bestimmte Gelegenheiten wie Reisen oder Umzüge anwendbar und durch einen bekannten Versicherer abgesichert sein.

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Kurzzeitversicherung als Teil eines digitalen Inventars

Abbildung 2: Kurzzeitversicherung als Teil eines digitalen Inventars.
 

Quelle: ZVG