Rom weitet die seit 2012 bestehenden Regelungen zum Schutz vor ausländischen Unternehmen (Golden Power) auch auf den Versicherungs- und Bankensektor aus. Im Rahmen des jüngst verabschiedeten Liquiditätsgesetzes, welches 400 Milliarden Euro für Italiens Wirtschaft gesprochen hat, sind auch Schutzmassnahmen gegen ausländische Übernahmen vorgesehen. Grund für die Massnahme ist das wachsende Interesse von ausländischen Investoren für die börsenkotierten Unternehmen, deren Aktien in den letzten Wochen unter kräftigen Kursverlusten gelitten haben und nun zu Ausverkaufspreisen gehandelt werden. Unter anderem gilt der Versicherungsriese Generali als ein Übernahmekandidat par excellence.

Die Regierung hat künftig bei Akquisitionen von über 10 Prozent ein Vetorecht inne. Bisher galt die Golden Power nur für den Rüstungs-, Energie-, Transport- und Kommunikationssektor. Abgesehen von Versicherungsgesellschaften und Banken (neben Generali werden auch Mediobanca und Unicredit als Übernahmekandidaten genannt) gelangen nun auch Lebensmittelgruppen sowie kleine und mittelständische Unternehmen unter Regierungsschutz. Und die Golden Power trifft neuerdings auch für Übernahmeinteressenten aus dem EU-Raum zu.

Noch keine Gewissheit über Dividendenzahlung

Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa stösst mit ihrer Forderung eines pauschalen Stopps von Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufen auch in Italien auf Widerstand. Die italienischen Assekuranz-Unternehmen sind der Empfehlung von Eiopa, vorerst auf Dividenden zu verzichten, nur zum Teil gefolgt.

So hat etwa Italiens grösster Versicherer Generali nun zwar seine Dividendenzahlung bestätigt, allerdings hat der Konzern die Ausschüttung zweigeteilt: Die erste Dividende von 50 Cent wird im Mai ausgezahlt, die restliche Zahlung soll im Herbst erfolgen, sofern die Versicherungsaufsicht keinen weiteren Auflagen verfügt. Generali verweist auf die äusserst stabile Solvabilitätsquote von 224 Prozent. Auch hat der Versicherer aus Triest für 2019 einen bereinigten Rekordgewinn von 2,4 Milliarden Euro verzeichnet und verfügt über 3 Milliarden Euro liquide Mittel für etwaige Zukäufe. Generali setzt auch seinen im Geschäftsplan 2019 bis 2022 vorgesehenen Aktienrückkauf fort und hat seit Ende März eine Million eigene Aktien im Wert von 12,2 Millionen Euro erworben.

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Der Versicherer Cattolica aus Verona setzt die Entscheidung über eine Dividendenzahlung vorerst aus. Hingegen hat die Unipol-Gruppe aus Bologna bereits auf eine Dividendenzahlung verzichtet. Doch die ebenfalls börsennotierte Unipol-Tochter, UnipolSai, hält an ihrer zugesagten Dividendenzahlung fest.