Eigentlich ist es nur ein Nebenaspekt im zähen Ringen um eine Reform der beruflichen Vorsorge. Aber weil sich die Kosten als gutes Argument für mögliche Profiteure im System der zweiten Säule eignen, sind jüngst die unabhängigen Broker ins Visier der politischen Akteure geraten.

Vor Jahren waren es einzelne Vermögensverwalter, die für alternative Finanzprodukte vermeintlich zu hohe Gebühren kassierten. Immerhin eilten ihnen damals Anlagechefs von Sammelstiftungen zu Hilfe, die solch überrissene Aufwendungen mit überdurchschnittlichen Erträgen auf dem Vermögen der Pensionskasse rechtfertigten. Jetzt sind es die Vermittler-Provisionen der Broker, die Arbeitnehmervertretern und dem Schweizerischen Pensionskassenverband Asip ein Dorn im Auge sind. Sie kritisieren, dass Broker über Courtagen des Anbieters entschädigt werden anstatt direkt via Honorar des Arbeitgebers.

«Der Kundennutzen muss im Vergleich zu den vorhandenen Alternativen beurteilt werden.»

Interessenkonflikte

Bei der aktuellen Kontroverse geht es im Kern um Kosten und Nutzen. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls eine Studie des Instituts für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen. In der beruflichen Vorsorge einzig auf die Kosten der unabhängigen Versicherungsvermittlung zu achten, sei nicht statthaft. Vielmehr müsse der Kundennutzen im Vergleich zu den vorhandenen Alternativen beurteilt werden.

Klargestellt wird in diesem Papier auch die effektive Höhe der Aufwendungen. Gemäss den letztverfügbaren Daten sind es jährlich rund 170 Millionen Franken. Eine frühere Erhebung des Beratungsunternehmens C-Alm bezifferte die Kosten für die unabhängigen Versicherungsbroker mit über 300 Millionen Franken, darin eingeschlossen waren jedoch die Provisionen des Aussendienstes der gebundenen Vermittler ebenso wie die Marketing- und Vertriebskosten der Lebensversicherer und Sammelstiftungen.

Die Gegner des Courtagemodells, das im Brokergeschäft traditionell weitverbreitet ist, argumentieren damit, der Versicherungsmakler entscheide sich bei Neuausschreibungen von Vorsorgelösungen für jenen Anbieter, der ihm die höchste Entschädigung biete. Das Interesse der Kunden sei zweitrangig. Dem widersprechen Vertreter des Versicherungsverbands und der Versicherungsbroker. Mit schlechter Beratung könne ein Broker langfristig nicht bestehen. Festgeschrieben ist im Regelwerk der zweiten Säule auch: Der Makler muss beim ersten Kundenkontakt über die Art und Herkunft sämtlicher Entschädigungen für seine Vermittlungstätigkeit informieren. Überdies ist die Entgegennahme von zusätzlichen volumen-, wachstums- oder schadenabhängigen Vergütungen untersagt.

Anzeige

Mehr Transparenz gefordert

Interessant ist ein Blick ins Ausland. Finnland, Dänemark, die Niederlande und Grossbritannien kennen schon länger Provisionsverbote für Privatanlagen und Finanzprodukte. Die Konsequenz: Wegen des massenhaften Ausscheidens von unabhängigen Beratern sind die Preise gestiegen. Nur noch reiche Privatpersonen können sich die Beratung auf Honorarbasis leisten. Eine ähnliche Entwicklung sehen Branchenkenner bei einem Verbot von Courtagen in der zweiten Säule speziell für die kleinen und mittleren Unternehmen voraus. Das Angebot nimmt ab. Für die KMU-Kunden wird es schwieriger und teurer, an eine unabhängige Beratung heranzukommen. Das ist in einer Zeit fatal, da immer mehr Lebensversicherer die unter Kleinfirmen beliebte Vollversicherung einstellen, wie zuletzt Axa, oder bei der Neuaufnahme von Kunden massiv bremsen.

Die Studie der Universität St. Gallen plädiert für ein Weiterbestehen des Courtagemodells, sieht jedoch Verbesserungspotenzial im Bereich Transparenz, Ausbildung und Haftung. «Es besteht ein anerkannter Optimierungsbedarf», sagt auch Markus Lehmann, Präsident Schweizerischer Versicherungsbroker Siba

Bei der laufenden Teilrevision des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) soll die Transparenz in der Vermittlerreglementierung allgemein und speziell betreffend Offenlegung der Brokerentschädigungen verschärft werden. Massgeblich wäre das für alle Versicherungszweige, das heisst auch die berufliche Vorsorge. Denkbar ist ebenso eine neue Aufsichtsorganisation für alle Broker.

Erschienen im Special Unternehmensversicherungen der Handelszeitung Nr. 17 vom 23.4.20.