Das Potenzial für Sparlösungen bei Kadermitarbeitern und Spezialisten ist gross. Genutzt haben diese Möglichkeiten aber erst wenige Unternehmen. Früher behinderte eine Bestimmung im Freizügigkeitsgesetz die breite Umsetzung von Kaderplänen. Die Versicherten in den sogenannten 1e-Plänen genossen damals einen kostenlosen Kapitalschutz, weil auch bei unzureichendem Sparkapital die garantierten und gesetzlich bestimmten Austrittleistungen erbracht werden mussten.

Mit einer Neuregelung wurde dieser Systemfehler vor drei Jahren beseitigt. Bei Sparmodellen im überobligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge ist einer austretenden Person, die ihre Anlagestrategie selbst gewählt hat, lediglich der effektive Wert des Vorsorgeguthabens mitzugeben. Jetzt beobachtet Jörg Odermatt, CEO des Vorsorgespezialisten PensExpert, ein vermehrtes Interesse nach individuellen Vorsorgeplänen, und es werden auch entsprechend Offerten eingeholt: «Den ganz grossen Run bei den Abschlüssen gibt es aber noch nicht.»

Noch Aufklärungsbedarf

Speziell für Unternehmen, die mit einem attraktiven Entschädigungsmodell am Arbeitsmarkt punkten wollen, sind 1e-Pläne eine wichtige Komponente, um sich gegenüber der Konkurrenz zu profilieren. Voraussetzung dafür ist ein Jahreslohn von über 127’980 Franken. Gemäss den verfügbaren Lohnstatistiken liegen rund 5 Prozent der Erwerbstätigen oder etwa 250’000 Versicherte mit ihrem Einkommen über diesem Grenzwert. Aber nur relativ wenige Unternehmen haben bisher diese Möglichkeiten genutzt, obwohl jüngst nebst Spezialisten vermehrt auch die grossen Versicherer und Sammelstiftungen mit Kaderlösungen in Erscheinung treten. Für Vorsorgeexperten ist klar: Die anvisierten Führungs- und Fachkräfte müssen überzeugt sein vom Konzept. Man muss sie heranführen und nicht vor vollendete Tatsachen stellen.

Vor allem grosse börsenkotierte Unternehmen haben 1e-Pläne realisiert. Dabei hat das Management auch das Derisking im Auge. Nicht immer werden solche Vorsorgelösungen mit der Überzeugung aller Kadermitarbeiter umgesetzt. Doch Arbeitgeber, die mit einem internationalen Rechnungslegungsstandard wie IFRS oder US-GAAP arbeiten, erreichen buchhalterisch eine Entlastung auf der Bilanz. Die Altersleistungen erfolgen bei den 1e-Plänen nicht über eine Rente, sondern in Kapitalform, womit das Langlebigkeitsrisiko entfällt. Wenn zudem die Risiken Tod und Invalidität kongruent über eine Rückversicherung abgedeckt sind, entsteht in der Bilanz keine Nettoverpflichtung. Der jährliche Aufwand beschränkt sich auf den Arbeitgeberbeitrag im Vorsorgeplan.

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Weitere umfangreiche Reservepolster sind nicht nötig. Bei Sparplänen im überobligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge kommt es zur vollständigen Übertragung des Anlagerisikos auf den Versicherten. Der Versicherte hat die Wahl zwischen maximal zehn Anlagestrategien. In der Regel handelt es sich um risikomässig abgestufte Fondslösungen. Dabei sind aber für die wachstumsorientierte und damit riskanteste Variante ebenfalls die Anlagevorschriften der zweiten Säule zu beachten: Nicht mehr als 50 Prozent dürfen in Aktien investiert sein. Im Angebot muss zudem zwingend eine Strategie mit risikoarmen Anlagen enthalten sein.

Neue Wahlmöglichkeiten

Auf Anfang 2020 sind zwei regulatorische Änderungen im 1e-Bereich in Kraft getreten, die Unternehmen und Kadermitarbeiter bei Beletage-Lösungen die Wahlmöglichkeit zwischen einem individuellen 1e-Plan oder einer einheitlichen Kollektivstrategie lassen. Bei der individuellen Lösung wird der kalkulatorische Zins von 2 Prozent zur Berechnung der Einkaufskapazität gestrichen. Das schmälert vor allem bei älteren Versicherten mit einem grösseren angesparten Altersguthaben die Einkaufslücke in der 1e-Kadervorsorge.

PensExpert-Chef Odermatt verweist auf neue Möglichkeiten für Firmen, «die weniger Wert auf die Wahl von individuellen Anlagestrategien ihrer Versicherten legen und dafür die Schliessung von Einkaufslücken höher gewichten». Er bietet neu eine alternative Kaderstiftung an, bei der sich alle Versicherten für eine Einheitsstrategie entscheiden. Wie bei einer normalen autonomen Kasse übernimmt das Unternehmen eine Kapitalgarantie für die Versicherten und bildet entsprechende Schwankungsreserven.