Ganz so einfach funktioniert das Versichern einzelner Körperglieder jedoch nicht. Denn es gibt weltweit nur ein einziges Unternehmen, das sich auf Körperversicherungen (Body Insurances) spezialisiert hat: Lloyd’s in London. In Deutschland beispielsweise löst man das Problem mithilfe der privaten Unfallversicherung und ihrer Gliedertaxe. Diese ähnelt zwar der Body Insurance, deckt aber nicht alle Risiken ab. Und ist nicht so individuell vereinbar wie die Lloyd’s-Policen. In der Schweiz wird bei derartigen Anfragen entweder an Lloyd’s verwiesen oder eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung – in Ergänzung zur gesetzlichen Invalidenversicherung und zur Pensionskasse – vorgeschlagen, welche den Versicherungsnehmer und seine Angehörigen vor finanziellen Einbussen bewahrt, falls dieser erwerbsunfähig wird.

Spezialist für Körperversicherungen

Was in den 1940er-Jahren als Sensation galt, wurde in den letzten Jahrzehnten zur versicherungstechnischen Normalität. Und zum Standard in Prominentenkreisen. Während des Zweiten Weltkriegs versicherte das US-amerikanische Filmstudio 20th Century Fox die Beine seines Superstars Betty Grable für 1 Million Dollar. Berühmtheiten, die sich bestimmte Körperglieder aus beruflichen Gründen versichern lassen möchten, tun das heutzutage beim Londoner Versicherungshaus Lloyd’s. Dieses zählt nicht nur internationale Stars zu seinen Kunden, sondern beispielsweise auch bekannte Weinsachverständige und Parfümeure, die bei Lloyd’s ihre kapitalbringende Zunge oder Nase versichern.

Weil es sich oft um hohe Risikoabsicherungen handelt, sind die Prämien dementsprechend hoch. Würde also beispielsweise der Superstar von Juventus Turin, Cristiano Ronaldo, infolge eines Unfalls gehbehindert werden, müsste Lloyd’s ihm 212 Millionen Euro für seine schnellen Fussballerbeine zahlen. Wie man sich angesichts der horrenden Summen unschwer vorstellen kann, ist das Geschäft mit den versicherten Körperteilen äusserst einträglich: Die Versicherungsprämien sind hoch, während die Leistungen nur im Ausnahmefall zur Auszahlung kommen.

Körperversicherung: Nicht nur für Prominente sinnvoll

Menschen, die in «normalen» Berufen tätig sind, haben beispielsweise in Deutschland ebenfalls die Möglichkeit, bestimmte für die Berufsausübung unverzichtbare Körperteile zu versichern. Der aussergewöhnliche Schutz erfordert allerdings eine sehr präzise Tarifwahl im Hinblick auf die eventuellen Ursachen für den Verlust des Körperteils und auf die Versicherungssumme. Die Gliedertaxe dient zur Festlegung des Invaliditätsgrads eines Unfallopfers. Wie die Gliedertaxe im Einzelnen geregelt ist, legt jeder Versicherer individuell fest.

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Bei der Gliedertaxe weist jedes Versicherungsunternehmen bestimmten Gliedmassen, inneren Organen oder Sinnesorganen einen fixen Prozentsatz zu. Dieser dient als Berechnungsgrundlage, wenn der oder die Versicherte das betreffende Körperteil verliert oder dauerhaft nicht mehr gebrauchen kann (Invalidität). Dann wird die gesamte Versicherungssumme je nach Vertrag entweder als einmalige Leistung oder als monatliche Rente ausbezahlt. Wer besonders auf bestimmte Körperglieder angewiesen ist wie Pianisten oder Chirurgen, kann zum Beispiel für seine gesamten Arme eine erhöhte Gliedertaxe vereinbaren.

Was die Gliedertaxe absichert

Beispiel Allianz Körperschutzpolice: Die Gliedertaxe bezieht sich nicht nur auf den Verlust oder den hundertprozentigen Funktionsausfall einzelner Gliedmassen oder Sinnesorgane. Versichert werden darüber hinaus bestimmte Grundfähigkeiten, die für das jeweilige Berufsbild essenziell sind: Gebrauch einer Hand, Gebrauch eines Arms, Gehen, Bücken, Knien, Tragen, Heben, Greifen, Halten, Autofahren, Schreiben, Sitzen, Stehen, Sprechen, Sehen, Hören, intellektuelle Leistungsfähigkeit, Halten des Gleichgewichts.

Voraussetzung für die Auszahlung der Leistung ist, dass der Versicherte je nach Anbieter für sechs oder zwölf Monate ohne Unterbrechung durch den Verlust von mindestens einer der Grundfähigkeiten geistig oder körperlich beeinträchtigt ist. Er erhält den Versicherungsbetrag auch dann, wenn er einer Tätigkeit nachgeht, die er gesundheitlich noch ausüben kann.

Beispiel Daimler Körperschutzpolice: Bei der Daimler Körperschutzpolice hat der Versicherungsnehmer beim dauerhaften Ausfall der versicherten geistigen oder körperlichen Fähigkeit einen Anspruch auf eine monatliche Rente. Die Police kann durch eine sogenannte Schwere-Krankheiten-Absicherung ergänzt werden, die folgende Risiken umfasst: Schlaganfall, Herzinfarkt, Krebs, Koma, Multiple Sklerose, Querschnittslähmung.

Im Krankheitsfall erhält der Versicherte je nach Vereinbarung eine oder zwei Jahresrenten als einmalige Zahlung. Die Vertragslaufzeit der Körperschutzpolice endet üblicherweise mit dem Beginn des Regelrentenalters. Allerdings kann der Versicherungsnehmer aus Kostengründen eine kürzere Laufzeit vereinbaren (62. statt 67. Lebensjahr).

Es bleibt ein Nischenprodukt

Für die Versicherungsgesellschaften in der Schweiz sind Körperversicherungen kaum ein Thema, denn der Bedarf dafür im hiesigen Markt wird schlicht als zu gering eingeschätzt. Es bleibt ein Nischenprodukt, um das sich Spezialisten wie Lloyd’s kümmern. Bei einer Anfrage wird allenfalls eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung angeboten, welche gezielt die Einkommenslücke schliesst, falls der Versicherungsnehmer erwerbsunfähig wird.

Die Versicherungsprämien sind hoch, während die Leistungen nur im Ausnahmefall zur Auszahlung kommen.

Wie viel Prominenten ihr Markenzeichen wert ist

Stars lassen sich die Absicherung ihres Markenzeichens Unsummen kosten. Stets sind Millionenbeträge im Spiel, wenn sexy Beine, knackige Pos, erfolgreiche Fussballerbeine und begehrte Stimmen finanziell abgesichert werden sollen:

  • Popsängerin Jennifer Lopez verdankt ihre Karriere grösstenteils ihrem runden durchtrainierten Po. Damit er ihr auch weiterhin viele Millionen einbringt, gönnte sie ihm eine 268-Millionen-Euro-Körperversicherung.
  • TV-Star Kim Kardashian bezahlte ihrem knackigen Po, der sie schwerreich machte, einen 19-Millionen-Euro-Versicherungsschutz.
  • Sänger und Sexsymbol Tom Jones liess sich seine üppige Brustbehaarung, die Generationen von Frauen in Verzückung geraten liess, 5,5 Millionen Euro kosten.
  • Die bekannte Popsängerin Mariah Carey schloss bei Lloyd’s eine Körperversicherung über 900 Millionen Euro ab. Sie werden ausgezahlt, wenn ihren eleganten Beinen etwas zustösst.
  • Sangeskollegin Taylor Swift sind ihre makellosen langen Beine immerhin noch 36 Millionen Euro wert.
  • Auch Sängerin Rihanna schwört auf die magische Wirkung ihrer Beine (727’000 Euro).
  • Top-Model Heidi Klum bringen ihre Beine im Versicherungsfall 2,2 Millionen US-Dollar ein.
  • James-Bond-Darsteller Daniel Craig, der sogar auf gefährliche Stunts nicht verzichtet, ist sein durchtrainierter Körper 8,5 Millionen Euro wert.
  • Pop-Diva Madonna versicherte ihren Busen mit 1,3 Millionen Euro.
  • Der britische Gitarrist Keith Richards (Rolling Stones) macht regelmässig mit seinen bizarren Unfällen Schlagzeilen. Er erhält 890’000 Euro, falls seine Hände so schwer verletzt werden, dass er nicht mehr Gitarre spielen kann.
  • US-Rockstar Bruce Springsteen liess sich seine rauchige Stimme mit 5 Millionen Euro versichern.
  • Kiss-Bassist Gene Simmons zeigt bei Konzerten stets seine überlange Zunge. Das Markenzeichen ist ihm 900’000 Euro wert.
  • «Pretty Woman»-Schauspielerin Julia Roberts war nach dem Kinofilm jahrelang die höchstbezahlte Schauspielerin der Welt. Daher liess sie sich ihr bezauberndes Lächeln mit 27 Millionen Euro absichern.
  • David Beckhams muskulöse Fussballerbeine sind mit 63 Millionen Euro versichert.