Gerne wäre Heike Homburger bald wieder unterwegs nach Südostasien. Reisen sind ihre Leidenschaft, am liebsten in ferne Länder. Wegen Covid-19 reichte es in diesem Jahr immerhin für Zermatt und Ferien auf der Insel Kos in Griechenland. Zeit zum Auftanken zwischen den Verhandlungen, die ihren Berufsalltag prägen. Heike Homburger und ihr Team verhandeln bei Sanitas Preise und Verträge mit Spitälern, Kliniken und Belegärzten im Zusatzversicherungsbereich sowie mit Pharmafirmen, Medizintechnikherstellern und Ärztenetzen für Leistungen in der Grundversicherung – eine Aufgabe, die neben ausgeprägten konzeptionellen und analytischen Fähigkeiten Fingerspitzengefühl und überzeugende kommunikative Fähigkeiten erfordert.

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Den Leistungseinkauf für eine der grössten Krankenversicherungen der Schweiz mit rund 841’000 Kundinnen und Kunden sieht die 41-Jährige in einem mehrdimensionalen Spannungsfeld. Zum einen gilt es, die aufsichtsrechtlichen Anforderungen konsequent umzusetzen. Zum anderen muss man die unterschiedlichen Bedürfnisse von Versicherer, Versicherten und Leistungserbringern unter einen Hut bringen. «Wir verhandeln hartnäckig, jedoch fair und setzen uns für nachvollziehbare Preise sowie transparente Mehrleistungen ein», präzisiert Heike Homburger. Als Mitglied des Sanitas-Führungsteams im Geschäftsbereich Leistungen & Kundenberatung ist ihr im sensiblen Versorgungsbereich zudem die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Leistungserbringern ein Anliegen: «Miteinander schaffen wir bessere Abläufe und mehr Innovationen.»

Klingt nach Quadratur des Kreises? «Ich mag und brauche Herausforderungen. Komfortzone ist keine Option», sagt Heike Homburger schmunzelnd. Dass es im Gesundheitswesen reichlich Arbeit und viel Transformationsbedarf gibt, hat sie schon als junge Frau motiviert, sich in diesem Berufsfeld zu engagieren. Heute weiss sie: Es erfordert nicht nur diplomatisches Geschick und Durchsetzungsfähigkeit, um gesteckte Ziele zu erreichen. Ebenso sind Willenskraft und Belastbarkeit Eigenschaften, die in Verhandlungen gefordert sind. «Ein gesunder Ehrgeiz hat mich von klein auf angespornt», erzählt sie. In ihrer Ausbildung zur Pflegefachfrau mit Schwerpunkt Psychiatrie hat sie vieles gesehen, auf das sie heute noch zurückgreifen kann: «Ich habe fürs Leben gelernt», so Heike Homburger. «Es braucht viel Selbstreflexion und Empathie, um Menschen mit psychischen Defiziten zu betreuen.»

In ihrem weiteren Werdegang blieb Heike Homburger dem Gesundheitswesen treu – auch, weil die Arbeit mit Menschen sie befriedigt und spannende Aufgaben bietet. Nach dem Bachelor in Nursing Management zog es sie erst einmal für ein Praktikum nach Florida. Im Anschluss entschied sie sich für eine Tätigkeit im Healthcare Consulting und sattelte den Master of Health Administration und später den MAS in Business Administration noch drauf.

Im Leistungseinkauf – erst bei Helsana, seit März 2018 bei Sanitas – profitiert sie von ihren unterschiedlichen Berufsstationen. «Es braucht die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel, also sich in andere hineinzuversetzen. Da sind meine vorherigen Erfahrungen extrem wertvoll.»

Als Führungskraft möchte sie Vorbild für ihr Team sein und zur richtigen Zeit die richtigen Prozesse in Gang bringen. «Ich versuche so zu führen, wie ich auch selbst geführt werden möchte» – mit viel Freiraum, Eigenverantwortung und einer Führungsperson, die als Berater, Promoter und Supporter agiert. «Ich bin überzeugt, dass wir so im Team unsere Ressourcen optimal ausschöpfen können und maximale Leistung bringen.»

Lässt sich Karriere planen? «Bei mir ergaben sich eher Chancen, für die ich offen war», sagt Heike Homburger. Der Erfolg komme mit der Bereitschaft zu lebenslangem Lernen, dem Mut, Dinge anzugehen und Verantwortung zu übernehmen.