«Ich bin eine Schildkröte», sagt Agnes «Asy» Durrer und lacht. Sie ist schon so lange dabei, dass sie bei den meisten Themen, welche die Concordia beschäftigen, die Vorgeschichte kennt. Nach 27 Jahren in der Firma wird sie intern auch schon mal «Mama Concordia» genannt. Heute ist Asy Durrer Leiterin des Corporate Center und stellvertretende CEO. Die 56-Jährige sagt zwar, die Altersmilde sickere langsam durch, davon spürt man aber so rein gar nichts. 

Das schlimmste Projekt war das lehrreichste

Dabei dachte Asy Durrer als junge Anwältin einfach, es wäre für den Lebenslauf nicht schlecht, mal fünf Jahre am selben Ort zu bleiben. Dass daraus bald drei Jahrzehnte geworden sind, verdankt sie ihrem Arbeitgeber: «Ich konnte mich immer wieder frisch erfinden, habe in so viele Bereiche hineingesehen – es wurde einfach nie langweilig!» Und welche Erfahrung möchte sie auf keinen Fall missen? «So kitschig es klingt: die Schlimmste. Wir hatten in meiner Anfangszeit ein Projekt, bei dem alles schieflief. Dabei habe ich enorm viel gelernt.»

Durrer kam als Anwältin zur Concordia und hat später Managementschulen absolviert. Nötig waren beide Teile für ein vollständiges Puzzle. Die Juristerei sei ihre Art, zu denken, ihr Zugang zu allen Herausforderungen. «Die knackigen Themen dazu kamen übers Management.» Dass die Concordia immer noch einen Verein als Dach hat und die Versicherten gleichzeitig die Eigentümer sind, macht sie stolz und erfüllt ihre Aufgabe mit einem übergeordneten Sinn. Diesen Solidaritätsgedanken möchte sie auch ihren Mitarbeitenden weitergeben, mit welchen sie offen und ehrlich, aber immer wertschätzend zu kommunizieren versucht. Im Corporate Center vereint sie über 50 Mitarbeitende aus dem Rechts- und Übersetzungsdienst, der internen Revision, dem Generalsekretariat und der Lebensversicherung. Keine leichte Aufgabe. «Wenn es an mehreren Orten gleichzeitig harzt, frage ich mich schon, wie ich allen gerecht werden kann», gibt die Obwaldnerin zu. 

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Im Laden zur Rede gestellt

Wer bei einer Krankenkasse arbeitet, gehört nicht unbedingt zu den beliebtesten Menschen. Asy Durrer und auch ihre Mitarbeitenden müssen öfter Kritik einstecken. Was die Managerin aber auszeichnet, ist die Überzeugung für das, was sie tut. «Wir müssen hartnäckig sein und unsere Ausgaben wie bei einem Haushalt unter Kontrolle haben. Wir verhandeln, kontrollieren und lehnen auch mal ab», sagt Durrer. Das Spannungsfeld zwischen Patient, Kasse und Arzt sei immer da. Aber es sei zentral, dass die Krankenkassen ihre Rolle wahrnehmen und so letztlich die Gesundheitskosten im Griff behalten.

Es kam schon mal vor, dass sie jemand privat beim Einkaufen zur Rede gestellt hat. Umgekehrt aber auch, dass sich eine ältere Dame für eine teure Operation bedankte. «Die gemeinsame Freude an unserer Arbeit, die ich wirklich als sinnstiftend empfinde, hilft, die schwierigen Momente zu tragen», sagt Asy Durrer abschliessend. Eine dicke Schildkrötenhaut ist da sicherlich auch nicht schlecht.