Wenn in den vergangenen Monaten alles «normal», sprich pandemiefrei, verlaufen wäre, wäre Jolanda Grob Ende Februar zusammen mit ihrer Tochter von einem zehnwöchigen Australientrip zurückgekehrt. Dies wäre nicht die erste, längere Auszeit im Laufe des beruflichen Lebens der HR-Spezialistin gewesen, denn das Reisen ist eine ihrer Passionen. Und dabei lautet ihre Devise: Wenn schon weg, dann richtig. Noch kinderlos, reiste sie alleine durch China und Indien, zusammen mit ihrer Tochter entdeckte sie vor einigen Jahren während dreier Monate Teile der USA, Südamerika und Hawaii. «Ich brauche diese Auszeiten – sie erweitern nicht nur meinen Horizont, sondern geben mir neue Impulse und stillen meine Neugier auf Menschen und ihr Verhalten.» 

Letzteres war auch der Grund, warum Jolanda Grob Arbeits- und Organisationspsychologie studiert hatte. Parallel dazu machte sie das Diplom als Berufsberaterin, quasi als Plan B. Optionen zu haben, so die 47-Jährige, gebe ihr Freiheit und Selbstbestimmung. «Zwei Werte, die mir extrem wichtig sind und denen ich immer treu geblieben bin.» Einen Plan B zu haben, bedeute nicht, stetig auf dem (Ab-)Sprung zu sein, sondern helfe, sich nicht zu stark auf etwas zu versteifen und unflexibel zu werden. «Gleichzeitig gibt es einem grosse Freiheit, sich selber zu sein und für seine Werte und Sichtweisen einzustehen.»

Diese Haltung fördert und verlangt sie auch bei und von ihren Mitarbeitenden. «Flexibilität ist der Nährboden für gedankliche Vielfalt. Dinge zu hinterfragen und anders zu sehen, hilft wiederum, bewusst zu definieren, wofür man steht, und dies auch zu vertreten.» Aus diesem Grund hat sie auch wenig Verständnis für Menschen, die nur jammern, keine Lösungen aufzeigen und bei der Umsetzung nicht mit anpacken. «Ich erwarte eine konstruktive Haltung, denn die Veränderungen in unserer Branche sind rasant und vor allem nötig.» Damit meint sie nicht nur die technologischen Veränderungen, sondern auch die strukturellen und die gedanklichen, die es für innovative Dienstleistungen braucht. 

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Dass sie bereits mehr als zehn Jahre in der Assekuranz und bei der Zurich tätig ist, hängt auch mit den vielen Möglichkeiten in einem globalen Konzern zusammen. Denn den Wandel braucht Jolanda Grob genauso wie die Freiheit und die Selbstbestimmung. «Ich suchte mir immer wieder Aufgaben ausserhalb meiner Komfortzone, wo es gilt, etwas neu zu gestalten.» Nach einer zentralen Rolle 2019 bei einer der grössten Akquisitionen auf dem schweizerischen Versicherungsmarkt der letzten Jahre hat sie im vergangenen Februar die Co-Leitung des internen Pandemie-Krisenstabs übernommen, und sie ist seit Jahren Teil des Group HR Leadership Councils. «Dabei geht es mir nicht um Prestige, sondern darum, etwas Neues zu lernen, eine andere Perspektive einzubringen und das Beste für unsere Mitarbeitenden, Kunden und Partner im Blick zu haben.»

Neue Perspektiven brachte sie 2010 auch in die Zurich. «Ich bewarb mich schwanger für eine 100-Prozent-Stelle und nahm den Job nur unter der Bedingung an, dass ich einen Tag von zu Hause aus arbeiten durfte.» Was heute nach nichts Besonderem tönt, kam damals einem Paradigmenwechsel gleich. «Während zweier Jahre musste ich immer wieder erklären, dass ich nicht 80 Prozent arbeite …» Nach dieser Erfahrung begann sie intern für flexiblere Arbeitszeiten und -orte zu kämpfen, was seit 2016 bei Zurich mit Flexwork nun eine Selbstverständlichkeit ist. Ganz wichtig ist ihr, dass flexible und hybride Arbeitsmodelle nicht nur für Frauen da sind, sondern auch für Männer. «Wir müssen das Miteinander in allen Lebensbereichen fördern und allen Mitarbeitenden die Möglichkeit geben, bedürfnisgerecht zu arbeiten.»

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