Pro versicherte Person sind die Kosten im Jahr 2021 um 5,1 Prozent gestiegen. Damit erhöhen sich die Kosten in der Grundversicherung so stark wie seit dem Jahr 2013 nicht mehr. Nicht in dieser Rechnung enthalten sind die Kosten für Corona-Impfungen, für die die Krankenversicherer im vergangenen Jahr 265 Millionen Franken bezahlt haben. 

Autor: Matthias Müller, Leiter Abteilung Politik und Kommunikation, santésuisse

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Das stärkste Wachstum verzeichneten im Jahr 2021 die Physiotherapeuten mit einem Pro-Kopf-Kostenanstieg von 18 Prozent gegenüber dem Jahr 2020. Auch im ambulanten Arzt- und Spitalbereich sind die Kosten mit sechs und sieben Prozent stark gestiegen. Ein deutliches Kostenwachstum ist mit über fünf Prozent auch bei den Labors zu verzeichnen. Dabei sind die Kosten für Corona-Tests im Jahr 2021 nicht einberechnet, da diese vom Bund beglichen werden. santésuisse schätzt die Corona-Kosten für die Krankenversicherer (OKP) seit Pandemiebeginn auf gut eine Milliarde Franken. 

Ein deutliches Plus bei den Kosten verzeichnet zudem die Spitex (über sechs Prozent). Dies dürfte auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sein, weil das Bedürfnis möglichst lange zu Hause zu bleiben, weiter gestiegen ist. Das zeigt sich auch bei den Kosten der Pflegeheime. Dieser Bereich ist als einziger innerhalb der Grundversicherung günstiger geworden, die Kosten sind um fast drei Prozent gesunken.

Kosten belasten Haushaltsbudgets 

Für santésuisse ist dieser erneute Anstieg, auch wenn er teilweise auf pandemiebedingte Nachholeffekte zurückzuführen sein mag, in mehrfacher Hinsicht besorgniserregend. Das Kostenwachstum zeigt erneut, dass die Gesundheitskosten zu Lasten der Krankenversicherung leider viel schneller steigen als die anderen Wirtschaftsindikatoren (siehe Grafik auf Seite 2). Zwischen 2010 und 2020 stiegen die OKP-Gesundheitskosten durchschnittlich um jährlich 2,5 Prozent pro Kopf, während die Nominallöhne lediglich um 0,7 Prozent und das BIP um 0,2 Prozent zunahmen. Der Konsumentenpreisindex sank hingegen leicht um 0,1 Prozent pro Jahr. Diese Entkopplung ist ein Anzeichen dafür, dass die Gesundheitskosten das Budget und die Kaufkraft der Prämienzahlenden immer stärker belasten.

Kostenanstieg endlich bremsen

Notwendig sind wirkungsvolle Massnahmen, die Einsparungen bei allen Akteuren bringen:

1. Konkret sollen die Tarifpartner gemeinsam kostendämpfende Massnahmen in ihren Tarifverträgen festlegen, so wie es grundsätzlich das Kostendämpfungspaket 1 vorgesehen hat. 

2. Eine weitere Massnahme betrifft die Leistungserbringer. Um die Qualitätsentwicklung gezielter zu fördern, soll die Qualität der erbrachten Leistungen als ein zwingendes Kriterium in die Vergütung medizinischer Leistungen miteinbezogen werden. 

3. Mit dem Health Technology Assessment (HTA) überprüft der Bund systematisch, ob bestimmte von der OKP vergütete Leistungen die Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit (WZW) erfüllen. Ist dies nicht der Fall, sind sie von der OKP-Vergütung auszuschliessen. Solche HTA-Verfahren müssen dringend beschleunigt werden.

4. Die Amtstarife (Medikamente, Mittel- und Gegenstände, Labortarife, usw.) sollen einer regelmässigen Überprüfung gemäss den WZW-Kriterien unterliegen. 

5. Eine ausserparlamentarische Kommission soll periodisch die Kostenentwicklung in ausgewählten Bereichen überprüfen und Empfehlungen abgeben. 

Welche weiteren Massnahmen braucht es?

Die Medikamentenpreise bleiben im Vergleich zum Ausland weiterhin sehr hoch. Mit regelmässigen Vergleichen der Medikamentenpreise und einer Angleichung an das Preisniveau in europäischen Vergleichsländern unter Berücksichtigung aller Rabatte könnte ein grosses Sparpotenzial ausgeschöpft werden. Zudem sollen die ambulanten Pauschaltarife rasch eingeführt, die Versorgungsplanung im ambulanten und stationären Sektor – Stichwort überregionale Versorgung – vorangetrieben und die Zulassungskontrolle für Leistungserbringer strikt eingehalten werden.