Der zweitgrösste italienische Versicherungskonzern, Unipol Group, befindet sich auf Wachstumskurs. Das von Banca Intesa Sanpaolo vor einer Woche angekündigte öffentliche Tauschangebot für Italiens viertgrösste Bank, Ubi Banca kommt auch Unipol zugute. Denn der Versicherungskonzern aus Bologna mit einer Börsenkapitalisierung von knapp 12 Milliarden Euro wird die Versicherungssparte von Ubi Banca übernehmen.

Massiver Kundenzuwachs

Dies bedeutet, dass Unipol seine Anzahl Kunden um mindestens eine Million aufstocken wird, nachdem, sollte das Tauschangebot erfolgreich sein, die Ubi Assekuranzgesellschaften BancAssurance Popolari, Lombarda Vita und Aviva Vita in den Unipol-Konzern integriert worden sind. Des Weiteren hat Unipol zugesichert, die angekündigte Kapitalerhöhung der Volksbank aus der Emilia Romagna (BPER), zeichnen zu wollen. BPER wird aus kartellrechtlichen Gründen Filialen der Ubi Banca übernehmen. Eine entsprechende Vereinbarung wurde mit Banca Intesa Sanpaolo unterzeichnet.

Um die Transaktion zu finanzieren, hat BPER eine Kapitalerhöhung von einer Milliarde Euro angekündigt. Unipol Group ist mit einer Beteiligung von 20 Prozent der grösste Aktionär der BPER und hat mit der Volksbank auch einen Bankversicherungsvertrag abgeschlossen.

Die Hintergründe zu diesem Deal: Die italienische Grossbank Intesa Sanpaolo will für knapp 4,9 Milliarden Euro das viertgrösste Institut des Landes, Ubi Banca, übernehmen. Die vor einer Woche erstellte Offerte war ein wahrer Überraschungs-Coup. Den Aktionären wird eine Prämie von 28 Prozent auf den Freitagsschlusskurs angeboten.

Sollten sie die Offerte annehmen, entstünde laut Intesa-Sanpaolo-CEO Carlo Messina eine der grössten und ertragsstärksten Banken Europas mit einem Börsenwert von über 50 Milliarden Euro und 110’000 Mitarbeitern. In Mailänder Finanzkreisen sieht man in der möglichen Fusion der beiden Grossbanken einen ersten Schritt, um in Zukunft auch den Versicherer Generali in den Finanzkonzern zu integrieren.

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Wachstumsmotor der Banken

Die weitere Konsolidierung im italienischen Bankenbereich wird sich auch auf den Versicherungswirtschaft des Landes auswirken. Nicht nur, dass die durch die einstige Fusion der Fondiaria (Florenz) und SAI (Versicherungsunternehmen) mit Unipol hervorgegangene Unipol-Gruppe ihre Kundenbasis, insbesondere im Lebenssektor, ausbauen wird. Bisland war Unipol Numero Uno im Schadensektor.

Auch die Versicherungstochter von Intesa Sanpaolo, Intesa Sanpaolo Rbm Salute will vom Deal profitieren. So wird Intesa Sanpaolo etwa die Beiligung von Ubi Banca bei der Cattolica Versicherung übernehmen. «Wir wollen 2021 zum landesweit grössten Versicherer im Gesundheitsbereich avancieren», erklärte Bankenchef Carlo Messina anlässlich der Präsentation des öffentlichen Tauschangebotes vor Journalisten.

Im Lebenssektor steht die Mailänder Grossbank bereits an erster Stelle. «Die Versicherungsbranche ist gemeinsam mit der Vermögensverwaltung der Wachstumsmotor der Banken in den kommenden Jahren», zeigt sich Messina überzeugt. Auch Poste Italiane will vom erwarteten Wachstumspotenzial im Schadensektor profitieren. Die 12’800 Filialen des italienischen Postkonzerns werden künftig nicht nur Lebensversicherungs-Policen anbieten, sondern auch im Schadensektor aktiv werden.

Lieber Glücksspiele statt Versicherungen

Der Vertrieb in der italienischen Versicherungswirtschaft liegt noch fest in Händen der Versicherungsagenten (78 Prozent) und Broker (9,6 Prozent), während die Banken sich 2019 einen Anteil von geschätzt 9 Prozent sichern konnten. Mit einem Prämienaufkommen von erwartet 140 Milliarden Euro im Jahr 2019 rangiert Italien europaweit an vierter Stelle. Im Schadensektor, bei Nicht-MF-Versicherungen hinkt das Land jedoch mit einem Anteil von 2 Prozent Bruttoinlandsprodukt dem europäischen Schnitt von 4,4 Prozent nach. Die Italiener geben jährlich 107 Milliarden Euro für Glücksspiele aus, während die Ausgaben im Schadensektor nur 17 Milliarden jährlich ausmachen, kritisiert die Präsidentin des Verbandes der Versicherer Ania, Maria Bianca Farini.