Die Corona-Pandemie hat die Menschen verunsichert. Sind sie auch vorsichtiger, wenn es um den Abschluss von Lebensversicherungen geht?
Bislang haben wir keine besonderen Auffälligkeiten im Kundenverhalten feststellen können. Weder beim Neugeschäft noch im Bestand. Die private Vorsorge ist für viele Menschen gerade durch die Corona-Pandemie eher noch wichtiger geworden und die Nachfrage nach Selbstbestimmung und finanzieller Absicherung ist gestiegen. 

Anstelle der klassischen Lebensversicherung hat sich Swiss Life in der jüngsten Vergangenheit vor allem auf Sparlösungen mit oder ohne Versicherungsschutz konzentriert. Was wird von den Kunden vor allem nachgefragt?
Wir stellen fest, dass das Bedürfnis nach Sicherheit und Planbarkeit aktuell so gross ist wie schon lange nicht mehr. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld besonders gefragt sind unsere fondsgebundenen Sparversicherungen. Für die Kunden ist es wichtig, dass sie über die Vertragslaufzeit Sicherheiten in Form von wertstabilen Anlagen einbauen können. Ebenfalls sehr beliebt sind die reinen Anlagelösungen, die von Swiss Life Assets Managers verwaltet werden. Unsere Kunden müssen sich nicht aktiv um die Anlageentscheide kümmern und gleichzeitig erhalten sie Zugang zu exklusiven und attraktiven Anlagen, wie beispielsweise sehr wertstabilen Immobilieninvestments. 

Sind Garantieprodukte wegen der tiefen Zinsen derzeit kein Thema mehr?
Wir haben für unsere Privatkunden weiterhin Produkte mit und ohne Garantien im Angebot. Sie entscheiden, welche Lösung am besten zu ihren Bedürfnissen passt. Zwar sind die garantierten Leistungen aufgrund der sehr tiefen Zinsen in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Gleichzeitig stellen wir aufgrund der grossen Unsicherheit an den Kapitalmärkten auch weiterhin eine rege Nachfrage von Kunden nach Garantieprodukten fest. 

«Swiss Life ist die grösste private Immobilienbesitzerin in der Schweiz. Wir investieren seit über 120 Jahren in Immobilien und haben mit Swiss Life Asset Managers ausgewiesene Experten im Unternehmen.»

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Was muss an den Kapitalmärkten geschehen, damit die Lebensversicherer wieder attraktive Produkte mit Einmal- oder periodischen Prämien offerieren können, die zum Abschluss der Laufzeit einen garantierten Mehrwert bieten?
Aktuell bewegen sich die Kapitalmarktzinsen für mittlere bis längere Laufzeiten auf einem sehr tiefen Niveau. Wir gehen auch nicht davon aus, dass sich diese in absehbarer Zeit nachhaltig positiv entwickeln werden. Umso wichtiger ist es, dass wir unser Angebot an diese Rahmenbedingungen anpassen und laufend weiterentwickeln, damit wir unseren Kunden trotz anhaltend schwierigem Marktumfeld auch in Zukunft attraktive Lösungen anbieten können. 

Wie wichtig sind in Ihrer Angebotspalette die Immobilienfonds, nachdem sich Swiss Life zu einem der gewichtigsten Liegenschaftsbesitzer in der Schweiz entwickelt hat?
Swiss Life ist die grösste private Immobilienbesitzerin in der Schweiz. Wir investieren seit über 120 Jahren in Immobilien und haben mit Swiss Life Asset Managers ausgewiesene Experten im Unternehmen. Dadurch können wir unseren Kunden einen einzigartigen Zugang zum Immobilienmarkt und zu attraktiven Immobilienfonds bieten. Der Kunde investiert in eine Anlageform, die aufgrund der Risikostreuung, der Qualität und dem Standort der Immobilien sowie den häufig sehr langfristigen, teilweise inflationsindexierten Mietverträgen eine hohe Planbarkeit der Erträge und Leistungen ermöglicht. Das macht diese Anlageform sehr interessant, und die Nachfrage nach solchen Lösungen ist dementsprechend hoch.

Als grosse Eigentümerin sind Sie in der aktuellen Zeit auch besonders exponiert. Wie gehen Sie mit Geschäftsmietern um, die aufgrund des Lockdowns ihre Läden schliessen mussten?
Wir sind uns unserer Verantwortung in dieser ausserordentlichen Situation bewusst und sind seit Beginn der Pandemie im Austausch mit unseren Mietern. Kleinstbetrieben und Selbstständigerwerbenden, deren monatliche Bruttomiete nicht über 5000 Franken liegt und die von den bundesrätlichen Massnahmen besonders betroffen sind, erlassen wir auf Gesuch die Nettomiete für die Zeit des Lockdowns. Bis heute hat Swiss Life rund 530 Vereinbarungen für Mietzinserlasse und -reduktionen ausgearbeitet, weitere 80 sind in Bearbeitung. Unsere Lösung ist auf die Mehrheit der kommerziellen Mieter ausgelegt und kommt jenen betroffenen Kleinstmietern und Selbstständigerwerbenden zugute, die wirklich auf Unterstützung angewiesen sind. 

«Als Marktführerin sind wir überzeugt, dass die Vollversicherung mit den umfassenden Garantien weiterhin einem grossen Bedürfnis der Schweizer KMU entspricht.»

Welche Konsequenzen hätte der vom Parlament erwogene Teilerlass von Geschäftsmieten für die Rentabilität Ihrer Immobilienprodukte?
Unsere Immobilienprodukte sind bezüglich Nutzungsform breit diversifiziert und weisen eine sehr hohe Objekt- und Lagequalität aus. Die zwei Hauptanlagesegmente des Schweizer Immobilienmarktes – Mietwohnungen und Büroliegenschaften – schätzen wir als weitgehend stabil ein. Deshalb sind wir überzeugt, dass unsere Immobilienprodukte für unsere Kunden weiterhin sehr attraktiv bleiben.

Im Geschäft der beruflichen Vorsorge profiliert sich Swiss Life nach dem Ausscheiden von Axa aus der Vollversicherung weiterhin als Vollsortimenter. Auffällig in der letzten Jahresrechnung ist aber vor allem ein starker Anstieg bei den teilautonomen Lösungen (+39%). Tritt man bei der Vollversicherung wie alle anderen verblieben Anbieter bewusst auf die Bremse?
Als Marktführerin sind wir überzeugt, dass die Vollversicherung mit den umfassenden Garantien weiterhin einem grossen Bedürfnis der Schweizer KMU entspricht. Die seit Jahren ungebrochen grosse Nachfrage nach Garantielösungen in der zweiten Säule bestätigt uns darin. Auf der anderen Seite sind wir aufgrund des überhöhten Umwandlungssatzes im obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge gezwungen, im Neugeschäft selektiv zu agieren. Das gilt für die Vollversicherung und die Teilautonomie. Diese selektive Zeichnungspolitik ist notwendig, um den Versichertenbestand nachhaltig zu schützen. Wir wachsen also weiter in der Vollversicherung, aber – und das ist ganz entscheidend – für die angeschlossenen Unternehmen und deren Versicherte gesund. 

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Welches sind die Selektionskriterien bei der Aufnahme eines KMU in die Vollversicherung?
Massgebend ist vor allem die Altersstruktur des Versichertenbestandes und das Verhältnis zwischen den Erwerbstätigen und den Rentnern. Ein Unternehmen mit einer durchschnittlichen Altersstruktur erhält von Swiss Life eine Offerte für eine Vollversicherungslösung. Das heisst gleichzeitig aber auch, dass wir aufgrund der nach wie vor überhöhten Kapitalanforderungen und der systemfremden Umverteilung von den Erwerbstätigen zu den Rentnern nicht mehr allen Unternehmen, die sich für eine Vollversicherung interessieren, ein Angebot unterbreiten können. 

Die strengen Vorschriften des Swiss Solvency Test (SST) gelten als ein Grund für die selektive Neuaufnahme in der Vollversicherung. Könnte eine Lockerung der Regulierung für Abhilfe sorgen?
Wichtig sind in erster Linie angemessene, massvolle Kapitalanforderungen. Diese sind in der Schweiz im Vergleich zur EU immer noch zu hoch. Letztlich zahlen die KMU und die Versicherten einen Preis für die überhöhten Kapitalanforderungen: Ihre Wahlfreiheit bei den Modellen und Anbietern wird unnötig stark eingeschränkt.

«Zentral ist heute eine durchgängige, digital gestützte Kundenberatung und -betreuung, die wir bei Swiss Life gerade in der Breite einführen und so unsere physischen Vertriebskanäle stärken.»

Wie andere Versicherer hat Swiss Life schon vor fünf Jahren ein Innovations-Labor («Lab by Swiss Life») gegründet. Was hat es bisher gebracht?
Das Swiss Life Lab hat als externe «Denkfabrik» in den letzten fünf Jahren diverse Konzepte und Prototypen entwickelt. Einige davon wurden als Pilotprojekte auch auf dem Markt lanciert. Dadurch haben wir als Swiss Life viel über die kundenzentrierte Lösungsfindung und über digitale Zugänge gelernt. Zudem konnten wir uns dank dem Lab an verschiedenen Startups gewinnbringend beteiligen. 

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Die ZKB forciert als erste Grossbank mit der Vorsorge-App Frankly den digitalen Verkaufskanal in der Säule 3a. Ist auch Swiss Life bald mit einer gleichartigen Lösung am Markt? 
Lösungen, die einfach zu verstehen und von überall ohne zeitliche Begrenzung genutzt werden können, sind heute gefragter denn je. Wir verfolgen diese Entwicklungen sehr genau und prüfen laufend, wie wir diese veränderten Kundenbedürfnisse in unserem Angebot abbilden und unser Vollsortiment weiterentwickeln können. Zentral ist heute eine durchgängige, digital gestützte Kundenberatung und -betreuung, die wir bei Swiss Life gerade in der Breite einführen und so unsere physischen Vertriebskanäle stärken. Ebenso bauen wir unsere rein digitalen Kontaktpunkte und Services aus. Ein gutes Beispiel dafür ist unser komplett überarbeitetes Kundenportal, auf das unsere Kunden seit April zugreifen können.  

Mit dem Programm «Swiss Life 2021» will Ihr Unternehmen die Produktivität steigern. Erfordern die angestrebten Effizienzverbesserungen auch einen Stellenabbau?
Nein. Der Personalbestand von Swiss Life in der Schweiz bleibt – auch im Vorjahresvergleich – stabil. Die Effizienzsteigerung basiert hauptsächlich auf der bereits erwähnten digital gestützten, systematischen und durchgängigen Kundenberatung und -betreuung, bei welcher immer die Kunden im Zentrum stehen. Dazu gehört auch eine noch bessere Fokussierung auf unsere verschiedenen Kundensegmente, damit wir für diese passende Produkte und Beratungs- und Betreuungsdienstleistungen entwickeln und anbieten können. Dies immer mit dem Ziel vor Augen, als Swiss Life die Menschen dabei zu unterstützen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
 

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