Einen Vorgeschmack auf das 2.-Quartals-Ergebnis von ABB lieferte am 17. Juli der US-Konkurrent General Electric (GE). Dieser hat zwar eine grosse Finanzsparte, die auch in der Schweiz im Kleinkreditgeschäft führend ist. Enttäuscht hat aber die Industriesparte, die vom Düsentriebwerk bis zum Kraftwerk alles herstellt und ein wichtiger Konkurrent von ABB und Siemens ist.

Dabei blieben sämtliche Industriesparten von GE hinter den Prognosen zurück: Das Energiegeschäft wuchs weniger stark, der Flugzeugbereich stagnierte, und auch der Infrastrukturbereich schrumpfte mehr als erwartet. Der Fokus der Investoren gilt deshalb der Industrie. «Der Auftragseingang lag hier mit einem Minus von 42% viel tiefer als im 1. Quartal und schwächt sich damit stärker ab, als man erwartete», kommentieren die Analysten bei Morgan Stanley.

In einem freundlichen Umfeld brach die GE-Aktie nach der Ergebnispräsentation um 6% ein. JP Morgan ist «neutral» gegenüber der GE-Aktie, Morgan Stanley empfiehlt sie zum Kauf.

Weniger Bestellungen bei ABB

Für ABB, die am 23. Juli ihre Zahlen vorlegen wird, haben die Analysten der Deutschen Bank die grösseren gemeldeten Aufträge der letzten Monate aufsummiert. Auch hier rechnet man für ABB mit einem deutlich schlechteren Bestellungseingang, nachdem einige Grossaufträge im 1. Quartal die Schwäche bei den vielen kleinen Bestellungen kaschiert hatten. Unter dem Strich müssten Bestellungen über 7,465 Mrd Dollar vermeldet werden, um die Erwartungen zu erfüllen. Dies würde zwar einem Minus von 19,5% gegenüber dem Rekordergebnis des Vorjahres entsprechen, aber das Book-to-Bill-Verhältnis läge jetzt bei 1 - es wird etwa gleich viel verkauft wie bestellt. Der Umsatz dürfte laut den Analysten der Deutschen Bank mit 7,67 Mrd Dollar lediglich 3% niedriger als im Vorjahr ausfallen. Dabei schliesst der Betriebsgewinn von 801 Mio Dollar auch Restrukturierungskosten von 100 Mio Dollar ein.

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Für die Bewertung der Aktie ist entscheidend, ob die Marge auch dank des 2-Mrd-Dollar-Sparprogramms etwa in der Mitte des Zielkorridors von 11 bis 16% gehalten werden kann. «Solange man im Vorfeld des alle zwei Jahre stattfindenden Anlegertreffens am 11. September keine Klarheit hat, dürfte der Markt hinsichtlich dieses Punktes etwas nervös bleiben», heisst es bei der Deutschen Bank. Sie berechnen ein Kursgewinnverhältnis (KGV) von 16,6 und empfehlen die ABB-Aktie weiterhin zum Kauf. Ganz anderer Meinung sind die Analysten der Société Générale. Diese rechnen mit einem Einbruch der Aufträge um 31% und begründen, dass dieses Quartal das garstige makroökonomische Umfeld besser widerspiegelt als das von Grossauftragsgewinnen etwas geschönte 1. Quartal. Sie kommen auf einen Betriebsgewinn von 849 Mio Dollar und eine Betriebsmarge von 10,8%. Ihr Kursziel liegt bei 16 Fr., leicht unter den aktuellen Notierungen, die Empfehlung lautet auf «Verkaufen».

Überraschung bei Siemens?

Der deutsche Siemens-Konzern wird eine Woche nach ABB über seinen 2.-Quartals-Abschluss berichten. Laut den Analysten der Commerzbank richtet sich dabei das Augenmerk auf die Fortschritte beim Kostensparprogramm, was zu einer Margenüberraschung wie beim niederländischen Philips-Konzern führen könnte.

Bei Siemens soll sich der Bestellungseingang für das 2. Quartal lediglich um 4,8% auf 8,8 Mrd Euro verringern und auch für den laufenden Dreimonatsabschnitt soll der Rückgang mit 10,4% niedriger ausfallen als bei den Konkurrenten. In den meisten Sparten liegt das Book-to-Bill-Verhältnis mit 1,1 in einem gesunden Bereich - es wird weiterhin mehr bestellt als ausgeliefert, was für die kommenden Abschlüsse sehr zuversichtlich stimmt. Lediglich bei der Automatisierung, der Fahrzeugtechnologie und der Beleuchtungssparte bestehen Probleme. Siemens stellt, wie ABB, Industrieroboter für die Fliessbänder der Autoindustrie her.

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Aus einem Quartalsumsatz von knapp 19 Mrd Euro verbleibt laut Commerzbank-Schätzungen nach Abzug aller Kosten ein Reingewinn von 1,01 Mrd Euro. Auf Jahresbasis hochgerechnet soll der Gewinn mit 4,38 Mrd Euro ein Viertel unter dem Vorjahreswert liegen. Daraus ergibt sich für das laufende Jahr ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,8 und für das nächste eines von 9,7. Die Dividendenrendite von 3,3% dient ebenfalls als Puffer für den Kurs. Die Analysten der Commerzbank empfehlen Siemens zum Kauf.