Sie führen Kurzarbeit ein. Weshalb?

Peter Pauli: Aufgrund der bereits kommunizierten Verschiebungen von Lieferungen im 1. Halbjahr haben wir aktuell beim BECO des Kantons Bern ein Gesuch um Kurzarbeit für den Bereich der Produktion für eine befristete Dauer von drei Monaten ab 2. März 2009 beantragt.

Von der Kurzarbeit betroffen sind Stellen in der Produktion. In welchem Ausmass?

Pauli: Wir wollen uns einfach alle Möglichkeiten offen halten, dabei müssen gewisse Abläufe eingehalten werden. In welchem Ausmass die Kurzarbeit ausfallen wird, können wir noch nicht beurteilen. Wir werden vermutlich nur einen Teil des Kontingents, welches wir beantragt haben, ausschöpfen.

Der Grund für die Kurzarbeit sind Verschiebungen der Lieferungen. Wie und wann werden die Bestellungen überhaupt eingelöst?

Pauli: Kleinere Teile von grossen Projekten werden jetzt abgerufen. Es bewegt sich etwas.

Demnach kann man im laufenden Jahr wie bis anhin mit weiteren Grossaufträgen rechnen?

Pauli: Sicher, die Aufträge sind nicht komplett weggebrochen. Im Moment haben wir im asiatischen Raum Schwierigkeiten. Dies hängt damit zusammen, dass dort viele Grossprojekte geplant sind und China eher im Spotmarkt tätig ist. Asien ist von der restriktiven Geldvergabe der Banken stärker betroffen als Deutschland.

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Meyer Burger ist ein 100%iges Export- Unternehmen. Wo sind ihre Kunden geografisch aufgestellt?

Pauli: Rund 50% der Aufträge kommen aus China. Wir erhalten auch Aufträge von führenden Solarzellenherstellern wie SolarWorld, REC Scan Wafer oder Wacker Schott Solar aus Europa und den USA. In Europa wird substanzieller und in kürzerer Folge investiert. Die Chinesen sind eher im Volumengeschäft tätig. Vermehrt Anfragen kommen auch aus den USA, wenngleich der Markt bescheiden bleibt. Amerika hat schliesslich fast die gesamte Produktion nach Asien verlagert.

Wie ist das Geschäftsjahr 2008 von Meyer Burger ausgefallen?

Pauli: Die Umsatzzahlen und den Ebit haben wir publiziert. Und wir haben in beiden Bereichen unsere Ziele deutlich übertroffen.

Was erwarten Sie vom laufenden Jahr?

Pauli: Zuerst einmal ein bisschen Blindflug, weil vom Markt derart konfuse Signale ausgesandt werden. Ich gehe davon aus, dass 2009 ein hartes Jahr bleiben wird. Aber es wird eine gewisse Stabilität zurückkommen. Die Frage ist einfach, wann? Sollten die Geschäfte in zwei, drei Monaten wieder rund laufen, dann können wir dies auffangen. Für eine Prognose ist es allerdings noch zu früh.

Meyer Burger will vom Maschinenbauer zum Systemanbieter werden. An welchem Punkt stehen Sie auf diesem Weg?

Pauli: Wir sind schon weit fortgeschritten. Wir haben die Serienfertigung vorangetrieben und markante Fortschritte erzielt. Dies ist am Markt angekommen, aber es hat sich noch nicht so durchgesetzt in der Breite.

Wie sieht es bei den Akquisitionen aus?

Pauli: Wir prüfen und verwerfen Projekte. In jüngster Zeit haben wir das eine oder andere verworfen. Wir wollen nicht überbezahlt kaufen, damit sich erst alle freuen und wir dann feststellen müssen, dass es anders gegangen wäre. Wir werden nicht irgendeine Dünnfilmtechnik kaufen, nur damit wir sie auch haben. Eine Akquisition muss zu unserer Strategie passen.

Dieses Jahr hat die Meyer-Burger-Aktie schon 25% an Wert eingebüsst. Verstehen Sie die Skepsis der Investoren?

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Pauli: Es ist nicht meine Aufgabe, die Entwicklungen an der Börse zu kommentieren.

Was halten Sie davon?

Pauli: Es ist schade, dass sie uns so einschätzen. Wenn man die Meyer-Burger-Aktie mit anderen Solartiteln vergleicht, werden wir für etwas abgestraft, was ich nicht erklären kann. Doch der Aktienpreis zeigt sowieso nur ein kurzfristiges Bild. Ob die Bewertung am Ende richtig oder falsch ist, müssen andere beurteilen.

Welche Prognose stellen Sie der Solarbranche für das laufende Jahr?

Pauli: Sicherlich werden wir dieses Jahr noch strampeln, denn die Investitionen werden durch das Band reduziert.

Erkennen Sie irgendwo Lichtblicke?

Pauli: Die weltweiten Konjunkturpakete mit Investitionen in die Infrastruktur sind für uns klare Lichtblicke. Sogar in der Schweiz sollen Mittel für erneuerbare Energien bereitgestellt werden. Fraglich ist jedoch, wann wir von diesen Investitionen profitieren. Wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen schon im 2. Halbjahr 2009 spürbar werden. Und sobald sich die Liquiditätsschleusen wieder öffnen, dürfte der Zug an Fahrt gewinnen. Denn bei den erneuerbaren Energien besteht noch ein gewaltiger Nachholbedarf.

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Werden Investitionen in erneuerbare Energien aufgrund der Krise nicht zugunsten anderer Projekte aufgeschoben?

Pauli: Im Gegenteil. Viele Regierungen haben Konjunkturpakete geschnürt, die unter anderem für die Förderung der erneuerbaren Energien genutzt werden sollen.

Solarförderprogramme in Spanien oder Deutschland wurden aber gekürzt.

Pauli: Dass Deutschland eine Reduktion eingeleitet hat, ist normal und richtig. Natürlich kämpft die Branche möglichst lange für eine hohe Einspeisevergütung. Wenn wir aber die Kosten senken und Gridparität erreichen wollen, dann braucht es auch den Druck von dieser Seite.

Was bedeutet das für die Branche?

Pauli: Dass wir besser werden und die Kosten senken müssen. Durch die Krise sind die Preise für das Silizium eingebrochen. Wir gehen davon aus, dass wir in zwei oder drei Jahren die 2-Dollar-Marke für Module unterschreiten können, sofern die Siliziumpreise auf einem vernünftigen Niveau bleiben. Das heisst, wir kommen der Gridparität nun schneller näher als ursprünglich prognostiziert. Durch die Krise konnte sogar gut ein Jahr eingespart werden. Wir können nicht immer die Hand aufhalten und gleichzeitig vom Kostensenken sprechen.

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Wo steht die Schweiz im internationalen Solarmarkt?

Pauli: Eigentlich nirgends, was die Beeinflussung des Endverbrauchermarktes betrifft. Bei Technologie, Bildung und Forschung haben wir aber eine starke Position. Vier weltweit führende Unternehmen der Solarindustrie kommen aus der Schweiz. Dies sind 3S Swiss Solar Systems bei den Solarmodulen, Sputnik Engineering bei den Solarwechselrichtern und Meyer Burger und HCT bei den Spezialtrennsägen von mono- oder multikristallinem Silizium. Ich wünschte mir von der Politik, dass aggressivere Ziele gesetzt werden: Zum Beispiel eine Ölunabhängigkeit bis ins Jahr 2020.

Sie rechnen damit, das die Wafer-Technologie mit kristallinem Silizium weiterhin einen deutlich höheren Marktanteil haben wird als die Dünnfilmtechnologie mit amorphem Silizium.

Pauli: Ja, obwohl ich der festen Überzeugung bin, dass kristallines Silizium, wie wir es verarbeiten, den Solarmarkt nicht alleine tragen kann. Dazu braucht es mehrere Technologien. Sowohl die Dünnfilmtechnologie, eine kristalline, aber auch eine neue Technologie - die irgendwann noch kommen wird - haben ihren Platz. Geht man davon aus, dass im Jahr 2020 weltweit 20 Terrawatt Energieleistung gebraucht werden und man 10% über Solarenergie erzeugen will, dann kommt man auf exorbitante Zahlen. Diese riesige Nachfrage kann eine Technologie alleine nicht abdecken.

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Der Dünnfilmtechnologie wird grosses Potenzial zugerechnet.

Pauli: Die Prognosen hängen immer von der Investorenveranstaltung ab, an der Sie sich befinden. Das Potenzial von kristallinem Silizium ist viel höher als von Dünnfilm. Mit multikristallinen Zellen liegt die Effizienz in der Massenproduktion bei 15,5%. Mit der Dünnfilm-Technologie erreicht man derzeit unter 10%, angepeilt wird ein Wert von gut 13%. Im kristallinen Bereich beweist Sunpower, dass Zellen hergestellt werden können, die 22 bis 24% erzielen. Und neuste Forschungsergebnisse zeigen, dass der Rekord bei 41% liegt.

Befürchten Sie keine Substitution der kristallinen Technologie?

Pauli: Ich beurteile dies nicht als Gefahr. Es ist eine Herausforderung. Dabei geht es auch um die strategische, langfristige Positionierung von Meyer Burger.

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Das heisst?

Pauli: Wir wollen auch entlang der Wertschöpfungskette wachsen. Meyer Burger wird sich dabei mittelfristig auch andere, neue Technologien anschauen. Ich gehe nicht davon aus, dass wir im Jahr 2020 noch Drahtsägen in denselben Mengen herstellen, wie wir dies gegenwärtig machen.