Nach dem schwarzen Freitag, an welchem der Swiss Market Index (SMI) 3,7% tiefer schloss, erfolgte am Montag eine erneute Talfahrt an den Börsen. Der Schweizer Leitindex verzeichnete erneut Abgaben von 3%. Auch der Dow Jones ging 2,4% schwächer aus dem Handel. Schlimmer traf es den japanischen Aktienmarkt: Der Nikkei verzeichnete seinen tiefsten Stand seit 26 Jahren.

Zwar setzte der SMI am Dienstag zu einer leichten Erholung an, doch die Angst vor Rezession und das tief erschütterte Vertrauen der Anleger dominiern. Und dies, obwohl Vater Staat weltweit den kriselnden Banken unter die Arme gegriffen hat. Auch die Notenbanken pumpen Geld in die Märkte, EZB-Chef Jean-Claude Trichet stellte am Montag eine erneute Zinssenkung in Aussicht.

Abschwung stärker als erwartet

Dass die Finanzkrise nicht nur dieses, sondern auch nächstes Jahr auf die Unternehmensresultate durchschlägt, haben die bisher publizierten 3.-Quartals-Ergebnisse der Firmen gezeigt. «Tendenziell fällt der Wirtschaftsabschwung grösser aus als noch vor ein paar Monaten erwartet», sagt Scilla Huang Sun, Head Equity bei Julius Bär. Anlässlich der Publikation der Ergebnisse zum 3. Quartal würden viele Analysten ihre Gewinnschätzungen reduzieren, so Huang Sun weiter.

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Das bedeutet, dass die Aktien derzeit günstiger wirken, als sie tatsächlich sind. Sinkt nämlich der erwartete Gewinn, steigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – und die Valoren sind weniger attraktiv bewertet. «Nach der Reduktion der Gewinnschätzungen dürften viele Aktien immer noch teuer aussehen», so Panagiotis Spiliopoulos, Leiter Research bei Vontobel.

Die Liste der Firmen, deren Prognosen für die Unternehmensgewinne 2009 reduziert wurden, ist lang. «Wir haben allein in den letzten beiden Wochen die Schätzungen zu OC Oerlikon, Bucher, Richemont, Conzetta, Feintool, Kühne & Nagel, Sulzer, Swatch Group, Uster Technologies, Sika, Komax, Rieter, Tornos, EMS, Gurit und ABB reduziert», so Spiliopoulos.

Der Auftragseingang lässt nach

Je nach Branche fallen die Gewinnrevisionen unterschiedlich aus. Der stärkste negative Einfluss wird den zyklischen Industrien wie Bauzulieferern, Maschinenbauer und Autozulieferern zugesprochen. «Man sieht schon jetzt, dass der Auftragseingang bei den Sektoren Industriegüter und IT nachlässt», so Markus Irngartinger, Head Equity Strategy bei UBS Wealth Management Research. Gemäss Irngartinger ist davon auszugehen, dass die Unternehmen global die Investitionsausgaben weiter kürzen werden. Spiliopoulos erwartet auch bei Chemiewerten, Transportunternehmen und im Luxusgütersektor Gewinnreduktionen. Die beiden Schweizer Chemiefirmen Clariant und Ciba werden am 4. und 5. November ihre 3.-Quartal-Zahlen offen legen. Für Clariant hat die Bank Vontobel ihre Prognose für den Gewinn pro Aktie für 2009 bereits im Vorfeld um 21% reduziert. Auch der Logistiker Kühne & Nagel hat seine Ergebnisse der ersten neun Monate bereits veröffentlicht: Gemäss ZKB-Analysten mussten die Schätzungen wegen der tieferen Erwartungen an das Welthandelswachstum 2009 nochmals leicht gesenkt werden. Das droht wohl auch der Konkurrentin Panalpina, die am 30. Oktober ihre Zahlen präsentiert.

Pharma und Konsum besser

Weniger stark betroffen von negativen Gewinnrevisionen dürften dagegen defensivere Sektoren wie Pharma und kurzlebige Konsumgüter sein. «Die Gewinne in diesen Sektoren sind weniger anfällig für Konjunkturschwankungen», erklärt Irngartinger.

Zusätzlich positiv wirkt sich bei Firmen wie Nestlé, Novartis und Roche das grosse Exposure zu US-Dollar-Regionen aus. Die Unternehmen können vom starken Greenback profitieren. Euro-lastige Firmen dürften nämlich von der Währungsseite her eher belastet werden.