Auf der Überholspur fährt Boris Collardi nicht nur mit seinem Ferrari. Noch vor seinem 35. Geburtstag hat er es in die Chefetage geschafft: Im März 2009 ernannte ihn Verwaltungsratspräsident Raymond J. Bär zum neuen CEO der Bank Julius Bär. Damit übernahm per 1. Mai im Prinzip «die rechte Hand» des 2008 verstorbenen CEO Alex Widmer die operative Führung der Bank.

Kosten runter statt Tempo rauf

Dennoch überraschte der Entscheid. Denn für die Bewältigung der Krise sind derzeit vor allem erfahrene, alteingesessene Manager gefragt. Zwar besitzt der junge CEO bereits gute Managementerfahrungen. Er begleitete Alex Widmer bei seiner Expansionsstrategie und bewies sich selber als starker Organisator.

Allerdings wurde die fehlende Kundenerfahrung Collardis auch schon öfter kritisiert. Nebenbei wird Collardi von Branchenmitgliedern aber auch als von sich eingenommen beschrieben. Für Neider eine gute Zielscheibe ist sein Faible für teure Sportwagen, wobei er heute vor allem seinen Fiat auf den Direktionsparkplatz stellt.

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Collardi hat 2010 also einmal mehr seine Führungs- und Macherqualitäten unter Beweis zu stellen und zu beweisen, dass er der grossen Aufgabe gewachsen ist. Dabei muss sich der neue CEO auch auf eine andere Gangart besinnen. Denn Collardi ist bekannt für sein ambitioniertes Arbeitstempo. Nach seinem Wechsel als Chief Operating Officer zu Julius Bär im Jahr 2006 löste er gewisse Konflikte dadurch aus, dass er Projekte in rasanterem Tempo als gewohnt realisieren wollte. Er selber räumte später auch öffentlich ein, diese Kulturschocks teilweise provoziert zu haben, und dass einige Leute als Folge davon abgesprungen seien.

Die Zeiten haben sich nun aber geändert. Hat sich das Traditionshaus bis anhin auf Wachstum konzentriert, zwingt die Krise zu einem Umdenken und zu Kostensparmassnahmen. Ebenfalls eine neue Konstellation ergibt sich durch die Herauslösung des Asset Managers GAM aus der Bank.

Eine letzte Altlast bei Vontobel hat den Jahreswechsel überdauert: Frank Wieser übernimmt erst ab kommendem Frühjahr in München das Ruder des in Schwierigkeiten geratenen Deutschland-Geschäfts der Bank Vontobel.

Nun wird sich zeigen, ob mit CEO Herbert Scheidt an der Spitze 2010 ein erfolgreicher Neustart erfolgen kann. Nach dem durchzogenen 2009 wäre ein solcher jedenfalls notwendig. Einerseits für Scheidt selbst, stand er doch zeitweise im Ruf eines Zauderers, anderseits sind die von ihm für das Zürcher Traditionshaus gesteckten Ziele unverändert hoch: Bis zu 6 Mrd Fr. Neugeld wollte Scheidt allein im Bilanzjahr 2009 gewinnen; in drei Jahren soll Vontobel dann 100 Mrd Fr. verwalten.

Turnaround im Steuerstreit

Dazu sind jedoch weitere Akquisitionen wie jene der Commerzbank Schweiz 2009 fast unumgänglich. 100 Mio Fr. hält Scheidt für Zukäufe bereit. In Frage kommen für ihn hier vor allem Engagements in den beiden Kernmärkten Schweiz und Deutschland. Gerade in diesen Märkten gibt es aber viel zu tun.

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So muss das Private Banking in Deutschland wieder in Schwung kommen - und das im Kontext eines offenen Steuerstreits zwischen der deutschen Regierung und dem Schweizer Finanzplatz. Hilfreich ist hier, dass Vontobel mit eigenen Filialen in Deutschland «onshore» vor Ort ist. Gegenüber dem Streit selber nimmt der gebürtige Deutsche Scheidt indessen eine abwartende Haltung ein. «Wir sind die Anlageberater des Kunden und nicht die internationale Finanzpolizei.»

In der Schweiz steigt derweil der Konkurrenzdruck wegen der Private-Banking-Offensiven anderer Institute stetig; Vontobel kontert dies ihrerseits mit der Eröffnung neuer Filialen. Entlastung dürfte infolge der Wirtschaftserholung vom Investmentbanking her kommen, zu dem auch der Derivatehandel gehört.

In einer Zeit, in der sich die Schweizer Privatbanken von der ausländischen Steuerhinterzieher-Klientel verabschieden müssen, hat Sarasin eine gute Ausgangslage. Die Bank schätzt, dass nur rund 5% der gesamten Kundenvermögen nicht versteuert sind. Diesen Wettbewerbsvorteil will CEO Joachim Strähle nicht aufs Spiel setzen, indem er sich mit der Übernahme eines Konkurrenten viele unversteuerte Kundenvermögen einhandelt. Dennoch hofft der Sarasin-Chef, in der Konsolidierung der Private-Banking-Branche eine aktive Rolle spielen zu können.

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Kundenberater gesucht

Die Privatbanken haben viele Hürden zu nehmen. Der Druck aus dem Ausland auf das verbliebene Schweizer Bankgeheimnis wird anhalten und die Aufsichtsbehörden wollen den Banken strengere Regeln setzen. Da besonders kleinere Banken vor grossen Herausforderungen stehen, wird 2010 für starke und solide Institute genügend Gelegenheiten für Zukäufe bieten. Strähles Interesse gilt allerdings einem grösseren Objekt mit verwalteten Kundenvermögen von über 20 Mrd Fr.

Aber nicht um jeden Preis: Findet sich kein passendes Objekt, wird die Privatbank weiter organisch wachsen. Strähle ist seit drei Jahren am Ruder und hat in dieser Zeit die etwas behäbige Bank auf einen forschen Expansionskurs getrimmt. In der Krise wurde das Wachstumstempo zwar gedrosselt, doch in diesem Jahr soll die Bank bereits wieder auf ihren Kurs zurückfinden und etwa 50 zusätzliche Kundenberater einstellen.

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Sarasin zählt zu den Privatbanken, welche die Krise gut gemeistert haben. Die Bank ist attraktiv für wechselwillige Kundenberater von anderen Instituten. Deshalb sollte Sarasin auch 2010 kräftig Neugelder anziehen können. Bisher hat sich das rasche Wachstum für Sarasin ausgezahlt. In einem schwierigen Umfeld sind forsche Expansionsstrategien aber immer auch risikoreich.