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Finanzmärkte
2018: Nun ist eine komplexe Anlagestrategie nötig

Boerse
Börsenhändler in New York: Für 2018 ist eine neue Anlagestrategie nötig.Quelle: Keystone

Dieses Jahr war für Aktienkäufer sehr erfreulich. 2018 dürfte zunehmend komplexer werden. Gold und Schweizer Aktien könnten die Gewinner sein.

Von Carla Palm
am 22.12.2017

Kein Zweifel, 2017 war ein gutes Jahr für Anleger. Die Wirtschaft florierte und die Gewinne der kotierten Unternehmen nahmen stetig zu. Kann sich der Trend auch im nächsten Jahr fortsetzen? Unter den Finanzstrategen gehen dazu die Meinungen auseinander.

Auffällig ist, dass Schweizer und europäische Institute wie etwa UBS, Vontobel und Commerzbank mehrheitlich von steigenden Börsenkursen und einem anhaltend guten Gesamtumfeld ausgehen. Sie alle empfehlen daher weiter ein Übergewicht in risikoreichen Anlageklassen wie etwa Aktien.

Symptome der Blasenbildung

Warnende Stimmen kommen dagegen aus dem angelsächsischen Raum. Allen voran von der US-Grossbank Bank of America Merrill Lynch. Ihre Strategen haben gleich 15 Symptome identifiziert, die auf eine riesige Blasenbildung in allen Bereichen des Finanzsystems hinweisen. Nach einem noch schwungvollen Jahresstart werde es in der zweiten Jahreshälfte mit dem Bullenmarkt an den Börsen zu Ende sein.

«Die Luft für riskante Anlagen wird spürbar dünner», so Chef-Stratege Michael Hartnett. Auch James Paulson vom amerikanischen Research- und Fondsanbieter The Leuthold Group sieht Gefahren aufziehen. «2017 lief die Wirtschaft viel besser als erwartet, was die Börsen beflügelt hat», so seine Einschätzung. Wenn das Wachstum 2018 anhalte, sei dies keine Überraschung mehr für die Investoren.

Und wenn dieser Überraschungseffekt wegfalle, dürfte es insgesamt schwieriger für Aktien werden. Michael Arone vom Finanzdienstleister State Street rechnet 2018 bestenfalls mit einer Seitwärtsbewegung an den Börsen.

Gefahr der Überhitzung

Auch die Experten der in Kalifornien beheimateten Fondsgesellschaft Pimco geben sich vorsichtig. Zwar sollte sich das synchrone und überdurchschnittliche globale Wirtschaftswachstum zusammen mit einer niedrigen, aber allmählich steigenden Inflation auch 2018 fortsetzen. Doch die Gefahr einer Überhitzung der Wirtschaft bestehe.

Das könnte passieren, wenn in diesem ohnehin positiven Umfeld zu viele fiskalpolitische Anreize gegeben werden. «Dann steigt die Inflation zu schnell, was wiederum Reaktionen der Notenbanken zur Folge haben dürfte», sagt Nicola Mai, Leiter des Sovereign Credit Research der Pimco in London.

Problemfeld Anleihen

Für Privatanleger werde das Finanzumfeld 2018 zunehmend komplexer. Sein Rat ist daher, vorsichtig zu sein und sehr selektiv zu investieren. Im Zweifelsfall sei es besser, sich auf Spezialisten zu verlassen, die für ein diversifiziertes Portfolio sorgen und zudem Flexibilität garantieren können. Was einige Ökonomen zudem beunruhigt, sind die Entwicklungen am Anleihenmarkt.

Die Renditen riskanter europäischer Anleihen (High Yields) seien inzwischen unter die Renditen der langlaufenden US-Papiere gerutscht, was nicht gesund sei, so Michael Hartnett von der Bank of America. Die Deutsche Bank sieht diesbezüglich sogar «die grösste Anleihenblase in der Geschichte der Menschheit» aufziehen. Als Ursache des Übels sehen beide Banken die massiven Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) die seit März 2015 rund 2,6 Billionen in Wertpapiere gepumpt habe.

Gold als Schock-Absorber

Welche Anlageklassen könnten von diesem zunehmend komplizierter werdenden Makroumfeld profitieren? Möglich wäre etwa, dass Gold 2018 als Absicherung wieder an Bedeutung gewinnen wird. Das gelbe Metall hat sich sogar im laufenden Jahr recht gut geschlagen. Normalerweise ist es ein typischer Verlierer, wenn die US-Zinsen steigen, Aktien einen guten Lauf haben und die Volatilität niedrig bleibt. 

Doch gemäss Davis Hall, Leiter Edelmetalle bei Indosuez Wealth Management, waren 2017 die Unvorhersehbarkeit der Politik von Donald Trump, die Korea-Krise sowie die Spannungen im Nahen Osten entscheidend für die Entwicklung des Goldpreises.

Wunsch nach Absicherung

Diese (geo)politischen Risiken dürften sich auch 2018 im Bewusstsein der Anleger festsetzen. Als Folge der Hausse an den Aktienmärkten könnte zudem der Wunsch nach Absicherung in Form von physischem Gold steigen. «Unserer Meinung nach wird Gold vor allem für Portfolios mit Schwerpunkt auf globalen Aktien als Schock-Absorber dienen.» Hall empfiehlt eine Portfoliobeimischung zwischen 5 und 8 Prozent in Gold.

Auch Schweizer Aktien könnten 2018 als Gewinner dastehen. Denn die Schweizer Wirtschaft kommt weiter in Fahrt. Im dritten Quartal wuchs das Bruttoinlandprodukt (BIP) um 0,6 Prozent (zum Vorquartal), was dem Wachstum der Euro-Zone entspricht. «Nachdem das BIP-Wachstum im ersten Halbjahr doch eher enttäuscht hatte, war die deutliche Wachstumszunahme gewissermassen überfällig», schreibt Thomas Heller, Chief Investment Officer der Schwyzer Kantonalbank.

Mögliche Frankenabwertung gegenüber dem Euro

Der Schwung wurde vom privaten Konsum und starken Aussenhandel getragen, der von den anhaltend niedrigen Kreditkosten und dem vergleichsweise günstigen Franken profitiert. Gemäss Heller ist ein baldiges Ende der Negativzinsen nicht in Sicht. Auch der Franken dürfte sein Niveau halten. Analysten von Morgan Stanley rechnen sogar mit einer Frankenabwertung (gegenüber dem Euro) im nächsten Jahr.

Dies könnte besonders exportierenden Unternehmen wie Nestlé oder Novartis oder Luxusgüterherstellern wie Richemont zugutekommen. Die Analysten bewerten die Schweiz insgesamt als «aussichtsreichstes Investmentziel 2018». Dies vor allem wegen des wirtschaftlichen Wachstums und der deshalb steigenden Gewinnerwartungen für 2018 und 2019.

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