Bei einem Ölpreis von um die 140 Dollar pro Barrel flammt erneut ein heisses Thema auf: Wie stark haben Spekulationen die Notierungen getrieben? Der Agrarausschuss des US-Repräsentantenhauses untersucht derzeit, ob die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) den 5 Billionen Dollar schweren Futures-Markt für Öl und andere Rohstoffe im Griff hat. Geprüft werden soll auch, wie der Markt von dem 5 Billionen Dollar umfassenden Over-the counter-Markt beeinflusst wird.

Der Ausschuss will den Rohstoffmarkt gesetzlich reformieren. So sollen Pensionsfonds Investments in Rohstoffe verboten oder die Grösse von Trades limitiert werden. CFTC-Chef Walter Lukken sagt zwar, dass das Prinzip von Angebot und Nachfrage die Preise treibe. In den letzten Wochen hat die als Wall-Street-freundlich geltende Behörde jedoch eine aggressivere Aufsichtshaltung eingenommen. Die CFTC überwacht die US-Termingeschäftsbörsen, an denen Kontrakte im Wert von 4,78 Billionen Dollar im Jahr abgewickelt werden – über 1000-mal so viel wie Mitte der 1970er Jahre. Edward Morse, Energieökonom bei Lehman Brothers, sagt, dass pro 100 Mio Dollar, die seit 2006 neu in Öl investiert wurden, der Ölpreis um 1,6% gestiegen sei.

Was die aktuelle Debatte so schwierig macht, ist die Tatsache, dass es an Daten über den Derivatemarkt mangelt. Wall-Street-Banken haben Swaps entwickelt, die es Pensionsfonds, Hedge-Fonds und Rohstoffunternehmen ermöglichen, untereinander auf Preise zu wetten – jenseits der Aufsicht der CFTC. Swaps sind mittlerweile die primären Instrumente, mit denen institutionelle Investoren bullishe Wetten platzieren. Bei einer Anhörung sagte die CFTC, dass 85% der Investments in Rohstoffindizes ausserhalb der geregelten Futures-Börsen abliefen. Da sich geschätzte 50% des Markts auf Rohöl beziehen, könnte der ausserbörsliche Ölhandel über 18 -mal umfangreicher sein als alle ausstehenden Ölwetten am grössten geregelten Energie-Futures-Markt, der New York Mercantile Exchange, so das Research-Unternehmen ISI Group.

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