Anleihen von Staaten, darüber war sich das breite Anlegerpublikum bisher einig, sind ein sicherer Hafen. Gerade in so turbulenten Börsenzeiten wie diesen.

Doch nun zeigen die sogenannten Credit Default Swaps (CDS), mit denen Finanzmarktteilnehmer ihre Kredite absichern, ein anderes Bild: Bei den Kontrakten sind die Risikoprämien, die «Spreads», deutlich angestiegen. Was bedeutet, dass die Anleger jetzt vermehrt damit rechnen, dass sogar ein Staat zahlungsunfähig werden könnte. Die Bewegungen in den CDS-Spreads beschränken sich dabei nicht auf exotische Schwellenland-Anleihen, sondern haben auch die Schatzpapiere der wichtigsten Industrienationen der Welt erfasst, so der USA und Deutschlands.

Nach Milliarden Billionen

Nachbarländer der Schweiz, wie Österreich, weisen noch weit grössere Spreads auf, obwohl diese Staaten – wie auch die Schweiz – meist das beste Rating aufweisen, das die Agentur Standard & Poor’s vergibt: Ein AAA mit einem stabilen Ausblick (siehe Tabelle). «Ein AAA bedeutet den Erfahrungswerten zufolge, dass das Ausfallrisiko bei Null liegt», sagt Nannette Hechler-Fayd'herbe, Leiterin Global Fixed Income & Credit Research bei der Grossbank Credit Suisse.

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Doch die Investoren scheinen den Erfahrungswerten nicht mehr zu trauen. Käufer einer AAA-Anleihe verlangen heute, analog zu den CDS-Spreads, eine wesentlich höhere Risikovergütung als noch Monate zuvor (siehe Grafik). «Das Auseinandergehen der Spreads ist Ausdruck der sehr schlechten Stimmung am Markt», sagt Peter Gasser, Kreditanalyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Für Nervenflattern sorgen dabei eine ganze Reihe von Ungewissheiten. So die Frage nach der Rezession, unmittelbar gefolgt von den Massnahmen, um ebendiese abzufedern: Auch Experten gelingt es heute kaum noch, den Überblick über die weltweit geplanten staatlichen Stützungsprogramme zu behalten. Noch schwieriger ist es, deren Umfang abzuschätzen. Dazu das Beispiel USA: Das letzten Oktober beschlossene Rettungspaket sollte 700 Mrd Dollar für den Bankensektor umfassen. Nun belaufen sich die Forderungen an den US-Staat schon auf 7 Billionen Dollar. Keine gute Nachricht für die bisherigen Kreditgeber der wichtigsten Wirtschaftsnation.

Das gilt global: «Die Fundamentaldaten vieler Staaten dürften sich als Folge der Rezession und steigender Staatsverschuldung verschlechtern», erläutert Hechler-Faydherbe von Credit Suisse. Mit Folgen für die Bonität. Zwar haben die Rating-Agenturen bisher stillgehalten und die Rettungspakete in der Regel als der Finanzstabilität förderliche Massnahmen begrüsst. Hinzu kommen wohl auch politische Gründe. Würde die USA als wichtigste Grösse im Kreditmarkt von AAA heruntergestuft, wären die Folgeschäden nur schwer abzuschätzen. «Ein Downgrade der USA würde ein Erdbeben auslösen», sagt Gasser von der ZKB. Nicht auszuschliessen seien jedoch Herabstufungen bei Ländern wie Italien oder Griechenland, die neben den Folgen der Finanzkrise noch mit einer hohen Verschuldung zu kämpfen haben.

Eine Herabstufung würde für die Anleger einen weiteren Verlust auf der heute schon schmalen Performance bedeuten. Denn aufgrund der Flucht in Sicherheit wurden die Preise von Staatsanleihen zuletzt massiv in die Höhe getrieben. So hat die 10-jährige Eidgenossen-Anleihe heute noch eine Verfallrendite von 2,07%. «Hier ist auf der Zinsperformance-Seite kaum noch etwas zu holen», sagt Hechler-Fayd'herbe. Das hohe Niveau macht Staatsanleihen zudem anfällig auf Kurskorrekturen, wenn Anleger wieder vermehrt in Aktien umschichten.

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Was also tun? Wer im staatlichen und staatsnahen Bereich nicht auf Rendite verzichten will, der muss gewillt sein, nun auch in exotischere Anlagen vorzustossen.

Statt Staat lieber eine Bank

So empfiehlt Credit Suisse die Bonds von Banken, die nach Hilfsmassnahmen neu eine Staatsgarantie aufweisen. «Der Markt unterscheidet bei den Risiken bereits kaum mehr zwischen einer Royal Bank of Scotland und einer Staatsbank wie der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau KFW», sagt Hechler-Fayd'herbe. Das Problem: Noch ist nicht genau absehbar, was mit den Papieren geschehen wird, wenn die Hilfspakete auslaufen oder Rückzahlungen fällig sind.

Eine weitere Möglichkeit bieten Inflationsschutzanleihen, die in den letzten Monaten tief gefallen sind. Nun wird wegen der Zinssenkungen eher wieder mit einer zunehmenden Teuerung gerechnet.

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Wer jedoch den Sicherheitsaspekt und gute Liquidität stärker gewichtet als Performance, ist mit Staatsanleihen der führenden Industrieländer weiterhin gut bedient – denn der Bankrott dieser Länder ist trotz den Befürchtungen am Markt unwahrscheinlich. Die Credit Suisse empfiehlt mittelfristige Staatsanleihen (Laufzeiten zwischen fünf und sieben Jahren) sowie Bonds von staatsnahen Institutionen oder Agenturen wie der Europäischen Investmentbank EIB, der KFW oder der französischen CADES.