Gegenwärtig wird viel über die langfristige Energieversorgungssicherheit in der Schweiz debattiert. Dabei zeichnet sich ab, dass es den viel zitierten Königsweg in der Energiepolitik so nicht gibt. Heute fallen rund 80% der hiesigen Energieversorgung auf die fossilen Energieträger Öl und Gas. Diese werden vollständig aus dem Ausland bezogen und für Heiz- und Prozesswärme sowie im Verkehr eingesetzt. Die restlichen 20% der Energieversorgung fallen auf die Elektrizität, die vorwiegend aus inländischer Wasserkraft und Kernenergie stammt.

Was kommt nach 2020?

Bis im Jahr 2020 ist die Energieversorgung in der Schweiz sowohl im Bereich der fossilen Energien wie auch beim Strom gesichert. Die aktuelle Diskussion dreht sich um die Stromversorgung nach 2020. Dann droht der Schweiz eine Versorgungslücke, da bestehende Produktionsanlagen altersbedingt vom Netz genommen werden müssen. Zudem läuft ein Teil der Langfristverträge aus, die die Strombranche in den 70er Jahren mit französischen Kernkraftbetreibern zum Strombezug abgeschlossen hat. Falls alle Stricke reissen, könnte eine solche Versorgungslücke bereits ab 2012 drohen.

Im Klartext: In absehbarer Zukunft wird der erwartete Stromverbrauch die im Inland zur Verfügung stehenden Stromkapazitäten dauerhaft übersteigen. Gesellschaft und Wirtschaft müssen daher ihren Stromhunger zügeln, und die Stromwirtschaft muss dringend in neue Produktionskapazitäten investieren. Wir brauchen bis 2020 neue Kraftwerke, um bestehende Anlagen zu ersetzen und den zusätzlichen Strombedarf zu decken. Andererseits sind Bund und Parlament in der Pflicht, rasch über eingereichte Gesuche zu befinden. Der Bundesrat hat hier bereits vorgespurt, er lässt die Verordnung über das Plangenehmigungsverfahren für elektrische Anlagen revidieren und prüft Verfahrensvereinfachungen für die Bewilligung neuer Kraftwerke.

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Breiter Strommix nötig

Der Anstieg des Stromverbrauchs muss in den nächsten Jahren mit geeigneten Massnahmen bekämpft werden. Das Bundesamt für Energie hat hier das Feld bereits bestellt und hat die entsprechende Saat ausgestreut. Es hat Aktionspläne zur Steigerung der Energieeffizienz wie auch zur Förderung der erneuerbaren Energien ausgearbeitet. Dies mit dem Ziel, bis 2020 den Anteil fossiler Energien um 20% zu senken, den Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch um 50% zu steigern und den Anstieg des Stromverbrauchs zwischen 2010 und 2020 auf maximal 5% zu begrenzen.

Und trotzdem: Damit die Saat auch aufgeht und die Stromversorgung langfristig sichergestellt ist, braucht es neben der Förderung der Energieeffizienz und neben Stromimporten auch einen breit angelegten Strommix aus erneuerbaren Energien, Wasserkraft und Grosskraftwerken. Nur so lässt sich die drohende Stromlücke auch effizient bekämpfen und abwenden.