Während bei den grossen Schweizer Retailinstituten die Strategien so schnell wechseln wie die Manager, hält die Basler Kantonalbank (BKB) seit Jahren Kurs. Und an der Spitze steht immer noch der gleiche Mann - Sie. Könnte man sagen: Die BKB, das ist Hans Rudolf Matter?

Hans Rudolf Matter: Wir haben seit Jahren eine Kontinuität in unserer Strategie, und die eingeschlagene Stossrichtung verfolgen wir weiter. Doch die Bank ist eben nicht allein der Herr Matter, sondern wird durch ein breit abgestütztes Team von engagierten Mitarbeitenden gezogen.

Und wohin zieht es die BKB im Jahr 2010?

Matter: Wir sind sehr gut positioniert mit den beiden Banken im Konzern. Jedes Institut kann wachsen, ohne dem anderen gross in die Quere zu kommen. Die Bank Coop wächst als national tätige Vertriebsbank, die sich auf Retailkunden und KMU konzentriert. Das kompensiert unser Handicap, im flächenmässig kleinsten Kanton tätig zu sein. Die BKB konzentriert sich ihrerseits neben dem Privatkundengeschäft auf das Private Banking sowie auf das Firmenkunden- und Handelsgeschäft. Diese Strategie verfolgen wir 2010 mit voller Kraft weiter. Wir gehen davon aus, dass wir gestärkt aus der Wirtschaftskrise hervorgehen.

Sie können 2010 also ans gute Vorjahr anknüpfen?Matter: Davon gehen wir aus. Das Umfeld wird sich bestimmt weiter normalisieren.Doch schon Mitte 2009 haben Sie gemahnt, die Zeiten des rekordhohen Wachstums seien vorüber.

Matter: Ich kann Ihnen bestätigen, dass sich die operativ erfreulichen Ergebnisse des 1. Halbjahres auch ins 2. Semester fortsetzen, obwohl die Neugeldzuflüsse leicht abgenommen haben. Wir haben aber Marktanteile hinzugewonnen.

Was heisst das für den Ertrag? Sie haben für das Bilanzjahr 2009 einen noch besseren Gewinn als für 2008 versprochen?

Matter: Ich kann noch keine konkreten Zahlen nennen. Aber: Diese Erwartung könnte sich erfüllen.

Und was beabsichtigen Sie, mit dem Gewinn zu tun?

Matter: Wir wollen in nächster Zeit weiter Eigenmittel äufnen. Denn eines hat die Krise gezeigt: Es gibt nichts Besseres als ein dickes Kapitalpolster. Unser mittelfristiges Ziel ist eine Eigenmittelüberdeckung von etwa 200%. So ein Polster ist auch nützlich, wenn sich die Möglichkeit zu einer Akquisition bieten sollte.

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Wonach halten Sie denn Ausschau?

Matter: Ideal wäre, wenn wir einzelne Vermögensverwaltungs-Teams übernehmen könnten. Auch die Akquisition von kleineren Banken wäre möglich. Wir stehen aber nicht unter Druck.

Mit der Bank Coop betreiben Sie ein schweizweites Retailgeschäft und sind nach der letztjährigen Übernahme der AAM Privatbank ausser in Basel und Zürich auch in Genf und Bern als Vermögensverwalter tätig. Gibt es noch weisse Flecken auf der Schweizer Landkarte?

Matter: Nein, wir haben keine Pläne für weitere Standorte. Die BKB ist schwergewichtig in der Nordwestschweiz und in Zürich tätig. Der Rest sind Arrondierungen. Bei der Bank Coop prüfen wir dagegen laufend die Möglichkeit von Filialen und entscheiden situativ.

Werden die Basler in Zürich noch aktiver?

Matter: Das starke Wachstum der Private-Banking-Einheit an der Stockerstrasse in der Stadt Zürich ist dank Hans Ringger mit seinem engagierten Team ungebrochen.

Doch bei der AAM Privatbank, die Sie letztes Jahr übernommen haben, wurden gerade am Platz Zürich zahlreiche Stellen gestrichen. Wie passt das zusammen?

Matter: Wir haben uns für die Integration der AAM Privatbank entschieden, da es sehr aufwendig ist, zwei Marken nebeneinander zu führen - «BKB-Private Banking» und AAM. Mit der Eingliederung war auch klar, dass es einige Stellen nicht mehr braucht. Im 1. Quartal dieses Jahres wird dieser Prozess nun abgeschlossen sein. Gleichzeitig wollen wir aus eigener Kraft weiter wachsen: So ist Mitte 2009 ein Team einer ausländischen Bank in Zürich dazugestossen.

Immer wieder wird spekuliert, dass die Basler Kantonalbank im Elsass oder in Süddeutschland eine Filiale eröffnen könnte. Gehen Sie bald im Ausland «onshore»?

Matter: Wir sind in einem Dreiländereck; da ist es klar, dass die Kunden aus Deutschland und Frankreich eine Bedeutung für die Basler Kantonalbank haben. Gesamthaft betreuen wir rund 20% ausländische Kunden. Wir schauen uns das Thema in unseren Strategiebesprechungen auch immer wieder an - und kommen wiederholt zum Schluss, dass wir das nicht machen möchten. Wir glauben, dass es schwierig ist, im Ausland innert vernünftiger Frist attraktive Erträge zu erzielen.

Die St. Galler und die Zürcher Kantonalbank liegen also falsch mit ihren neuen Filialen in Deutschland respektive Österreich?

Matter: Nein, im Gegenteil, das sind interessante Schritte, die wir mitverfolgen. Für uns ist das aber zurzeit kein Thema.

Allerdings wird das Offshore-Geschäft über die Grenze hinweg wegen des Steuerstreits mit dem Ausland schwieriger ?

Matter: Das Geschäft mag sich wohl verlangsamen. Aber mit Diskretion und professionellen Dienstleistungen hat man weiter gute Chancen. Wir werden uns in diesem Bereich halten können. Auch deshalb, weil wir das Geschäft nicht auf unversteuerten Vermögen aufgebaut haben.

Die BKB hält also keine undeklarierten Vermögen?

Matter: Das habe ich nicht gesagt. Selbstverständlich wird es auch bei uns solche Vermögen geben. Es ist für eine Bank schwierig sicherzustellen, was versteuert ist und was nicht.

Andere Kantonalbanken weisen aber Steuerflüchtlinge von der Tür.

Matter: Nochmals, es war und ist nicht unser Geschäftsmodell, unversteuerte Gelder anzuziehen. Allerdings haben auch wir etwa die Richtlinien im Geschäft mit US-Personen deutlich verschärft. Aber letztlich bleibt es dem Kunden überlassen, wie er bei uns anlegt. Wir stellen inzwischen fest, dass es bei der Deklaration von ausländischen Vermögen Veränderungen gibt.

Gibt es Abflüsse?

Matter: Dies ist nur vereinzelt spürbar.

Frankreich und Deutschland sind nur wenige Kilometer vom Hauptsitz der BKB entfernt.- Sie müsste demnach besser als andere wissen, wie die Staaten ticken. Was ist von dieser Seite noch zu erwarten?

Matter: Die Regierungen werden bestimmt weiter Druck machen.

Einige Hoffnung setzen die Banken darauf, den Streit mit einer Abgeltungssteuer auf ausländischen Vermögen beizulegen. Was halten Sie davon?

Matter: Man muss dies versuchen. Der Fokus der Schweizer Banken muss in Zukunft noch mehr auf der Neuakquisition von «Tax compliant»-Geldern liegen.

Herausforderungen gibt es auch innerhalb des Konzerns: Da ist die Integration der AAM Privatbank und die Bank Coop migriert auf die IT-Plattform Avaloq. Wie kommen Sie voran?

Matter: Per letzten Oktober haben wir die BKB erfolgreich auf Avaloq migriert. Jetzt beginnen die Arbeiten bei der Bank Coop. Ende 2010 wollen wir dort zum Abschluss kommen, wir sind on track.

Mit welchen Kosten rechnen Sie?

Matter: Für die Informatik-Migration beider Banken ist ein Budget in Grössenordnung von rund 140 Mio Fr. vorgesehen.

Im Asset Management haben Sie zusammen mit der Bank Coop gerade eben ein neues Kompetenzzentrum gegründet. Was sind dort die Pläne?

Matter: Die Konzentration der vorhandenen Kräfte hierzu ist ein weiterer Schritt zur Vertiefung der Anlagekompetenz beider Banken.

Wäre längerfristig auch eine Integration der Bank Coop in die BKB erstrebenswert?

Matter: Wir haben eine gemeinsame IT, ein Konzerninspektorat, arbeiten im Marketing, Personal- und Rechnungswesen zusammen. Wir haben die wichtigsten Synergien damit genutzt. Aber wir bleiben dabei: Die Bank Coop bleibt operativ selbstständig und wird unter eigener Marke geführt.

Eine weitere Zusammenarbeit unterhält der Konzern mit der Basellandschaftlichen Kantonalbank: Über die Sourcag mit Swisscom als Partner wickeln beide Häuser ihr Backoffice und den Wertschriftenhandel ab. Wann stossen weitere Banken zu Sourcag?

Matter: Mit der Einbindung der Swisscom als neutraler Partner kann das Projekt nun viel besser vorangebracht werden. Wir sind überzeugt, dass in den nächsten Jahren sehr viel Potenzial da ist und andere Kantonal- und Retailbanken ihre Dienste an Sourcag auslagern werden. Das Interesse ist vorhanden, die Gespräche laufen.

Der Basellandschaftlichen Kantonalbank haben Sie ja auch AAM abgekauft - die Bande sind eng. Wäre in ferner Zukunft eine «Kantonalbank beider Basel» möglich?

Matter: Auf dem Schreibtisch klingt das plausibel und wäre auch sinnvoll. Doch politisch ist dies aus heutiger Sicht nicht umsetzbar.